Digitale Logistik

Digitalisierung der Logistik: Klassische Berufsbilder müssen sich anpassen

| Autor / Redakteur: Gabriel Sieglerschmidt / Jonas Scherf

Zukünftig schmerzen die Finger in der Logistik mehr vom Tippen als von körperlicher Arbeit.
Zukünftig schmerzen die Finger in der Logistik mehr vom Tippen als von körperlicher Arbeit. (Bild: Flickr)

Tastatur statt Telefon: Die klassischen Berufe in der Logistik werden sich massiv verändern – der fortschreitenden Digitalisierung sei Dank. Personalengpässe können nur verhindert werden, wenn in der Ausbildung frühzeitig auf diesen Wandel reagiert wird.

Kaufmännische Berufe

Der Speditionskaufmann der Zukunft wird bei der Koordinierung von Gütern fast ausschließlich auf den Bildschirm seines Computers oder Smartphones schauen. Langwierige Telefonate und ungenaue Angaben über Standort oder Ankunftszeit eines Transports gehören der Vergangenheit an. Dank transparenter Track & Trace Systeme ist die Nachverfolgung von Transporten in Echtzeit kein Problem mehr. Auch die Kommunikation mit Kunden und Fahrern wird überwiegend digital ablaufen. Ganz verschwinden wird das Telefon aber nicht: Gerade bei großen Key Accounts wird die zwischenmenschliche Kompetenz nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Ein weiterer kaufmännischer Bereich, in dem der Mensch noch lange nicht ersetzbar sein wird, ist die Organisation von In- und Exporten. Neben Fremdsprachenkenntnissen machen hier vor allem die interkulturellen Fähigkeiten den Menschen jeder Computerlösung überlegen.

Kommissionierung/ Materialwirtschaft / Fachkraft für Lagerlogistik

Die Automatisierung und die Kraft vernetzter Systeme wird den Menschen dauerhaft ersetzen. Intelligente Lagerhaltungssysteme, die direkt und autonom an das Supply-Chain-Management-System angebunden sind und selbstständig Waren nachbestellen, deren Bestand zu niedrig ist, machen eine von Menschen betriebene Materialwirtschaft genauso hinfällig wie die klassische Lagerlogistik. Intelligente Lagerroboter – wie bereits in manchen Amazon-Lagern im Einsatz – können die Waren genauer, schneller und langfristig günstiger kommissionieren als Menschen. In der Industrie wird diese Entwicklung besonders schnell voranschreiten.

Versandleiter/ Disponent

Speziell in der Kommunikation werden Versandleiter bereits in naher Zukunft punktuell durch Bots ersetzt werden, die redundante Fragen herausfiltern und selbständig beantworten. Versandleiter werden sich verstärkt um die Pflege von Key Accounts kümmern. Der Disponent hingegen wird in 15 Jahren keine Rolle mehr spielen. Basierend auf riesigen Datenmengen können computergestützte Systeme Fahrtrouten wesentlich effizienter planen als jeder Mensch. Die hohen Einsparungen, die hierdurch für Speditionen realisiert werden können, werden den Digitalisierungsprozess in diesem Bereich extrem beschleunigen.

Kraftfahrer

Auch wenn zwischen Silicon Valley und Wolfsburg autonomes Fahren mittlerweile zum neuen Trendsport geworden ist, wird es noch sehr lange dauern, bis selbstständig fahrende LKWs auf europäischen Straßen unterwegs sein werden. Die Vorstellung eines führerlosen 30-Tonners mit chemischen Produkten ist zudem so angsteinflößend, dass sich die Rolle des Kraftfahrers hin zu einem Kraftfahrzeug-Kontrolleur ändern wird. Wie ein Pilot im Flugzeug greift er nur ein, wenn die Situation es erforderlich macht. Bis in diesem Bereich die Zukunft einkehrt, gilt es aber erstmal andere Baustellen zu beheben: Die Branche leidet unter akutem Fahrermangel.

Frachtinformatiker / Logistik-Planer / Supply Chain Manager

Die Rolle des Frachtinformatikers wird stark an Bedeutung gewinnen. Seine Aufgabe ist es, externe und interne Schnittstellen zu integrieren und dafür zu sorgen, dass die digital gestützten Prozesse wie Disposition, Routenplanung und Fehlermanagement problemlos laufen. Eine besondere Herausforderung wird die Einbindung interner Prozesse in etablierte neue Technologien sein. Genauso bedeutsam ist die Rolle des Logistikplaners, der sämtliche Prozesse im Blick und deren Optimierung strategisch planen muss. Eine seiner wesentlichen Aufgaben wird die Entwicklung tragfähiger Zukunftskonzepte für die Logistik werden. Der Supply Chain Manager bleibt auf absehbare Zeit unersetzlich, weil er die Schnittstellen zwischen Warenlogistik und Produktionsprozessen koordinieren und steuern muss.

Die Prognose  ist klar: Die Aufgaben, die mit Planung, Koordination und Verteilung zu tun haben, werden fast ausnahmslos durch Algorithmen und digitale Lösungen ersetzt: Zu verlockend sind die hohen Einsparungspotentiale, die durch Automatisierung und Digitalisierung realisierbar sind. All jene Berufe, die bereits heute IT-lastig sind, werden in ihrer Bedeutung weiter zunehmen – sehr zur Freude der Millenial-Generation. Besonders in großen Unternehmen wird darüber hinaus die Einbindung externer digitaler Logistikpartner zu einer der wesentlichen Herausforderungen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.