Maschinen-Exporte

Höchste Zeit für China

01.06.2007 | Autor / Redakteur: Christa Friedl / Ulrike Gloger

Jährliches Wachstum der deutschen Maschinenlieferungen von 2007 bis 2015 – die Maschinenausfuhr nach Russland ist am expansivsten. Quelle: DB Research, VDMA

2007 boomt der deutsche Maschinenbau das vierte Jahr in Folge. Neue Märkte in Asien, insbesondere China, und Russland könnten künftig dem Auf und Ab der Branche die Schärfe nehmen.

Lob hört jeder gern. Und was die Zukunft des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus angeht, ist Josef Auer voll des Lobes. „Die deutschen Hersteller sind weltweit führend und alle Zeichen sprechen derzeit dafür, dass ihre Bedeutung global weiter wachsen wird,“ sagt der Experte der Deutsche Bank Research in Frankfurt am Main.

Im deutschen Maschinenbau bestimmt der Mittelstand. „Er ist Sinnbild des eigenverantwortlichen, freien und kreativen Unternehmertums am Produktionsstandort Deutschland“, formuliert Auer in einer neuen Marktstudie. An diesem Grundpfeiler konnte auch die Globalisierung nicht rütteln. Die Branche war im internationalen Wettbewerb selten so stark wie heute. Trotz mehrjähriger Dollarschwäche wird 2007 das vierte Aufschwungjahr in Folge. 2007 rechnet Auer mit einem Produktionswachstum von mindestens 8 %, für Sektoren wie den Werkzeugmaschinenbau sogar 18 %.

Gleich von mehreren Trends werden die deutschen Hersteller in den kommenden Jahren profitieren: Die Nachfrage nach Spezialmaschinen steigt. Die Dienstleistungskomponente gewinnt an Bedeutung. Drittens wächst der Bedarf an komplexen Maschinensystemen wie flexiblen Fertigungsinseln.

Der Erfolg liegt in den Wachstumszentren der Zukunft: in China, Indien und Russland. „Hier müssen die Deutschen ihre Trümpfe ausspielen,“ sagt Auer. Für heimische Maschinenbauer, die diese Märkte bislang vernachlässigt haben, sei es höchste Zeit.

China, Indien und Russland versprechen dem Maschinenbau gute Chancen

Bis 2015 bleibt China für die deutschen Maschinenbauer der wichtigste Markt in Asien. DB Research rechnet mit einem Wachstum der deutschen Maschinenexporte um nominal 7 % pro Jahr. Wichtigster Motor dafür sind Aufbau und Modernisierung industrieller Fertigungsstrukturen in China, die mit rasantem Tempo vorangehen.

Indien hinkt zwar gut eine Dekade hinter China her, die Maschinenausfuhr aber boomt. 2006 legte der Export um 63 % zu. Indien prescht in vielen Branchen voran und der Export deutscher Maschinen könnte bis 2015 um 10 % pro Jahr zulegen. Wesentliche Treiber sind Textil- und Konsumgüterindustrie, aber auch der Ausbau der Windkraft und der große Investitionsbedarf in der Infrastruktur.

Wenn es um deutsche Maschinen geht, ist das russisch-deutsche Verhältnis ungetrübt. „Die Ausfuhren nach Russland werden global gesehen am stärksten steigen, da das Land in Industrie und Energiewirtschaft investieren muss und vor allem auf deutsche Maschinen setzen dürfte,“ prognostiziert Auer. Bauwirtschaft, neue Verkehrs- und Energienetze und eine Modernisierung im Bereich Nahrungs- und Genussmittel versprechen bis 2015 der Branche Exportsteigerungen um 12 % pro Jahr – nicht zuletzt dank der hohen Gas- und Ölpreise, die Milliarden Devisen in die Kassen spülen.

Maschinenbau könnte weniger zyklisch werden

Trotzdem bleibt der deutsche Maschinenbau auch künftig eine zyklische Branche. Die zyklische Bewegung könnte künftig allerdings gedämpfter ausfallen, wenn die wirtschaftliche Entwicklung in China und Indien zu einer selbsttragenden Kraft wird, die von der Weltkonjunktur weniger abhängig ist.

Und trotz bester Prognosen bleiben Risiken: Indien mit seinen komplexen kulturellen und politischen Strukturen ist für einen deutschen Mittelständler ohne intensive Beratung durch Insider kaum durchschaubar. In Russland wird kommendes Jahr der Präsident neu gewählt – mit bisher schwer abschätzbaren Folgen für Politik und Wirtschaft.

Und für China warnt Auer vor einer Arbeitsteilung, bei der die Deutschen sich nur um Spezialmaschinen kümmern, die Chinesen dagegen den Massenmarkt bedienen. „Denn das zunehmende Know-how der Chinesen dürfte zu einer Penetration auch des mittleren Maschinenbausegments führen. Bricht den Deutschen aber das mittlere Segment weg, rentieren sich längerfristig auch Kleinserien- und Einzelfertigung kaum noch.“MM

Christa Friedl ist Fachjournalistin in Krefeld

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 212690 / Distributionslogistik)