Forschungsprojekt

Die Autobahn der Zukunft?

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Christian Bauer / Benedikt Hofmann

Grundidee von ELANS ist die Verlagerung des Güterverkehrs von hochbelasteten Autobahnen auf völlig neue, neben den Autobahnen zu errichtende Güterbahnsysteme.
Grundidee von ELANS ist die Verlagerung des Güterverkehrs von hochbelasteten Autobahnen auf völlig neue, neben den Autobahnen zu errichtende Güterbahnsysteme. (Bild: Institut für angewandte Logistik (IAL))

Wie wäre es, längere Strecken mit dem Lkw zurück zu legen ohne zu lenken? Und das umweltfreundlich, kostenneutral und mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit, welche um ein Drittel höher liegt als auf Autobahnen möglich? Unter anderem diese Fragen gingen dem Projekt Elans voraus.

Elans ist ein Akronym für Entwicklungsprojekt Lkw-Verkehr auf neuen Schienen. In einer Vorstudie wurde jetzt die technische und wirtschaftliche Machbarkeit dieses neuen Verkehrssystems an einem, mit Güterverkehr hoch belasteten Abschnitt der Autobahn A6 exemplarisch untersucht. Im Juli 2014 fiel der Startschuss des Vorhabens in München mit der Förderung des Projekts durch die dortige Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr. Unter Federführung des Instituts für angewandte Logistik (IAL) an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt sowie des Initiators und Ideengebers des Projekts, Wilhelm Köhler, nahm ein Konsortium von Experten aus Wissenschaft und Praxis die Arbeit auf. Dazu gehören die Spedition Geis Eurocargo und Gauff Rail Engineering aus Nürnberg, das CERSS Kompetenzzentrum Bahnsicherungstechnik aus Dresden in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, sowie SPL Powerlines Germany aus Forchheim.

Grundidee von Elans ist die Verlagerung des Güterverkehrs von hoch belasteten Autobahnen auf völlig neue, neben den Autobahnen zu errichtende Güterbahnsysteme. Diese neuen Bahnstrecken sind unabhängig vom vorhandenen DB-Netz und erreichen durch den Einsatz modernster Verladetechnologie, sowie weitest gehender Automatisierung des Betriebs, eine im Vergleich zur Autobahn deutlich höhere durchschnittliche Reisegeschwindigkeit. Durch die Positionierung der Verladestationen neben ausgewählten Autobahnanschlussstellen können dabei auch wie bisher die Regionen entlang der Strecke bedient werden.

Verkehrsmessung als Grundlage

Referenzabschnitt für das Elans-Konzept ist der knapp 200 km lange Abschnitt der Autobahn A6 zwischen dem Kreuz Nürnberg-Süd und dem Kreuz Walldorf. Um im ersten Schritt grundlegende Verkehrsdaten des mautpflichtigen Lkw-Verkehrs auf diesem Abschnitt zu erhalten, wurde eine zweiwöchige elektronische Verkehrszählung durchgeführt. Die erhobenen Daten wurden anschließend mit den Daten der Dauerzählstellen in Bayern und Baden-Württemberg abgeglichen und unter Verwendung bereits bestehender Gutachten und Studien zur zukünftigen Verkehrsentwicklung für das Jahr 2030 extrapoliert. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für die Ausgestaltung des Systems.

Streckenführung und Betriebskonzept

Für die Untersuchung wurde im Rahmen des Projekts eine parallel zur A6 verlaufende Bahntrasse einschließlich aller baulichen Maßnahmen konzipiert und kalkuliert. Zwischen den Endstationen Nürnberg-Süd und Walldorf sind insgesamt vier Zwischenstationen (durchschnittlich alle 35 km) geplant, welche die Möglichkeit bieten, individuell auf- und abfahren zu können. Aufbauend auf der Trassierung wurde ein Betriebs- und Sicherheitskonzept entwickelt, welches den hohen Ansprüchen von Elans in puncto Verfügbarkeit, Zugtaktung und Reisegeschwindigkeit gerecht wird. So erfolgt der Bahnbetrieb bei Elans fahrerlos unter Verwendung modernster Standards und bewährter Leit- und Sicherungstechnik.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Arbeiten zur Ermittlung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit von Elans weit fortgeschritten. Das für das Jahr 2030 hochgerechnete Verkehrsaufkommen mautpflichtiger Lkw, welches aufgrund der ermittelten Reiseweiten vorteilhaft auf das Elans-System verlagert werden könnte, liegt bei rund 87.000 Lkw pro Woche. Bei der gemessenen durchschnittlichen Reiseweite von 135 km pro Lkw ergibt sich ein durchschnittlicher Reisezeitvorteil von fünf Minuten. Zu- und Abfahrt, Be- und Entladevorgang sowie Wartezeiten sind darin bereits enthalten. Alle vier Kilometer, die Elans weiter genutzt wird, ergibt sich eine Minute Zeitersparnis gegenüber einer regulären Autobahnfahrt – und das unabhängig von witterungs- und verkehrsbedingten Verzögerungen. Die auf dem Zug verbrachte Zeit kann zudem als Lenkzeitunterbrechung im Sinne der Verordnung über die Lenk- und Ruhezeiten innerhalb der Europäischen Gemeinschaft genutzt werden.

Kostentechnisch ist es das Ziel von Elans eine finanzielle Mehrbelastung der Nutzer zu vermeiden. Geplant ist, dass die für die Nutzung des Systems anfallende Gebühr durch die erzielten Einsparungen (zum Beispiel bei Maut, Treibstoffverbrauch oder verschleißabhängigen Kosten) im Schnitt gedeckt wird. Entsprechende Szenarien für einen wirtschaftlichen Betrieb des Systems werden aktuell erarbeitet. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Untersuchung möglicher öffentlich-privater Partnerschaften (ÖPP).

Erforschung der Nutzerakzeptanz

Die Machbarkeit des Systems steht und fällt jedoch insbesondere auch mit der Akzeptanz durch die Nutzer. Neben politischen Zielen und gesellschaftlichem Willen ist diese entscheidend. Neben allen potenziellen Rahmengrößen ist es wichtig zu erfahren, wie mögliche Kunden des Systems dieses einschätzen. Speditionen, Verbände und Dienstleister aus der Branche werden deshalb um ihre Unterstützung in Form der Teilnahme an einer Akzeptanzbefragung gebeten. Teilnehmende erhalten dabei die Möglichkeit, weitere Details über das Elans-Konzept zu erfahren.

Hier geht es zur Umfrage. ■

* Prof. Dr. Christian Bauer ist Projektleiter bei Elans.

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