Schwertransporte

1000 Hindernisse auf 1250 Kilometern

| Redakteur: Bernd Maienschein

Vier „Classifier“, überdimensional große Komponenten für die Energieversorgung, wurden vom Ruhrgebiet nach Polen transportiert.
Vier „Classifier“, überdimensional große Komponenten für die Energieversorgung, wurden vom Ruhrgebiet nach Polen transportiert. (Bild: BigMove)

Im modernen Schwertransport sind Ausnahmen eher die Normalität. So auch bei vier „Classifiern“, überdimensionalen Großkomponenten für die Energieversorgung, die von Oberhausen nach Kozienice in Polen transportiert wurden.

Bis Stettin wurden die „Classifier“ per Binnenschiff transportiert, dann begann der anspruchsvolle Teil der Reise. 600 Straßenkilometer wären ab dort die optimale, die kürzeste Wegstrecke gewesen. Letztlich wurden für den Bigmover TAG aus dem polnischen Strzelce Opolskie jedoch 1250 km daraus, da die Transporthöhe von 6,10 m vielfältige Streckenänderungen und Umwege erforderlich machten. Insgesamt beinahe 1000 Telefonleitungen, Mautstellen und Ampelanlagen oberhalb der Straße mussten auf der Route demontiert werden, um das Ziel in Kozienice einwandfrei zu erreichen. Die Anzahl der zu bewältigenden Hindernisse verdeutlicht, dass der Spezialtransport eher im Ausnahmefall zuhause ist als im Regelfall. An ein Befahren von Unterführungen und Engstellen war bei den Gesamtzugdimensionen nicht zu denken: 23 m Länge, 5,85 m Breite und 6,10 m Höhe bei 66 t Frachtgutgewicht pro „Classifier“. Entsprechend waren umsichtige Planungen im Vorfeld sowie professionelles Feingefühl bei der Durchführung Bedingungen.

Professionalität und Erfahrung sind gefragt

„Wir hatten bei diesem Projekt nicht nur die offiziellen Begleitfahrer, wir hatten auf der gesamten Wegstrecke zusätzlich ein Team vor uns, welches eigens für das Anheben von Oberleitungen zuständig war, für Stromabschaltungen innerorts, für das Zuschneiden von Bäumen, für Demontagen von Ampelanlagen und für noch einiges mehr“, so Oliver Tkocz, Mitglied der Geschäftsführung von TAG Spezialtransporte und Logistik. „Im Schwertransport gibt es leider keinen Normalfall. Die Ausnahme ist bei uns die Regel.“

Kenntnisse um Gegebenheiten, aber auch um mögliche Ausnahmen und Besonderheiten – all das zusammen im Vorfeld zu berücksichtigen und zu synchronisieren, erfordert ein hohes Maß an Professionalität und Erfahrung. Der Großteil der Hindernisse wurde daher zusätzlich zur Routenplanung vorab in der Zeit- und Ressourcenplanung dokumentiert. Das vorausfahrende Team, das als praktischer Wegbereiter fungierte und somit jeweils eine verordnungsgemäße Durchfahrt vor Ort sicherstellte, befand sich in ständiger Verbindung mit den Fahrern. Gemeinsame Arbeitsgrundlagen wiederum waren genau die umfassenden Planungen und Dokumentationen aus dem Vorfeld. Für den modernen Schwertransport kann das Projekt gewissermaßen als Lehrstück herangezogen werden: Die Vorausplanung erfasst zwar Sachstände und Eventualitäten minutiös, die Abwicklung muss dann aber dennoch konstant auf kurzfristige Veränderungen reagieren können – im vorliegenden Fall insgesamt fast auf jedem Kilometer eine.

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