Verkehrsinfrastruktur

Es geht voran – Brennerzulauf betriebsbereit

21.08.12 | Redakteur: Robert Weber

Am Brennerbasistunnel wird weiter gearbeitet, auch wenn in Österreich die Diskussion um den Tunnel voll entbrannt ist.
Am Brennerbasistunnel wird weiter gearbeitet, auch wenn in Österreich die Diskussion um den Tunnel voll entbrannt ist. (Bild: BBT)

Das Logistikprojekt Brennerbasistunnel kennt zahlreiche Befürworter und Gegner. Zuletzt wurde auch in Österreich heftig um das Megaprojekt gestritten. Jetzt ist die Zulaufstrecke in Tirol betriebsbereit. Ein Vorbild für die deutsche Seite?

Die 40 km lange und 2,33 Mrd. Euro teure zweigleisige Neubaustrecke zwischen Kundl und Baumkirchen bei Innsbruck ist fertig gestellt. Auf Einladung von Johann Herdina von der ÖBB Infrastruktur AG nahm eine Delegation der Arbeitsgemeinschaft Transitverkehr an einer Gästefahrt teil. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h dauert die Fahrt auf der bis zu 250 m unter der Erde verlaufenden Gleise nur 21 Minuten. Mehr als 34 der 40 km verläuft die Neubaustrecke in Tunnels, Wannen und einer Galerie. Sogar ein Überholbahnhof ist unterirdisch vorhanden. Bei Bedarf können dort langsam fahrende Güterzüge überholt werden. Der fahrplanmäßige Betrieb auf der neuen Unterinntalbahn startet mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember. Für die Arbeitsgemeinschaft Transitverkehr ist das Verkehrsprojekt in Tirol Vorbild für die geplante Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel im bayerischen Inntal.

Bürgerbewegung sieht keine Vorteile

Doch in Deutschland formiert sich Widerstand. Die Inntal Gemeinschaft e.V. zweifelt die Pläne der Eisenbahner, Spediteure und Logistikdienstleister an und bezieht sich in einem Schreiben an die Redaktion von MM Logistik auf ein Gutachten zum aktuellen Bundesverkehrswegeplan. Darin heißt es, so die Bürgerbewegten, „von dem Konzept einer neuen Schnellbahntrasse über die Brennerachse sei keine nennenswerte Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu erwarten“. Die Gutachter prognostizieren auf der Strecke im bayerischen Inntal ohne zwei zusätzliche Gleise nur 165 Güterzüge pro Tag (Gutachten Abb.9.29.3 Seite 9-332), sodass zusammen mit allen Personenzügen 219 Züge pro Tag in beiden Richtungen erwartet würden, mehr nicht, schreibt die Initiative. Mit zwei neuen Gleisen für ICE-Verkehre mit 250 km/h werden lediglich ganze 35 Güterzüge in beiden Richtungen zusammen zusätzlich prognostiziert. Zahlen, die von den aktuellen Gutachtern der Regierung stammen, so die Oberbayern. Die derzeitige Auslastung der bestehenden Strecke, die bereits für 240 Züge ertüchtigt ist, liegt bei 140 bis 160 Zügen. Die prognostizierte Steigerung mit einem Brennerbasistunnel erzeugt in keinem Fall die immer wieder unterstellte entscheidende Entlastung der Straße, ist man sich vor Ort sicher.

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