Industriehallen

Industrial-Farming kann Stadtklima verbessern und Bevölkerung ernähren

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Industrial Farming – Das Dach der Logistikhalle macht sich nützlich und dient zum Nahrungsmittelanbau.
Industrial Farming – Das Dach der Logistikhalle macht sich nützlich und dient zum Nahrungsmittelanbau. (Bild: Kreilac)

Auf dem Kreilac-Symposium „Energieeffizienz in Industriehallen“ sind einige spannende Szenarien zur Sprache gekommen, so auch die Bepflanzung von Hallendächern. Als neues Schlagwort in der Architektur von Industriehallen breitet sich das sogenannte „Industrial Farming“ aus.

Ein neuer Trend in der Architektur von Industriehallen könnte „Industrial Farming“ werden. Ein Beispiel als Erklärung: Die Dächer Shanghais sollen ausreichen, das haben Agrikultur-Ökologen ausgerechnet, um, als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt, die Bevölkerung der 15 Mio.-Stadt vollständig satt zu bekommen. „Industrial Farming“ geht damit über die mancherorts praktizierte Anpflanzung von Botanik auf der Hausabdeckung hinaus: „Konventionelle“ Gründächer wollen für ein deutlich besseres Stadtklima sorgen – vor allem im Sommer, wenn es in Städten aufgrund des höheren Anteils versiegelter Bodenflächen bis zu 10 °C wärmer sein kann als im Umland. Bepflanzte Dächer wirken dem entgegen: Sie nehmen Regenwasser auf, das langsamer verdunstet und gleichzeitig für Kühlung sorgt.

Ressourceneffizienz in der Lebensmittelproduktion

Zudem binden Dachgärten Kohlendioxid, Staub und Schadstoffe. Dieser Umweltgewinn addiert sich zu dem gestalterischen Effekt und ist bekannt. Neo-Ökologen weltweit entdecken nun aber auch das Dach als Nahrungsmittellieferant. Dank der Hallenwärme an den Wurzeln gedeihen Broccoli & Co. prächtig. Die niedertemperaturige Transmissions-Abwärme, eigentlich weitgehend wertlose Anergie, wandelt sich in Bezug auf die Lebensmittelproduktion zu wertvoller Exergie. Ressourceneffizienz ist hier das Stichwort.

Essen vom Dach bedeutet kurze Transportwege

Noch ist das Ernten von Mais und Tomaten oder das Einsammeln der Eier von freilaufenden Hühnern oberhalb der Regale und Fließbänder ungewöhnlich. In den New Yorker Stadtteilen Queens und Brooklyn dagegen gilt bei einigen der Wohnkomplexe diese Erweiterung der Funktionen der Gebäudehülle freilich schon zum „State of the Art“. Der Architekt Michael Juhr zeigte auf dem kürzlichen Kreilac-Symposium beeindruckende Bilder vom „City Farming“ am Hudson River. Was zudem einen enormen logistischen Vorteil hat, abgesehen von den positiven Umwelteffekten: kurze Transportwege zu den Verbrauchern.

Unter anderem kamen dieser „Megatrend im Hallenbau“ (Michael Juhr) sowie die wesentlichen Änderungen der EnEV 2014 auf dem Symposium „Energieeffizienz in Logistik- und Industriehallen“ am 14.November in der Uni Düsseldorf zur Sprache. Veranstalter war einer der europäischen Spezialisten der Betonkerntemperierung für Großhallen, die Firma Kreilac GmbH, Mönchengladbach. Sie hatte einige Monate zuvor einen eigenen „Heizbeton“ kreiert und sich diese Bezeichnung auch schützen lassen. Den Beton, den die Gastgeber auf dem Symposium vorstellten, zeichnet über einen bestimmten Zusatz eine höhere Geschmeidigkeit aus. Dadurch umschließt er die Heizrohre vollumfänglich, ohne Lufteinschluss, was die Wärmeübergabe verbessert.

Logistik- und Industriehallen sind aus der Sicht der Norm DIN EN 12 831 „Berechnung der Normheizlast von Gebäuden“ Sonderfälle, da sie Raumhöhen von 5 m überschreiten und damit die Annahme einer gleichmäßigen Temperaturschichtung – wie beim Standardfall – nicht generell zutrifft. Die Norm, die Bestandteil der EnEV 2014 ist, enthält deshalb neuerdings eine Tabelle mit einem Raumhöhenfaktor. Der erfasst die „Höhenverluste“ aufgrund der Überhitzung der Halle in Richtung Dach. Mit ihm ist der Norm-Wärmeverlust zu multiplizieren.

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