Serviceorientierte Architekturen

01.03.2007 | Autor / Redakteur: Frank Zscheile / Ulrike Gloger

Petra Greiffenhagen, Vorstandsvorsitzende des Verbandes Organisations- und Informationssysteme VOI in Bonn: „Unternehmen verschwenden bis zu 40% ihrer Arbeitskosten durch Dokumenten-Missmanagement.“ Bild: VOI

In vielen Unternehmen hat die IT ein Imageproblem: zu langsam, zu unflexibel, zu teuer. Den stetig wachsenden Anforderungen der Fachabteilungen hinkt sie immer öfter hinterher. Das Konzept der serviceorientierten Architekturen (SOA) verspricht einen Ausweg. Mit diesem und anderen Fachthemen will sich die Cebit wieder verstärkt an Entscheider und Anwender in Unternehmen wenden.

Die Cebit orientiert sich neu: Weg von dem Image der reinen Produktschau will man sich künftig verstärkt als Messe für Unternehmens-Entscheider präsentieren. Das soll sich auch in der Besucherstruktur niederschlagen. Zwar umfasst der Ausstellungsbereich „Digital Equipment & Systems“ – Anziehungspunkt bislang vor allem für private Endverbraucher – auch in diesem Jahr knapp ein Drittel der Ausstellungsfläche, doch will man dort inzwischen verstärkt den Handel ansprechen. „Wir werden künftig auf Lösungen setzen – sowohl für Unternehmen als auch für den Home-Bereich“, sagt Reinhold Umminger, bei der Deutschen Messe AG Sales Director Cebit.

Insbesondere mittelständische Unternehmen will man ansprechen und deren Wettbewerbsfähigkeit stärken: Als zentralen Anlaufpunkt für Entscheider aus kleinen und mittelständischen Betrieben gibt es in Halle 5 das „Forum Cebit Mittelstand“ als neutrale Plattform, wo die Besucher alle relevanten Informationen über Sonderpräsentationen und Aussteller finden, die spezielle Lösungen oder Vorträge für den Mittelstand anbieten.

Trendthemen unter Ausstellungsschwerpunkt „Business Processes“

Für Industriebetriebe lohnenswert dürfte in diesem Jahr vor allem ein Besuch in den Hallen 1 sowie 2 bis 8 sein. Unter dem Ausstellungsschwerpunkt „Business Processes“ fassen die Cebit-Macher dort Trendthemen wie Enterprise-Content- und Dokumenten-Management, Linux/Open-Source, Customer Relationship Management (CRM) sowie Auto-ID/RFID zusammen.

Über allem liegt das nach Expertenmeinung wohl beherrschende Thema der diesjährigen Cebit: Service-orientierte Architekturen (SOA). Dieses breit angelegte System-Architektur-Konzept erlaubt die Erstellung, Verwaltung und Kombination fachlicher Dienste und Funktionen in Form von Services. Software-Produkte werden dabei in kleine, standardisierte Module aufgeteilt, die sich beliebig je nach Erfordernis zusammenstellen lassen. Denn in vielen Unternehmen hat die IT inzwischen ein Imageproblem: zu langsam, zu unflexibel, zu teuer.

SOA verspricht einen Ausweg

Den stetig wachsenden Anforderungen der Fachabteilungen hinkt sie immer öfter hinterher. SOA verspricht einen Ausweg. Unternehmen sollen dadurch schneller auf sich verändernde Anforderungen reagieren und ihre Geschäftsprozesse transparenter, schneller und kostengünstiger gestalten können.

„Nach diesem Konzept werden mittelfristig alle Anwendungen funktionieren, ob ERP, DMS oder PPS“, sagt Torsten Schmale, CEO der Inubit AG, „SOA ist ein Thema, das alle Unternehmen mit über 100 Beschäftigten betrifft.“ 20 Aussteller, darunter Oracle, SAP, die Software AG und Inubit, zeigen auf der „SOA-World“ in Halle 4 Produkte und Dienstleistungen zum Thema.

Für Experten wie IBM Chief Technologist Gunter Dueck ist SOA die IT-Philosophie für eine neue, weltweite Infrastruktur, die benötigt wird, um die existierenden Techniken sinnvoll nutzen zu können. Alle Anwendungen werden nach gleicher Bauart geschrieben und lassen sich wie Legobausteine zusammenstellen. Einer der Anbieter aus dem DMS-Umfeld, der sich dem Thema intensiv widmet, ist die Develop AG, die ihr ECM-System auf SOA umstellt.

PDF/A: Neues ISO-Format für Langzeitarchivierung

Auf dem bewährten DMS-Forum (Halle 1) des Branchenfachverbandes VOI Verband Organisations- und Informationssysteme e.V. können sich die Besucher darüber informieren, wie sich sämtliche dokumentbasierten Prozesse im Unternehmen verbessern lassen. Auch das derzeit hochaktuelle Thema PDF/A ist Gegenstand verschiedener Vorträge. PDF/A ist ein neues, ISO-zertifiziertes Standardformat für die Langzeitarchivierung. Viele Unternehmen schaffen Einheitlichkeit in ihren elektronischen Archiven, indem sie ihre Unterlagen als Tiff oder JPEG ablegen.

Diese Formate sind hersteller-unabhängig und werden von zahlreichen Programmen unterstützt. „Dabei handelt es sich jedoch technologisch gesehen um uralte Formate mit einigen Nachteilen“, sagt Thomas Zellmann, Vorstandsvorsitzender des neu gegründeten Verbandes PDF/A-Competence-Centers, „Diese Mängel wurden mit dem neuen PDF/A-Format behoben: Es basiert auf dem weit verbreiteten PDF-Format und unterstützt Farbe, Volltextfähigkeit und Metadaten. Darüber hinaus bietet es als ISO-Standard maximale Sicherheit für die Anwender.“

Dokumenten-Missmanagement kostet viel Geld

Bislang nutzen erst knapp 30% der mittelständischen Unternehmen in Deutschland ein Dokumenten- oder Content-Management-System, wie der VOI herausgefunden hat. Petra Greiffenhagen, VOI-Vorstandsvorsitzende: „Unternehmen verschwenden bis zu 40% ihrer Arbeitskosten durch Dokumenten-Missmanagement. Wir wollen den Cebit-Besuchern deshalb den Nutzen solcher Lösungen näher bringen und den Beweis antreten: Ohne Papier werden Prozesse schneller verarbeitet und Dokumente gleichzeitig sicher archiviert.“ Im VOI-Präsentationsbereich „Digitale Postbearbeitung“ in unmittelbarer Nähe des DMS-Forums können die Besucher live mitverfolgen, wie Unternehmen eingehende Dokumente vollständig papierlos bearbeiten können.

Nach der erfolgreichen Premiere zur Cebit 2006 wird der Ausstellungsbereich Auto-ID/RFID auch in diesem Jahr zu den thematischen Schwerpunkten im Segment „Business Processes“ gehören. Im „Auto-ID/RFID Solutions Park“ in Halle 6 können sich die Besucher über branchenübergreifende Lösungen informieren. Fest etabliert ist dort bereits der Ausstellungsbereich „Human Resource, Security & Production Management“, wo es neueste Entwicklungen in den Bereichen Manufacturing Execution (MES), Betriebs- und Maschinendatenerfassung, Qualitätssicherung und Logistik zu besichtigen gibt.

Im Unterbereich Enterprise Applications in den Hallen 4 bis 6 finden Interessierte neue Anwendungssoftware für Auftragsbearbeitung und -verwaltung in der Fertigung, im Bereich Digital Engineering Solutions werden Komplettlösungen für Fertigungssimulation, Fertigungsleitsysteme, Produktionsplanung und -steuerung sowie Produktionsdatenmanagement gezeigt.

Telematics-Bereich ausgebaut

Ausgebaut hat die Cebit in diesem Jahr auch den Bereich Telematics & Navigation (Halle 11). Erstmals wird die gesamte Telematik-Kette dargestellt, von der Datenerfassung und -verarbeitung bis hin zur Informationsdarstellung im Endgerät. Neu ist der Gemeinschaftsstand „E-Logistics Network“; das ADAC-Fahrsicherheitszentrum zeigt außerdem T&N-Systeme im Einsatz. Zu den Ausstellern gehören Unternehmen wie BMW, Garmin Europe, Map & Guide, Navteq Europe, PTV oder Tom Tom. Neuen Input gibt es auch zum europäischen Satellitennavigations-Projekt Galileo, das sich erstmals auf einem Gemeinschaftsstand mit internationaler Beteiligung präsentiert.

Frank Zscheile ist Fachjournalist in München.

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