Wirtschaftskrise 2009

Alles nur geträumt?

21.01.2009 | Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Ken Fouhy

Jürgen Schreier, Redakteur

Ungläubig dürfte sich der eine oder andere die Augen gerieben haben, als vor wenigen Tagen die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW-Konjunkturerwartungen) auf den Schreibtisch flatterten. „Erholung setzt sich fort“, konnte man dort lesen.

Im Januar 2009 seien die Konjunkturerwartungen – die Mannheimer Wissenschaftler befragten dazu führende Finanzanalysten – um 14,2 Punkte gestiegen. Ist also die Wirtschaftskrise, die seit geraumer Zeit für reichlich Rauschen im Blätterwald sorgt und die abendlichen Fernseh-Talkrunden mit „Treibstoff“ befeuert, bereits vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat? Oder war die Krise gar nur geträumt?

Natürlich nicht! Absolut betrachtet liegt der ZEW-Index mit 31 Minus-Punkten weiter stark unter dem historischen Durchschnitt von 26,5. Zudem hat sich die Einschätzung der aktuellen Konjunkturlage im Januar erneut verschlechtert – um 12,6 auf 71 Punkte „unter Null“. Trotzdem hält es ZEW-Chef Prof. Wolfgang Franz für keineswegs unwahrscheinlich, dass sich die Konjunkturperspektiven als Folge des Konjunkturpakets 2 und der EZB-Politik des leichten Geldes ab Jahresmitte wieder aufhellen könnten. Weniger optimistisch ist der Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung, der für das Gesamtjahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 2,25% vorhersagt. Die Effekte der Konjunkturpakete sind dabei bereits berücksichtigt.

Prognosen hin, Prognosen her: Für viele Unternehmen der verarbeitenden Industrie geht es 2009 zunächst einmal darum, „möglichst lebend und einigermaßen unversehrt aus der Krise zu kommen“, wie Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer betont. Entlassungen im großen Stil sind dazu sicher nicht das richtige Instrument. Denn im nächsten Aufschwung wird jede Fachkraft gebraucht. Folglich lohnt es sich, auch einmal über unorthodoxe Wege nachzudenken. So verbessern der Abbau von Lagerbeständen, weniger „Verschwendung“ in der Produktion oder die Optimierung der Zulieferkette das Betriebsergebnis und lindern aktuelle Finanzierungsengpässe. Das Schöne daran: All diese Maßnahmen wirken langfristig bis in den nächsten Boom hinein – und der kommt ganz bestimmt.

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