Berufliche Weiterbildung

Bonner Institut fordert Bildungsgutscheine für Arbeitnehmer über 45

22.12.2008 | Redakteur: Jürgen Schreier

IZA-Direktor Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann: „Investitionen in Bildung und Weiterbildung sind eine sinnvollere Zukunftsinvestition als kurzfristige Konjunkturprogramme.“ Bild: IZA

Angesichts des zu erwartenden Anstiegs der Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 fordert das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) Politik und Wirtschaft zu einer umfassenden Weiterbildungsoffensive auf.

Das IZA schlägt vor, an alle Arbeitnehmer im Alter von über 45 Jahren zeitlich befristete Bildungsgutscheine auszugeben und zugleich in großem Umfang Public-Private-Partnerships von öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen im Weiterbildungssektor zu schaffen. „Wir müssen die Krise auch als Chance begreifen und sollten gerade bei der Weiterbildung endlich den Anschluss an das internationale Niveau herstellen“, so Institutsdirektor Klaus F. Zimmermann.

Die aktuelle Wirtschaftsentwicklung wird nicht spurlos am deutschen Arbeitsmarkt vorbeigehen, ist man beim IZA überzeugt. Zwar hätten die Reformen der jüngeren Vergangenheit den Arbeitsmarkt krisenfester gemacht, doch neben einer Zunahme von Kurzarbeit sei auch ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 wahrscheinlich. Die zentralen Problemgruppen des Arbeitsmarktes – gering qualifizierte Beschäftigte, Ältere und Migranten – wird dies nach Einschätzung der Bonner Forscher besonders treffen. Ungeachtet des Konjunkturabschwungs blieben gleichzeitig die Herausforderungen von Fachkräftemangel und alternden Belegschaften bestehen.

Deutschland stehe im europäischen Vergleich bislang schlecht da, wenn es um Weiterbildung und lebenslanges Lernen geht, so das IZA. In allen Altersgruppen und über alle Qualifikationsstufen hinweg rangiert Deutschland nach einschlägigen Studien bei der Beteiligung an Weiterbildungsangeboten deutlich unter EU-Durchschnitt. Neben erheblichen Defiziten im Angebot, einer vermeintlichen „Vollständigkeit“ der dualen Ausbildung und fehlenden Anreizstrukturen auf betrieblicher Ebene macht sich hier gerade die langjährige Frühverrentungspolitik negativ bemerkbar.

Finanzierung mit sozial gestaffelte Selbstbeteiligungen

Das IZA plädiert für eine flächendeckende Weiterbildungsinitiative durch die Ausgabe von Bildungsgutscheinen an alle Arbeitnehmer im Alter von über 45 Jahren. Die Finanzierung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe dürfe nicht zu Lasten der Arbeitslosenversicherung erfolgen, um zu verhindern, dass die Lohnnebenkosten auf diese Weise wieder anstiegen. Sozial gestaffelte Selbstbeteiligungen und ein marktorientiertes Monitoring könnten dafür sorgen, dass nur sinnvolle Bildungsangebote wahrgenommen würden. Damit setze man ein Bedarfssignal für den in Deutschland stark ausbaufähigen Weiterbildungsmarkt.

Investieren in Bildung statt kurzfristiger Konjunkturprogramme

Public-Private-Partnerships von Unternehmen, Universitäten, Schulen, Volkshochschulen und anderen Bildungsträgern könnten einen substanziellen Beitrag zu einem breiten und hochwertigen Angebot leisten, mit dem Deutschland eine nachhaltige Antwort auf die aktuelle Krise geben kann. „Investitionen in Bildung und Weiterbildung sind eine sinnvollere Zukunftsinvestition als kurzfristige Konjunkturprogramme“, sagte Zimmermann.

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