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Proteste gegen „RFID-Schnüffelchips“

16.01.12 | Redakteur: Robert Weber

Protest in der Fußgängerzone: Aktivisten des Vereins zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs wollen die RFID-Chips stoppen. (Bild: Veit Mette)
Protest in der Fußgängerzone: Aktivisten des Vereins zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs wollen die RFID-Chips stoppen. (Bild: Veit Mette)

Wutbürger in Sachen Datenschutz. Mit einer publikumswirksamen Aktion vor einem Modegeschäft des Unternehmens Gerry Weber in Bielefeld, wies der Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (Foebud e.V.) auf die aus seiner Sicht unsichtbare Gefahr der RFID-Technik hin.

Der westfälische Modekonzern setzt seit einigen Monaten RFID-Chips in seiner Logistikkette ein, um die Effizienz der Prozesse zu erhöhen. Anders sieht das der Foebud: Seit einiger Zeit sind RFID-Schnüffelchips in alle Kleidungsstücke der Firma eingenäht, heißt es auf der Website des Vereins. Der Chip verbirgt sich im Textilpflegeetikett und kann auf eine Entfernung von 8 m per Funk ausgelesen werden, schreiben die Aktivisten.

RFID-Chip-Inhalte in einer Sprechblase

Was zur Optimierung der Logistik gedacht ist, wird zur Gefahr für Kundinnen und Kunden, wenn es in der Kleidung bleibt: Wo immer ein entsprechendes Lesegerät angebracht ist, werden – unbemerkbar – die Daten der Chips ausgelesen und wiedererkannt, behaupten die Vereinsmitglieder.

Das machte der Foebud bei der Aktion deutlich: Die Aktiven lasen mittels eines handelsüblichen Lesegerätes die versteckten Chips in der Kleidung von Gerry-Weber-Kundinnen aus und projizierten die Inhalte für alle lesbar auf eine überdimensionale Sprechblase, schreiben die Mitglieder. Viele Passanten fragten neugierig nach und wurden von den Foebud-Aktiven über RFID in Kleidung aufgeklärt, heißt es weiter.

Forderung: RFID-Etiketten entfernen

Eine vorübergehende Passantin mit einer Jacke der Modemarke Peuterey wurde ebenfalls von dem Lesegerät erfasst. Sie war entsetzt, dass ihre vor über einem Jahr gekaufte Jacke mit einem Schnüffelchip verwanzt ist, so die Aktivisten. Bisher hatte sie niemand darüber aufgeklärt. Mit der im Chip vorhandenen Produkt- und Seriennummer ist sie jederzeit von jedem Lesegerät wiedererkennbar.

Der Foebud fordert deshalb erstens, sämtliche Funketiketten an der Kasse oder vor dem Versand physikalisch zu entfernen und zweitens eine entsprechende verpflichtende Gesetzgebung auf EU-Ebene. Der Foebud setzt sich seit 1987 für Bürgerrechte und Datenschutz ein..

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