Windenergieanlagen

Strategie für die Rückbauwelle gesucht

| Redakteur: Bernd Maienschein

In 20 bis 25 Jahren wird ein Boom beim Rückbau von Windenergieanlagen erwartet.
In 20 bis 25 Jahren wird ein Boom beim Rückbau von Windenergieanlagen erwartet. (Bild: Creative Commons (CC BY-SA 3.0))

Tausende Windkraftanlagen müssen in den kommenden Jahren demontiert und ersetzt werden, auf Betreiber von Windparks kommen Kosten in Millionenhöhe zu. Jetzt wird erforscht, wie der Rückbau künftig schnell, kostengünstig und umweltfreundlich erfolgen kann.

Laut Windenergiestatistik 2015 gibt es in Deutschland derzeit 26.000 Windkraftanlagen. Jede dieser Anlagen muss irgendwann auch wieder abgebaut werden. Zur Zeit ist der Rückbau sehr aufwendig – gut vier Wochen dauert die Demontage einer einzigen Windenergieanlage. Per Kran werden die Rotorblätter, die Gondel und der Generator vom Turm gehievt und am Boden in ihre Einzelteile zerlegt. Vieles lässt sich wiederverwerten: das Kupfer aus den Kabeln etwa oder der Stahl aus den oberen Turmsegmenten. Am zeitaufwendigsten ist die Demontage des Betonturms: Er wird vor Ort zersägt oder gesprengt und zerkleinert, das Material lässt sich für den Straßenbau verwenden. Die Rotorblätter werden in der Regel geshreddert und als Brennmaterial in der Zementindustrie genutzt.

Der Rückbau ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer: Er kostet zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Windkraftanlage, die Einnahmen aus dem Verkauf der Rohstoffe sind dabei schon eingerechnet. Bisher fallen die Kosten nicht stark ins Gewicht, da im Jahr 2015 nur etwa 250 Windanlagen abgebaut wurden. „Die große Rückbauwelle steht uns erst noch bevor, sie kommt in etwa zehn Jahren“, sagt Martin Westbomke, Projektingenieur am Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH). Denn zwischen 2001 und 2003 gab es einen regelrechten Bauboom und die Lebensdauer einer Windkraftanlage liegt bei etwa 20 bis 25 Jahren.

Eine neue Demontagestrategie muss her

Sobald Windkraftanlagen im großen Stil zurückgebaut werden müssen, wird sich die bisherige Demontagestrategie nicht mehr lohnen, meinen die Forscher am IPH. Derzeit werden Windkraftanlagen komplett vor Ort zerlegt. Dafür müssen Spezialmaschinen auf die grüne Wiese geschafft werden – beispielsweise Schredderanlagen für die Rotorblätter und spezielle Filteranlagen, die dafür sorgen, dass kein Glasfaserstaub in die Umwelt gelangt.

Effizienter wäre es nach Ansicht der Forscher, sogenannte Demontagenetzwerke aufzubauen. Dann müsste die Windkraftanlage vor Ort nur noch grob zerlegt werden. Die Einzelteile würden dann in spezialisierte Demontagefabriken transportiert, wo beispielsweise die Rotorblätter geschreddert, die Betonsegmente zerkleinert oder die Elektrokomponenten aus der Gondel zerlegt und recycelt würden. Statt die gesamte Infrastruktur an den Ort der Demontage zu bringen, würde das Windrad ins Demontagezentrum gebracht.

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