Branchenrisiken

Triathlon für Metaller, Spagat beim Transport

| Redakteur: Bernd Maienschein

„Lasst die Branchenspiele beginnen“ hat der Kreditversicherer Euler Hermes seine aktuelle Studie genannt.
„Lasst die Branchenspiele beginnen“ hat der Kreditversicherer Euler Hermes seine aktuelle Studie genannt. (Bild: Allianz)

Einer Analyse des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes zufolge wird das Jahr 2016 für Unternehmen zahlreicher Branchen hart werden. Die Transportbranche kommt dabei noch relativ gut weg.

„Let the Sector Games begin“ hat Euler Hermes seine Studie genannt, die die kurz- und langfristigen Herausforderungen in rund 1300 Einzelbranchen weltweit untersucht und inwieweit sich Branchenrisiken verändern. Zum Jahresende 2015 sind Risiken demnach nochmals erheblich angestiegen. „Fünf Eigenschaften sind für Unternehmen entscheidend, um sich im schwierigen Wettkampf 2016 zu behaupten“, sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in DACH. „Widerstandsfähigkeit gegenüber langfristig niedrigen Rohstoffpreisen ist dabei ebenso wichtig wie die Genauigkeit bei der Auswahl und Ausrichtung auf die jeweiligen Zielmärkte angesichts der Turbulenzen in China, Brasilien und Russland. Finanzielle Stärke und eine entsprechende Absicherung benötigen Firmen angesichts der steigenden Verschuldung von Unternehmen sowie einem erhöhten Forderungsausfallrisiko. Aber auch die Schnelligkeit bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Abfederung von Marktschwankungen spielt eine große Rolle. Zu guter Letzt brauchen Unternehmen die notwendige Agilität, um sich trotz der bevorstehenden Welle von Fusionen und Unternehmensaufkäufen und des steigenden Preisdrucks zu behaupten.“

Manager müssen kühlen Kopf bewahren

Die Euler-Hermes-Volkswirte haben 2015 insgesamt 148 Branchen aufgrund steigender Risiken in ihrer Bewertung herabgestuft – dem gegenüber standen gerade einmal 76 Hochstufungen bei verbesserter Lage. „Zum Jahresstart 2016 bewegt sich jede vierte Branche auf schwierigem Terrain“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler-Hermes-Gruppe. „Das bedeutet, sie sind entweder bereits stark gefährdet oder sie weisen erhebliche Risiken auf und sind anfällig für wirtschaftliche Turbulenzen. Manager müssen also in den kommenden Monaten einen kühlen Kopf bewahren nach dem durch die Volatilität der Finanzmärkte verursachten Adrenalinschub, den steigenden Exportrisiken durch wachsende Insolvenzzahlen und einer vielerorts sinkenden Zahlungsmoral.“ Die Herausforderungen variieren von Branche zu Branche.

Die verschiedenen positiven und negativen Einflüsse auf die Transportbranchen halten sich für 2016 die Waage.
Die verschiedenen positiven und negativen Einflüsse auf die Transportbranchen halten sich für 2016 die Waage. (Bild: Euler Hermes)

„Die Metallbranche muss sich im Triathlon aus Nachfrage, Preisen und Verschuldung messen“, sagte Subran. „Der Energiesektor tritt im Marathon der niedrigen Ölpreise an, der Bausektor im (Un-)Synchronschwimmen in den verschiedenen Ländern und der Maschinenbau im Hürden- oder Hindernislauf. Der Transportsektor zeigt beim Geräteturnen seine Künste beim Spagat zwischen Luftfracht, Straßenverkehr und Seetransport und der Einzelhandel kämpft beim Wrestling um Margen und Profite. Der IT-Dienstleistungssektor darf die eigene Deckung nicht vernachlässigen beim Fechtkampf gegen die Konkurrenz. Im Gegensatz dazu hat die Pharmabranche fast ein Luxusproblem und muss bei den Gewinnen den eigenen Hochsprungrekord brechen.“

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