Transportlogistik 4.0

RWTH Aachen und Transporeon forschen gemeinsam

| Redakteur: Benedikt Hofmann

Prof. Sabina Jeschke, Innahberin des Lehrstuhls für Informationsmanagement im Maschinenbau an der RWTH Aachen, stellte die Grundzüge des Projekts vor.
Prof. Sabina Jeschke, Innahberin des Lehrstuhls für Informationsmanagement im Maschinenbau an der RWTH Aachen, stellte die Grundzüge des Projekts vor. (Bild: RWTH Aachen)

In einem gemeinsamen, langfristigen Forschungsprojekt wollen die Transporeon Group und die RWTH Aachen den Status und die Anforderungen der Digitalisierung in der Transportlogistik analysieren. Dazu hat Transporeon mit dem Lehrstuhl für Informationsmanagement im Maschinenbau an der RWTH Aachen eine Kooperation geschlossen.

In der Kooperation sieht Transporeon die Grundlage, um die weitere Entwicklung in der Digitalisierung der Prozesse zwischen Verlader und Spedition wissenschaftlich fundiert voranzutreiben. Die Grundzüge des Projekts und einen Ausblick auf „Transportlogistik 4.0“ stellte die Lehrstuhlinhaberin Prof. Sabina Jeschke, den Teilnehmern des 12. E-Logistics Networking Event in Köln am 17. März 2016 in einem Vortrag vor. Ziel der Kooperation ist es, die aus der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung in der Industrie erwachsenden Anforderungen und Chancen für die Transportlogistik zu identifizieren und in die konkrete Produkt- und Lösungsentwicklung von Transporeon einfließen zu lassen. Transporeon ist darauf spezialisiert, Industrie- und Handelsunternehmen über Onlineplattformen und mobile Apps mit ihren Logistikdienstleistern zu vernetzen.

„Wir stellen seit 15 Jahren die Tools und Infrastruktur für die Digitalisierung der Transportlogistik zur Verfügung. Nun erleben wir eine Beschleunigung verschiedener Trends, die die reale Welt in der digitalen abbilden. Hier darf die Logistik den Anschluss nicht verpassen. Sie muss vielmehr die darin liegenden, wirklich großen Chancen für sich nutzen“, ist Peter Förster, Geschäftsführer der Transporeon Group, überzeugt und fügt hinzu: „Gunnar Sohn, Wirtschaftspublizist aus Bonn formulierte es kürzlich noch deutlicher: ‚Digital frisst analog – alles was digitalisierbar ist, wird digitalisiert werden.’ Die jüngsten Logistikaktivitäten von Amazon zeigen, dass dies nicht in ferner Zukunft liegt.“

Ein roter Faden

Das Unternehmen ist allerdings der Ansicht, dass diese Möglichkeiten nur voll ausgeschöpft werden können, wenn die einzelnen Systeme übergreifend miteinander kommunizieren können. „Von der Industrie 4.0 und der Smart Factory zieht sich ein roter Faden über Logistik 4.0 bis hin zur Transportlogistik 4.0“, so Förster. „Um diese zunehmende Komplexität zu beherrschen und die Produktentwicklung in die richtige Richtung zu steuern, ist es einerseits erforderlich, systematisch die Anforderungen und Entwicklungen in Industrie, Handel und Logistik zu kennen und zu verstehen. Andererseits brauchen wir die Unterstützung der Wissenschaft, um das Bild in einen größeren Zusammenhang zu stellen und valide Aussagen über die zukünftige Entwicklung zu erhalten.“

Um dies zu gewährleisten schloss Transporeon eine langfristig angelegte Kooperation mit dem Lehrstuhl für Informationsmanagement im Maschinenbau der RWTH Aachen. Gemeinsam sollen die Werkzeuge entwickelt werden, die die Logistiker benötigen, um den Anschluss an Industrie 4.0 nicht zu verpassen.

Der Lehrstuhl von Prof. Jeschke übernimmt dabei unter anderem Recherchen und wissenschaftliche Aufarbeitungen. „4.0 ist technisch geprägt von umfassender Vernetzung, hochintelligenten autonomen Systemen, echtzeitfähiger Sensorik und einer auf Big-Data-Algorithmen basierenden ‚predictive analysis’. Auch 3D-Print-Verfahren und Entwicklung wie Drohnen oder Uber müssen wir in die Gesamtbetrachtung einbeziehen“, erläutert Jeschke. Sie und ihr Team gelten Transporeon zufolge als Spezialisten für eine breite, interdisziplinär ausgerichtete Interpretation von 4.0, technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven werden hier miteinander verbunden.

Wissenschaftliche Analyse

Die wissenschaftlichen Analysen beschäftigen sich zum Beispiel mit den technologischen Trends im 4.0-Transportlogistik-Kontext, etwa vernetzte Systeme, 4.0 in der Supply Chain, autonome Systeme, verteilte intelligente Systeme, Condition Monitoring, Smart Remote Solutions, Echtzeitanforderungen, Heterogenität oder Interaktionskonzepte. „Ein weiterer Schwerpunkt betrifft den zeitlichen Horizont und die Dynamik der 4.0-Entwicklung für den Bereich der Transportlogistik, die verschiedenen Zeitschienen von 4.0 also“, so Jeschke. Schließlich werden auch die Herausforderungen für Unternehmen in technologischer wie organisatorischer Hinsicht analysiert. Methodisch liegen der wissenschaftlichen Arbeit Experteninterviews und kontrastierende Big-Data-Verfahren zu Grunde. In den kommenden Monaten entsteht so eine umfassende „Transportlogistik 4.0"-Studie, die im Sommer 2016 veröffentlicht werden soll.

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