Verpackungstechnik 4.0

Über die Cloud zur Verpackungsmaschine 4.0

| Autor: Benedikt Hofmann

Maschinen von Multivac, hier die Tiefziehverpackungs- maschine R 235, werden unter anderem zur Verpackung von Lebensmitteln eingesetzt.
Maschinen von Multivac, hier die Tiefziehverpackungs- maschine R 235, werden unter anderem zur Verpackung von Lebensmitteln eingesetzt. (Bild: Mutlivac)

Zur Interpack 2017 wird Multivac ein neues Maschinenkonzept vorstellen, das die Verpackungsmaschine endgültig ins digitale Zeitalter bringen soll. Im Gespräch mit MM LOGISTIK gibt Guido Spix, geschäftsführender Direktor und CTO des Verpackungsmaschinenbauers, exklusiv erste Einblicke in die dahinter stehenden Konzepte.

Wie relevant ist Industrie 4.0 für Multivac?

Mit der Digitalisierung ergeben sich für unser Unternehmen unterschiedliche Ansätze. Der erste - und naheliegende – Aspekt betrifft die Digitalisierung von bestehenden Prozessen mit dem Ziel, diese noch effizienter zu gestalten und dadurch Zusatznutzen für unsere Kunden zu generieren. Wir haben dies in vielen Bereichen bereits umgesetzt – ich denke hier an unser Logistikzentrum in Wolfertschwenden, das letztes Jahr erfolgreich in Betrieb gegangen ist und die Teileversorgung in Europa sowohl für die Kunden als auch für unsere Tochtergesellschaften sicherstellt. Neueste Lagertechnik, eine leistungsfähige IT und moderne Logistikstrukturen greifen hier optimal ineinander und sorgen für reibungslose Abläufe, ein Höchstmaß an Effizienz und Transparenz sowie maximale Leistung. Ein anderes Stichwort ist die digitale Fertigung, also die integrierte Abbildung und Steuerung unserer Fertigungsprozesse. Auch hier sind intelligente, effiziente, softwaregestützte und vor allen vernetzte Produktionstechnologien erforderlich, denn nur mit IT-Systemen alleine können Sie Industrie 4.0 nicht erreichen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Echtzeitverfolgung der Aufträge, ein topaktueller Datenbestand, die Optimierung von Durchlaufzeiten und letztendlich auch die Einhaltung der Lieferfristen und die Möglichkeit, schnell auf den Bedarf im Markt reagieren zu können.

Sehen Sie einen weiteren Ansatzpunkt in der Bereitstellung von digitalen Service-Leistungen für Ihre Kunden?

Absolut. Wir nennen dies in unserem Hause auch Smart Services. Unter Smart Services fassen wir schon heute Servicepakete zusammen, die dazu beitragen, die Verpackungsprozesse bei unseren Kunden weiter zu optimieren und noch effizienter zu gestalten. Beispiele für Smart Services sind Dienstleistungen wie Predictive Maintenance oder die Erstellung umfassender OEE-Analysen, die es dem Betreiber erlauben, eine Zustandsanalyse der Verpackungsmaschinen zu erstellen und die Verpackungsprozesse weiter zu optimieren. Ebenfalls wird es zukünftig denkbar sein, dass die Verpackungsmaschinen an unser Kundenportal und unsere Shopsysteme angebunden werden und somit automatische Ersatzteilbestellungen für Verschleißteile auslösen. Dadurch kann die Instandhaltungsarbeit bei unseren Kunden erheblich erleichtert werden. Darüber hinaus arbeiten wir bereits an neuen Maschinenkonzepten, die durch den Einsatz einer umfassenden Sensorik in erheblichem Maße zu einer konstanten Verpackungsqualität und einer maximalen Packungssicherheit bei unseren Kunden beitragen werden. Ein Ansatz hierbei ist, unsere Maschinen so mit Daten auszustatten, dass sie sich ohne Expertenwissen optimal parametrisieren lassen.

Wie genau wird dies funktionieren?

Für das Anlegen neuer Rezepte werden die Betreiber unserer Anlagen aus einer Datenbank Packungs-, Packstoff- und Produktmerkmale auswählen können. In Kombination mit den Daten der eingesetzten Werkzeuge werden sich die Maschinen von selbst nahe am optimalen Betriebspunkt parametrisieren. Damit sind die Maschinen beim Produktionsstart gut eingestellt und können ohne nennenswerte Anfahrverluste Packungen mit maximaler Packungssicherheit, gleichbleibender Qualität und höchster Leistung erzeugen. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass die Maschinen auch ohne Anwenderwissen betrieben werden können. Zudem führt die Reduzierung von Anfahrverlusten zu Einsparungen im Hinblick auf Produkte, Packstoffe und Produktionszeit.

Guido Spix, ist geschäftsführender Direktor und CTO bei Multivac.
Guido Spix, ist geschäftsführender Direktor und CTO bei Multivac. (Bild: Mutlivac)

Wie werden Sie die Maschinen mit aktuellen Daten speisen?

Über die Anbindung an die Multivac-Cloud werden unsere Maschinen auf unser Expertenwissen zugreifen können, das unter anderem Informationen über die optimalen Maschinenparameter zur Verarbeitung unterschiedlicher Verpackungsmaterialien beinhaltet. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass das Expertenwissen von Multivac durch die Realisierung von über 1000 neuen automatischen Verpackungslösungen pro Jahr kontinuierlich erweitert wird. Von diesem umfassenden Know-How werden unsere Kunden durch die Anbindung an die Cloud in hohem Maße profitieren können.

Welche Voraussetzungen müssen für die Bereitstellung von Smart Services geschaffen werden?

Eine grundlegende Voraussetzung ist die Ausstattung unserer Verpackungsmaschinen mit Sensorik. Deshalb arbeiten wir an Maschinenkonzepten, die über eine große Anzahl von Sensoren zur Überwachung und Regelung der Prozesse verfügen. Dabei erfasst die Steuerung unserer Maschinen alle relevanten Prozessparameter. Mit der Erfassung dieser Prozesswerte und -abläufe werden wir zum einen erzielen, dass die Maschinen permanent nahe am optimalen Betriebspunkt betrieben werden können, da die einzelnen Teilprozesse wie Formen, Evakuieren und Siegeln in geschlossenen Regelkreisen optimiert werden. Zum anderen können Abweichungen von den vorhergesagten Abläufen erkannt werden und wir werden damit die Qualität der Packungen sicherstellen. Zusätzlich bilden diese Prozesswerte eine wertvolle Grundlage für die Bereitstellung unserer Smart Services, zum Beispiel einer präventiven Instandhaltung. Hieraus ergibt sich die zweite Voraussetzung, nämlich die Anbindung der Maschinen an die Multivac-Cloud, in die die Verpackungsmaschine die entsprechenden Prozessdaten übertragen kann.

Viele Kunden stehen der Anbindung von Maschinen an Cloud-Systeme sicherlich kritisch gegenüber. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen bei dieser Fragestellung?

Wir werden bei unserem Konzept sehr genau zwischen Prozessdaten und Produktionsdaten differenzieren. Die Anbindung unserer Verpackungsmaschinen an die Multivac-Cloud wird ausschließlich der Übertragung von prozessrelevanten Informationen dienen. Produktionsrelevante oder kundenrelevante Daten, wie beispielsweise Informationen über das verpackte Produkt, hingegen sind für unsere Kunden viel kritischer. Daher werden wir diese Informationen ausschließlich unseren Kunden zur Verfügung stellen.

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