Verpackungstechnik

Gut gereckt, perfekt gestretcht

01.06.12 | Autor / Redakteur: Axel de Schmidt / Robert Weber

Denn die zum Schrumpfen der Folie benötigte Wärme von rund 130 °C erhöht die Brandgefahr und damit Versicherungssätze, aber auch die Umweltbelastung. Zusätzliche Kosten entstehen durch die benötigten Tanks und Leitungen für die Gaszufuhr sowie Sprinkler- und Kühlsysteme. Probleme können auch im Handling wärmeempfindlicher Produkte auftreten, zudem ist ein Verkleben der Folie mit den Produkten nicht auszuschließen.

Stretchhaubentechnik wächst am stärksten

Die stärksten Zuwächse verzeichnet mittlerweile jedoch die in den 1980er-Jahren entwickelte Stretchhaubentechnik. Marktbeobachter erwarten hier für die kommenden Jahre einen Wachstumsschub von 20 % per annum. Auch die Perspektiven von Stretchwicklern, die mit einem Marktanteil von rund 70 % dominieren, sind nach wie vor gut. Hier werden Zuwächse von jährlich etwa 5 % erwartet.

Der Hintergrund: In vielen Logistikzentren wird immer noch sehr viel manuell verpackt. „Wir sind hier in den Verpackungsprozessen noch am Anfang der Automatisierung“, sagt Beumer-Experte Matzen. „Das Einsparpotenzial ist daher relativ groß.“

Die Stärken des Stretchwickelns liegen vor allem bei geringerem Durchsatz in der hohen Produktflexibilität und den niedrigen Anschaffungskosten. Dagegen stehen einige Nachteile. So können Barcodes nur eingeschränkt lesbar sein. Außerdem sind Produktverformungen nicht auszuschließen. Verblockungen zwischen zwei Ladeeinheiten erschweren zudem die Entladung von Lkw. Und nicht zuletzt ist die Eignung für die Lagerung im Freien eingeschränkt.

Reckgrade zwischen 6 und 400 % sind möglich

Leistungsfähige Stretchanlagen bringen vor allem die unterschiedlichen Dehnungskräfte mit der gewünschten, möglichst hohen Folienhaltekraft und dem kostensparenden niedrigeren Folienverbrauch unter einen Hut. Denn bevor die Folie um die Palette gewickelt wird, muss sie gereckt werden. Bei bestimmten Folienrecksystemen bleiben Reckgrad und Folienanlegekraft unabhängig von der Ladungsform oder Wickelgeschwindigkeit konstant.

Dabei wird die Folie zwischen zwei Walzen, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten drehen, gereckt. Cyklop hat sich dafür das „Power-Ecostretch“-System patentieren lassen, das mit Reckgraden zwischen 6 und 400 % für ein konstantes Austauschverhältnis zwischen den Walzen sorgt. Die Wahl des Reckgrades hängt dabei von den Folieneigenschaften, der Art der Ladung und der Drehgeschwindigkeit ab.

Stretchhaubenanlagen lassen sich gut in automatisierte Abläufe einbinden

Mit einer Stretchhaubenanlage entscheiden Kunden sich für höhere Geschwindigkeiten, einen verbesserten Wetter- und Diebstahlschutz und ein leichteres Branding. Ein weiteres Plus ist die erhöhte Ladungsstabilität aufgrund der vertikalen Folienkräfte. Für den Haubenstretcher sprechen zudem seine guten Einsatzmöglichkeiten bei fahrerlosen Transportsystemen (FTS) und in automatischen Hochregallagern.

Mit automatisierten Abläufen verbinden sich im Verpackungsprozess typische Vorteile, wie eine konstante Verpackungsqualität und ein stark reduzierter Bedienereingriff. Gleichzeitig erhöht sich die Anlagenverfügbarkeit durch den bis zu zehnmal geringeren Folienwechsel. Der entscheidende Vorteil dieser Variante dürfte aber in den unter dem Strich niedrigeren Kosten liegen. Gegenüber dem Schrumpfen besteht ein Kostenvorteil von etwa 25 %.

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