Logimat 2016

Ein Verwertungskreislauf, wie er im Buche steht

| Autor / Redakteur: Bernd Neumann / Benedikt Hofmann

Für die Produktion der Polsterkissen wird nur wenig Platz benötigt.
Für die Produktion der Polsterkissen wird nur wenig Platz benötigt. (Bild: Kimberly Wittlieb)

Wie eine Verwertung von Altkartonagen zu umweltfreundlichem Polstermaterial realisiert werden kann, zeigt die Zusammenarbeit der Lebenshilfe Werkstätten Unterer Niederrhein mit Kreiter, einem Spezialisten für Polstermaterial. Die Herstellung der Papierpolsterkissen übernehmen komplett Menschen mit Behinderung.

Die seit 1968 bestehende Produktionsstätte in Rees-Groin mit aktuell rund 470 Beschäftigten ist neben Alpen-Veen und Wesel-Obrighoven einer von drei Standorten der Lebenshilfe Werkstätten Unterer Niederrhein. Sie bieten insgesamt rund 840 Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben innerhalb verschiedenster Produktionsbereiche. Auch der Sektor Verpackung spielt eine bedeutende Rolle.

Dass die Lebenshilfe-Werkstatt nun auch Papierpolsterkissen produziert, ist eher dem Zufall zu verdanken. Anlässlich einer privaten Verpackungsentsorgung fiel einem Angestellten ein solcher, mit Herstellerangabe bedruckter Transportschutz auf. Bei der Kontaktaufnahme mit der im baden-württembergischen Kirchardt ansässigen Firma Kreiter informierte man sich detailliert über das Karopack-System. Dessen wesentliche Komponente ist der Aufbau eines Kreislaufs, der in einer wirtschaftlich vertretbaren Entfernung bei Firmen die anfallenden Mengen an Altkartonagen und Papier erfasst und fertige Polsterkissen als kostengünstige Alternative im Vergleich zu Luftpolstern oder Chips an die Unternehmen zurückliefert.

Zur praktischen Umsetzung nutzt der niederrheinische Betrieb nun einen eigenen Lkw, der Destinationen in den Postleitzahlgebieten 4 und 5 anfährt. Dies kann in Einzelfällen eine Distanz von knapp 200 km bedeuten. Die Kundschaft besteht nicht nur aus mittelständischen Firmen des produzierenden Gewerbes, sondern zum Beispiel auch aus großen Logistikern. Zur Produktion der Kissen ist in Rees seit Juni 2015 eine Kartonverwertungsanlage (KVA) des Typs 100 18 K im Einsatz. Es werden standardmäßig Kissen mit 180 mm Breite in den Längen 220, 300 und 380 mm hergestellt. Die von sieben Mitarbeitern bewältigte Tagesleistung beträgt im Einschichtbetrieb derzeit etwa 12.000 Beutel. Die Kapazität der Maschine ist aber durchaus noch steigerungsfähig. Sie ist auf die Fertigung von maximal 30 Kissen pro Minute ausgelegt, bezogen auf die mittlere Variante 180 mm × 300 mm. Auch Sonderlängen sind möglich.

Mit der Betriebsstätte am Niederrhein wurde die Flächendeckung des Karopack-Systems weiter ausgebaut. Weitere Produktionsstandorte befinden sich in Kirchardt, München, Bayreuth und Sinsheim. Die Erschließung zusätzlicher Kreisläufe in nördlicheren Regionen ist geplant.

Kreiter GmbH Halle 4, Stand 4A77

* Bernd Neumann ist freier Journalist in 51324 Leverkusen, Tel. (0 23 04) 9 96 86-02, bene.journal@t-online.de

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