API

Zusätzliche Services mit API einführen

| Autor / Redakteur: Dietmar Koch / Bernd Maienschein

Electronic Data Interchange (EDI) ist gut – das Application Programming Interface (API) ergänzt den Standard mit wesentlichen Verbesserungen.
Electronic Data Interchange (EDI) ist gut – das Application Programming Interface (API) ergänzt den Standard mit wesentlichen Verbesserungen. (Bild: iStock)

Der elektronische Datenaustausch mit Electronic-Data-Interchange-(EDI-)Nachrichten hat sich bewährt. Aber für spezielle Services führt kein Weg an APIs vorbei. Das Application Programming Interface verschafft einen definierten Zugriff auf die internen Systeme eines Unternehmens. Kunden können so Daten in ihre eigenen Systeme integrieren.

Herzlichen Glückwunsch, Edifact! Vor 30 Jahren begannen die Arbeiten an der Standardisierung des elektronischen Dokumentenaustauschs (EDI, Electronic Data Interchange) mit diesem Nachrichtenformat. Die ersten Verfahren zum Ersatz von Papierdokumenten durch Datenübertragung sind noch einmal ein gutes Jahrzehnt älter. Vor allem die deutsche Autoindustrie hat über den VDA sehr früh auf EDI gesetzt und dafür bereits 1978 ein eigenes Protokoll entworfen. Es ist nicht übertrieben, von einer Erfolgsgeschichte zu sprechen. In der Anfangszeit ging es in erster Linie darum, die umständlichen und zeitaufwendigen „Papierprozesse“ durch die deutlich schnellere Datenverarbeitung mit Computer und Kommunikationsnetzen zu ersetzen. Es ist den meisten Leuten aus dem Blick geraten, aber der Austausch von Dokumenten per Briefpost konnte im internationalen Geschäftsverkehr schon mal eine Woche oder mehr erfordern.

Dieser Zeithorizont ist heute kaum mehr vorstellbar. Die Anforderungen haben sich bis auf Echtzeitverarbeitung hochgeschraubt. Auch die Komplexität des Datenaustauschs ist gestiegen. Die Metapher vom „elektronischen Dokument“ tritt immer stärker in den Hintergrund. Heute geht es um möglichst rasche Kommunikation mit kurzen Reaktionszeiten.

Zusätzliche Services per API

Darüber hinaus entwickeln sich die Anforderungen in den Unternehmen weiter. In modernen Großunternehmen wird das Netzwerk an Zulieferern, Banken, Herstellern und Kunden immer komplexer. Die Ansprüche an den Datenaustausch steigen: Immer mehr Partner müssen eingebunden werden, die Datenvolumen werden immer größer und neue branchenspezifische Compliance-Protokolle halten Einzug. Hinzu kommen Cloud-basierte Anwendungen, mobile Apps und Geräte sowie das Internet der Dinge.

Kurz: Die Art und Weise, wie Unternehmen mit ihren Partnern, Kunden und Zulieferern interagieren, verändert sich stetig. Die Effizienzgewinne durch den elektronischen Dokumentenaustausch sind längst eingepreist, etwa der Verzicht auf mehrfache Eingabe von Daten, größere Fehlerfreiheit und die Beschleunigung der Abläufe in der gesamten Lieferkette.

Heute geht es in den Unternehmen eher um direkte Kontrolle und größtmöglichen Komfort für die Geschäftspartner. Ein prägnantes Beispiel: Ein deutscher Maschinenbauer liefert per Überseecontainer hochwertige CNC-Fräsen für den asiatischen Markt. Nun hat der Auftraggeber festgestellt, dass er irrtümlich eine Maschine zu wenig bestellt hat, er möchte die Liefermenge ändern.

Was nun? In den EDI-Standards ist der Umgang mit solchen Ausnahmen und Sonderfällen nicht so ohne Weiteres möglich. Denn ob diese Korrektur einer Bestellung ausgeführt werden kann, hängt vom aktuellen Status der Bestellung ab. Wenn sie noch nicht verpackt ist – kein Problem. Doch was ist, wenn der Container schon unterwegs ist? Will der Kunde jetzt noch eine Fräse separat und zu zusätzlichen Transportkosten geliefert haben?

An diesem Punkt kann EDI nichts mehr für die Geschäftspartner leisten. Die Manager beim Hersteller und beim Kunden müssen den Telefonhörer in die Hand nehmen und verhandeln. So eine Situation lässt sich nicht mit herkömmlichen Methoden automatisieren. Sie lässt sich aber „digitalisieren“, mit einem API (Application Programming Interface). Ein solches API gibt einen definierten Zugriff auf die internen Systeme eines Unternehmens. Es kann zum Beispiel genutzt werden, damit Kunden die Daten in ihre eigenen Systeme integrieren können. Ein gutes Beispiel sind Tracking-Informationen, die Logistik-Provider zur Verfügung stellen.

APIs berücksichtigen auch Sonderfälle

Bei Anbietern im Privatkundengeschäft heißt so etwas „Sendungsverfolgung“ und wird über eine Webschnittstelle angeboten. Dabei nutzt der Anbieter im Regelfall seine eigene API und integriert eine vergleichsweise einfach zu entwickelnde Webapp in seine Website. Nach Eingabe einer Paketnummer kann jeder Kunde herausfinden, in welchem Logistikzentrum sich die Sendung befindet und ob sie bereits in der Zustellung ist.

Auch für B2B müssen Logistikanbieter heutzutage solche Tracking-Informationen bereitstellen. Es ist inzwischen guter Standard, dass sowohl Absender als auch Empfänger jederzeit genau herausfinden können, welchen Status die Sendung gerade hat. Für die Unternehmenslogistik bedeutet das, dass über ein solches API auch Probleme wie das oben geschilderte nach Bestellung unkompliziert zu erledigen sind.

So könnte zum Beispiel der Auftraggeber in seinem Bestellsystem einfach eine Rückmeldung erhalten, ob eine Änderung der Menge noch möglich ist oder nicht. Es ist schwer, diese Art des Datenaustauschs mit Standard-EDI abzudecken. Die einfachste Lösung ist es, dem Geschäftspartner API-Zugriff zu geben. Nun kann er eine Integration in seine internen Systeme entwickeln lassen und besitzt damit Möglichkeiten, die mehr leisten als EDI.

Der Vorteil einer solchen API ist natürlich die Geschwindigkeit des Datenaustauschs und die Möglichkeit, auch Sonderfälle zu berücksichtigen, die über EDI-Nachrichten hinausgehen. Es gibt allerdings auch einen Nachteil: APIs sind längst nicht so standardisiert wie Edifact & Co. Wenn ein Unternehmen mit mehreren Logistikanbietern zusammenarbeitet, muss es im Zweifel mehrere Schnittstellen in seine Systeme integrieren.

Doch der Trend geht in allen Branchen, bei allen Unternehmensgrößen und sowohl im Privat- als auch im Geschäftskundenbereich zu zusätzlichen Services. Sie werden mit APIs verwirklicht und sind ein deutliches Merkmal der fortschreitenden Digitalisierung: Last-Minute-Änderungen, Tracking-Informationen, mobile Zugriffe und vieles andere mehr. ■

* Dietmar Koch ist Vice President Product Management B2B/ Automotive bei der Axway GmbH in 10711 Berlin, Tel. (0 30) 89 01-00, dkoch@axway.com

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