Schwenkkrane 125 Jahre Vetter Krantechnik

Redakteur: Jürgen Schreier

Die Vetter Krantechnik GmbH, Siegen, blickt auf eine 125-jährige Geschichte zurück. Das Erfolgsrezept des Herstellers von Schwenkkranen ist laut Seniorchef Klaus Th. Vetter die stete Investition in Forschung und Entwicklung, eine gesunde und schrittweise Expansion sowie das Know-how der Mitarbeiter.

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Standard-Schwenkkrane zur Maschinenbeschickung werden direkt auf dem Hallenboden aufgedübelt.
Standard-Schwenkkrane zur Maschinenbeschickung werden direkt auf dem Hallenboden aufgedübelt.
(Bild: Vetter Krantechnik)

Dabei liegen die Anfänge des Familienbetriebes keineswegs im Kranbereich sondern im Bergbau. Im Jahr 1889 gründete der damals 23-jährige Schmiedemeister Arnold Vetter die „Arnold Vetter – Fabrik für Eisenkonstruktionen“ in Siegen-Eiserfeld und legte damit den Grundstein zur Fertigung von Schachtförder-Einrichtungen für den Erzbergbau, den es damals in der Sieg-Lahn-Dill-Region noch gab.

Die „Kipplore" wird zum Verkaufsschlager

Stand in den Anfängen die Reparatur von „Grubengezähe", dem Handwerkszeug der Bergleute, im Vordergrund, dehnten sich die Reparaturen sehr schnell auf größere bergmännische Arbeiten aus, insbesondere auf die Instandsetzung von Förderwagen. Höhepunkt des Geschäftserfolgs war die Entwicklung eines kippbaren Förderwagens, der sogenannten „Kipplore". Von diesem produzierte Vetter in den nächsten Jahrzehnten in genieteter Ausführung 48.000 Stück.

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In den späteren Jahren erweiterte Vetter das Fertigungsprogramm um Schachtförder-Einrichtungen, hauptsächlich Förderkörbe aller Größenordnungen, die über einen eigenen Gleisanschluss verladen wurden und erwarb sich im Laufe der Jahre einen hervorragenden Ruf als kompetenter und zuverlässiger Partner des Bergbaus.

Fokussierung auf drei Kernkompetenzen

Mit dem Niedergang des europäischen Bergbaus in den 1960er-Jahren musste sich Vetter umorientieren. Inzwischen hatte Klaus Th. Vetter im Jahr 1962, in dritter Generation, die Nachfolge seines Onkels Albert Vetter angetreten. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte die konsequente Umstrukturierung des Betriebs. Zu diesem Zeitpunkt war die Belegschaft von ehemals 80 Mitarbeitern auf nur noch 25 Mitarbeiter zusammengeschrumpft.

Als „harte Jahre“ beschreibt Klaus Th. Vetter, der damals gerade 23 Jahre alt war, seinen Einstieg in den Betrieb. „Wir brauchten dringend neue Produktideen, entwickelten die ersten eigenen Werkstattkrane, und in der Schmiede wurden die ersten Gabelzinken für Gabelstapler hergestellt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei beiden Produkten konnten wir ab dem Jahr 1964 die ersten Erfolge verbuchen. Als Nobody in den Märkten Krane und Hebezeuge und auch in der Gabelstaplerbranche taten wir uns in den ersten Jahren sehr schwer.“

Dass es stetig aufwärts ging, ist auch den einsatzfreudigen Mitarbeitern zu verdanken, die in Krisenzeiten zum Unternehmen standen. Im Laufe der Jahre wurde der Firmensitz permanent ausgebaut. Halle um Halle entstand, Grundstücke und Altimmobilien mussten dazu gekauft werden, und die Mitarbeiterzahl stieg bis 1989 auf über 200 an.

Rasanter Aufstieg nach der Aufspaltung

Nach der Aufspaltung des Unternehmens im Jahr 1991 in die Einzelgesellschaften Vetter Krantechnik GmbH, Vetter Kranservice GmbH und Vetter Umformtechnik GmbH entwickelte sich die Gruppe rasant weiter und wird inzwischen sowohl bei Krananlagen als auch bei Gabelzinken weltweit als einer der führenden Anbieter wahrgenommen.

Im Rahmen der Nachfolgeregelung wurden 2013 alle Anteile der Vetter Umformtechnik an Arnold Vetter, Urenkel des Gründers, der bereits seit 1991 in der Unternehmensleitung tätig ist, übertragen. Die Vetter Krantechnik GmbH und die Vetter Kranservice GmbH gehören unter dem Dach der Vetter Holding GmbH weiterhin zum Familienstamm Klaus Th. Vetter und werden durch Fremdgeschäftsführer geleitet. Alle Unternehmen sind dank hoher Spezialisierung international führend auf ihren Fachgebieten.

Da der bestehende Fertigungsstandort für eine weitere Expansion zu wenig Platz bot, wurde im Jahre 1990 der Grundstein für das neue Gabelzinkenwerk in Burbach, Kreis Siegen gelegt und dieser Bereich ausgegliedert. „Mit der verbleibenden Vetter Krantechnik stieß man am alten Standort im Jahre 2005 bereits wieder an die Kapazitätsgrenze und suchte nach neuen Ausdehnungsmöglichkeiten“, so Klaus Vetter. Beschäftigt wurden zu diesem Zeitpunkt in der Unternehmensgruppe über 400 Mitarbeiter.

Nummer 1 bei Schwenkkranen

Aus diesem Grunde entschieden sich die Gesellschafter im Jahr 2005, in Haiger (Dillkreis), unmittelbar an der Autobahn A 45, einen neuen Standort für die Krantechnik zu errichten. In wenigen Jahren wurde dort einer der modernsten Fertigungsbetriebe für die Krantechnik gebaut, in dem jährlich über 4000 Werkstattkrane hergestellt werden. Für die beiden Familienunternehmen Vetter arbeiten heute an den Standorten Burbach und Haiger über 600 Mitarbeiter.

„Wir haben uns über Jahrzehnte zum Spezialisten für Schwenkkrane etabliert“, erläutert Klaus Th. Vetter. „Nachdem wir früher sehr viele Produkte der Förder- und Hebetechnik hergestellt haben, kam Mitte der 80er-Jahre die Erkenntnis, dass wir uns stärker spezialisieren müssen – auf ein oder zwei Produkte.“ So kam es zu der Fokussierung auf Gabelzinken auf der einen und Schwenkkrane auf der anderen Seite. Just zu diesem Zeitpunkt hat Vetter Krantechnik auch ein Komponentensystem entwickelt.

„Wir fertigen nicht einen einzelnen Schwenkkran, sondern dieser wird – ähnlich wie in der Automobilindustrie – aus vorgefertigten Komponenten zusammengebaut“, erklärt Klaus Th. Vetter. „Hinzu kommt, dass wir weltweit Lizenznehmer haben, die auf unsere Komponenten zurückgreifen, so dass wir diese in hohen Stückzahlen kostengünstig herstellen können.“ Das gesamte Schwenkkranprogramm ist als Baukastensystem aufgebaut. Bis zum Jahr 2013 hat das Unternehmen über 75.000 Schwenkkrane hergestellt, unter Einschluss der Lizenznehmer sind nach dem System Vetter sogar über 100.000 Schwenkkrane produziert worden. Schwenkkrane tragen heute rund 70 % zum Umsatz der Vetter Krantechnik bei.

Auch im Ex-Schutz-Bereich führend

Neben der Produktion von Standardkranen hat sich Vetter die Fähigkeit zur Spezialisierung bewahrt und bietet auch Schwenkkrantechnik für sehr anspruchsvolle Anforderungen an, wie zum Beispiel für die Öl-, Gas- und Offshore-Industrie. Auch im Ex-Schutz-Bereich ist Vetter führend.

„Durch unsere große Kompetenz können wir die Sonderwünsche unserer Kunden gut erfüllen. Dies verschafft uns enorme Wettbewerbsvorteile“, freut sich Sven G. Killmer, Geschäftsführer bei der Vetter Krantechnik. „Gerade im Ex-Schutz-Bereich zählen wir zu den Spezialisten am Markt und besitzen die entsprechenden Zulassungen, um Krane für explosionsgefährdete Bereiche zu fertigen.“

Auch mit den neu ins Programm genommenen Profi-Kransystemen und den Lastwendegeräten Rotomax will der Kranbauer weiter wachsen. „Der Rotomax ist eine sehr spezielle und gefragte Kundenlösung. Auf diesem Sektor haben wir inzwischen 30 Jahre Erfahrung aufgebaut, die von unseren Kunden sehr geschätzt wird“, erklärt Sven G. Killmer. Die Rotomax-Lastwendegeräte mit Tragfähigkeiten bis 200 t wurden für das Drehen von schweren und sperrigen Teilen konzipiert, wie zum Beispiel Motorblöcke, Gießkästen oder Rotorblätter für die Windkraftindustrie.

Vetter-Produkte werden weltweit vertrieben und erfüllen internationale technische Standards. Vetter Krantechnik arbeitet im europäischen Ausland und in Übersee mit Partner-Hebezeug-Firmen zusammen. „Wir beliefern unsere Partner mit sehr guter Schwenkkrantechnik und setzen auf langjährige Partnerschaften. Teilweise bieten wir auch Lizenzfertigungen an“, so Klaus Th. Vetter. „Unsere Partnerfirmen können so ihr Portfolio erweitern und sich in den jeweiligen Märkten etablieren.“ Mit dem Vetter-Kran-Konfigurator bietet der Kranhersteller seinen Partnern im In- und Ausland zudem eine Plattform, mit welcher über das Internet ein Kran nach den speziellen Anforderungen des Kunden konfiguriert werden kann.

Umwelt und Energieeffizienz im Visier

Bei der Kran-Fertigung haben die Themen Umweltschutz und Energieeffizienz für den Kranbauer eine hohe Priorität. „Wir verarbeiten zum Beispiel bei 95 % unserer Krane ausschließlich wasserlösliche Lacke“, erläutert Dipl.-Ing. Werner Truß, seit vielen Jahren technischer Leiter bei Vetter und Mitglied der Geschäftsleitung.

Zudem spielt die Energieeffizienz in der Produktion eine große Rolle. „Bei Zulieferteilen, wie Elektroketten- und -seilzügen haben wir nur bedingt Einfluss, da dies immer mit den Herstellern von Elektrokettenzügen einhergeht“, so Werner Truß. „Doch viele kleine Verbesserungen an unseren Kranen tragen oftmals schon zur Steigerung der Effizienz bei.“

Ein Meilenstein war auch die Verdübelung der Krane direkt auf dem Hallenboden, wodurch Kunden sich aufwendige Fundamentarbeiten ersparen können. Dies sei natürlich an bestimmte Voraussetzungen gebunden, so der Kranspezialist, welche bei modernen Hallenböden aber meist gegeben sind. Ein wichtiger Trend ist auch die kabellose Funkfernsteuerung für größere Schwenkkrane und besonders bei Rotomax-Lastwendegeräten. Unter Sicherheitsaspekten ist diese für Bediener ein großer Schritt nach vorne.

Service wird groß geschrieben

Auch Service wird bei Vetter Krantechnik groß geschrieben. Vertriebs- und Serviceniederlassungen stehen deutschlandweit den Kunden vor Ort zur Seite. „Wir liefern und montieren auf Wunsch schlüsselfertig und bieten darüber hinaus mit unserem Tochterunternehmen, der Vetter-Kranservice, auch später ein umfassendes Serviceangebot“, sagt Werner Truß. Die Vetter Kranservice GmbH ist als eigenständiges Service-Unternehmen der Vetter Krantechnik und Gründungsmitglied der „Gütegemeinschaft Kranservice e. V.“ verantwortlich für die Wartung, den Service, die Funktionalität und Sicherheit von Krananlagen, Hebezeugen und Lastaufnahmemitteln.

Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem Wiederholungsprüfungen nach UVV gemäß BGV D6, D8 und BGG 905, RLD Restlebensdauerermittlungen, Ersatzteilversorgung und Zubehörverkauf, Generalüberholung von Hebezeugen, Montagen von Krananlagen, Isolationsmessungen nach BGV A3, Modernisierungen und Erweiterungen sowie Kranführer- und Service-Schulungen.

Eines der modernsten Kranwerke der Welt macht sich fit für die Zukunft

Die Vetter Krantechnik ist auch für die Zukunft gut aufgestellt. Mit der 2013 begonnenen und in diesem Jahr abgeschlossenen Kapazitätserweiterung am Standort Haiger hat der Kranspezialist die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Die Produktionsfläche im neuen Werk wurde auf 12.500 m² ausgebaut.

Vetter erweiterte die moderne Fertigung um ein Rohmateriallager mit Magnetkran, eine Stahlkies-Entrostungsanlage sowie um ein neues Sägezentrum mit Querförderer. In den Fertigungsfluss wurden zudem moderne Roboter für die Säulen- und Auslegerfertigung sowie ein Rohrschneidzentrum integriert. Die automatisierten, roboterunterstützten Fertigungsabläufe, ein erfahrener Mitarbeiterstamm sowie die gut geplante Intralogistik bis hin zum Versand sollen für effiziente Abläufe und hohe Qualitätsstandards bei der Fertigung von standardisierten Schwenkkran- und Portal-Kransystemen sorgen.

Mit der Fertigstellung der letzten Hallen wird die Kranfertigung noch in diesem Jahr komplett auf den Standort Haiger konzentriert. Dazu verlässt das Unternehmen den Standort Siegen-Eiserfeld. „Mit Wehmut im Herzen“, sagt Klaus Th. Vetter, „verlassen wir den alten Standort Eiserfeld, an dem das Unternehmen Vetter 125 Jahre lang ansässig und dem Ort eng verbunden war.“

Am neuen Standort in Haiger für die Zukunft gut aufgestellt

Doch er freut sich auch auf die Aufgaben, die vor ihm liegen: „Wir können mit unseren Produkten zuversichtlich in die Zukunft sehen. Zumal inzwischen der Bedarf nach Vetter-Lösungen deutlich angestiegen ist. Mit unserem neuen Standort in Haiger sind wir für die Zukunft gut aufgestellt“, so Klaus Th. Vetter. „Gerade im Export sehen wir großes Wachstumspotenzial. Die Re-Industrialisierung ist in vielen Ländern gestoppt, und wir erfüllen mit unseren modernen Produkten, den effizienten Fertigungseinrichtungen und dem hohen Qualitätsstandard optimal die Marktanforderungen.“

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