Porträt 150 Jahre Mobilität mit DB Schenker

Von Bernd Maienschein

Von der Pferdekutsche bis zur Frachtdrohne – in den folgenden Zeilen lesen Sie, was sich innerhalb von eineinhalb Jahrhunderten bei DB Schenker getan hat. Ausgerechnet im 150. Jubiläumsjahr des weltweit aktiven Transportdienstleisters, der längst zur Deutschen Bahn AG gehört, tauchen massive Übernahmegerüchte durch potente Finanzinvestoren auf.

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Schenker-Speditionsleistungen um das Jahr 1950.
Schenker-Speditionsleistungen um das Jahr 1950.
(Bild: DB Schenker)

„Potent“ müsste ein künftiger Aufkäufer allerdings sein: Der Wert der Bahn-Tochter wird – sehr grob – auf zwischen 15 und 20 Milliarden Euro taxiert. Doch richten wir den Blick erst einmal weit zurück, ins Jahr 1872. Jenes Jahr, in dem Gottfried Schenker am 1. Juli das heutige Unternehmen DB Schenker in Wien gegründet hat. Seine Idee, Einzelsendungen zu Sammeltransporten zusammenzufassen, war für die damalige Zeit eine im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechende Innovation. Schon 1873 startete der erste Bahn-Sammelgutverkehr von Paris nach Wien, 1874 wurden Niederlassungen in Budapest, Bukarest, Prag und London eröffnet. Dem folgten 1880 die Beteiligung an der Adria Dampfschifffahrts-Gesellschaft und 1895 die Gründung der Austro-Americana Shipping Company. 1901 stirbt Gottfried Schenker in Wien, seine Nachfolge tritt sein Adoptivsohn Dr. August Schenker-Angerer an.

Gleich nach dem Ersten Weltkrieg konzentriert sich Schenker auf Expresslieferdienste, Regionalverkehre, Umzüge und Messespedition, 1922 wurden erste Luftfrachttransporte in Deutschland unternommen. 1924 unternimmt die deutsche Exportwirtschaft eine von Schenker organisierte internationale Messereise. Im Jahr 1931 wird die Schenker & Co. GmbH von der damaligen Deutschen Reichsbahn übernommen und steht fortan unter staatlicher Kontrolle, entscheidende Positionen in Führungs- und Aufsichtsgremien werden in der Folge von Parteimitgliedern der NSDAP besetzt.

Internationalisierung wird forciert

Nachdem man die Schrecken des Zweiten Weltkriegs wenigstens teilweise hinter sich gelassen hatte, gründete Schenker ein Tochterunternehmen in den Vereinigten Staaten von Amerika, Internationalisierung und Luftfracht werden in dem Zuge vorangetrieben. Und auch die andere Seite der Weltkugel wird nicht vergessen: 1966 wird in Hong Kong eine eigene Gesellschaft für den asiatischen Markt gegründet, der ein Jahr darauf ein eigenes Büro in Taiwan zur Betreuung des taiwanesischen Marktes folgt. 1972 wird Schenker zum offiziellen Spediteur der Olympischen Spiele in München ernannt. Dann wird es technisch: 1989, im Jahr der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, wird „SWORD“ eingeführt – Schenker‘s Worldwide Online Realtime Data Network – und auch der internationale, branchenübergreifende Edifact-Standard wird im Unternehmen implementiert.

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Zeitleiste
  • 1872: Am 1. Juli 1872 gründet Gottfried Schenker die Firma Schenker & Co. in Wien.
  • 1901: Nach Schenkers Tod übernimmt Adoptivsohn Dr. August Schenker-Angerer.
  • 1922: Erste Luftfrachttransporte in Deutschland.
  • 1947: Gründung einer Tochtergesellschaft in den USA.
  • 1996: Unter dem Dach der Schenker-Rhenus AG werden alle Stinnes- Aktivitäten zusammengefasst.
  • 2020: Erster kommerzieller Kohlendioxid-neutraler Frachtflug der Geschichte.

1991 übernimmt die Stinnes AG von der Deutschen Bundesbahn die Mehrheit an Schenker. 1996 werden unter dem Dach der Schenker-Rhenus AG alle Stinnes-Aktivitäten zu Luft- und Seefracht, Landverkehre, Umschlag/Logistik und Seehäfen zusammengefasst. 1997 kann Schenker auf 125 Jahre Geschichte zurückblicken. Die Schenker AG positioniert sich neu: Das Massengutgeschäft wird verkauft und drei neue Geschäftsbereiche werden geformt: Logistics, International und Eurocargo. Durch die Beteiligung an der schwedischen Firma BTL-AB in Göteborg entsteht Europas größter Transport- und Logistikkonzern. 1998 werden unter dem neuen Namen Schenker-BTL alle europäischen Landtransporte von Schenker und BTL vereint.

2011 errichtet DB Schenker in Leipzig ein neues Logistikzentrum zur Versorgung von Automobilwerken in China und Südafrika, 2016 investiert man mit der Unterzeichnung eines langfristigen Partnerschaftsvertrags mit dem globalen Marktplatz „uShip“ in die digitale Zukunft.

Neueste Technik für die Mitarbeitenden

Apropos Zukunft: Richten wir den Blick doch einmal nach vorne. In den kommenden zwei Jahren entsteht auf dem Gelände des DB-Schenker-Standortes Hamburg-Wilhelmsburg eines der modernsten und ökologisch nachhaltigsten Logistikterminals Europas – am 10. Februar war Spatenstich. Mit dieser Investition in umweltfreundliche Bau- und Gebäudetechnik realisiert DB Schenker ein weiteres Highlight seines ehrgeizigen Nachhaltigkeitsengagements. Der Standort Hamburg trägt dazu schon heute bei: Mit XXL-Lastenfahrrädern sowie dem vollelektrischen „FUSO eCanter“ von Daimler existiert bereits eine komplett grüne Lieferkette im innerstädtischen Verkehr.

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Für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Logistikriese eine Überraschung zum 150. Jubiläum im Gepäck: Nach Abschluss einer wissenschaftlich begleiteten Testphase setzt DB Schenker in Deutschland erstmals Exoskelette im Regelbetrieb in Lager und Warenumschlag ein. Als erster Hersteller wurde Ottobock Bionic Exoskeletons mit den Modellen der Paexo-Serie in das Portfolio der zugelassenen Betriebsmittel für Sicherheit und Gesundheitsschutz aufgenommen. Weitere Varianten anderer Anbieter sollen folgen. Schon seit 2019 testet DB Schenker systematisch den Einsatz dieser Exoskelette. Zuletzt wurden im Sommer 2021 über einen Zeitraum von vier Wochen praxisbegleitende Testreihen an verschiedenen Standorten in der Kontraktlogistik, der Luft- und Seefahrt sowie im Landtransport durchgeführt. Spartenübergreifend hätten dabei das Verpacken und die Kommissionierung im Fokus gestanden, heißt es von Unternehmensseite aus. Klingt irgendwie nach gutem Arbeitsklima, finden Sie nicht?

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