3D-Druck 3D-Druck in der Industrie und die Logistik schaut zu?

Autor / Redakteur: Victoria Sonnenberg und Robert Weber / Robert Weber

Eine 3D-Druck-Veranstaltung reiht sich an die nächste. Die Industrie diskutiert intensiv das Thema. Doch wie verändert das Fertigungsverfahren die Logistikprozesse? Drucken sich Unternehmen in Zukunft ihre Ersatzteile selber oder profitiert der Materialfluss sogar von der Entwicklung?

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Die günstigen Drucker arbeiten meist im Fused Deposition Modeling-Verfahren, indem drahtförmiges Kunststoffmaterial verflüssigt wird.
Die günstigen Drucker arbeiten meist im Fused Deposition Modeling-Verfahren, indem drahtförmiges Kunststoffmaterial verflüssigt wird.
(Bild: Michel)

Von Cody Wilson haben bisher nur wenige Menschen gehört. Doch eine Vorstellung des jungen Mannes lohnt sich, denn er ist Sinnbild für eine neue Produktionslandschaft. Der Mann wohnt in Texas, studiert dort an der Universität, ist ein leidenschaftlicher Bastler und hält die Sicherheitsbehörden in der ganzen Welt momentan auf Trab, denn der Amerikaner hat auf seiner Website einen Bauplan für eine Pistole veröffentlicht.

3D-Druck geht vom Prototypenbau in die Produktion

Das erstmal ist nicht verboten, Cody hat eine Lizenz zum Waffenbau, und klingt zunächst auch unspektakulär. Aber Codys Waffe ist nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff und damit quasi unsichtbar für die Sicherheitsschleusen, beispielsweise an Flughäfen. Dazu kommt: Codys Schussgerät kann sich jeder selber zuhause ausdrucken – der 3D-Druck macht es möglich.

Das ist alles illegal, aber die Geschichte um den Amerikaner ist faszinierend, denn bis vor wenigen Jahren war der 3D-Druck nur ein teures Verfahren für den Prototypenbau. Mittlerweile träumen Maschinenbauer von neuen Produktionsverfahren, denn auch die Materialvielfalt hat mit Edelmetallen, Keramik und Kunststoffen zugenommen. „International wittern Industrie und Wirtschaft im 3D-Druck neue Geschäftsfelder. Die innovativen Fertigungsmethoden des 3D-Drucks definieren die Welt der Produktion neu“, erklärt Rainer Gebhardt, VDMA-Fachverband Druck- und Papiertechnik.

3D-Druck definiert die Produktions- und Logistikwelt neu

Der Traum eines jeden Produktionsleiters: „In Zukunft drucke ich mir mein Ersatzteil selber aus.“ Keine Order, kein langes Warten, keine Zustellkosten, keine Logistikkosten und kein Stillstand. Das Verfahren hat seinen Charme, aber es mangelt noch an Verschleiß- oder Bruchfestigkeit. Die deutsche Industrie sucht nach Antworten auf das neue Verfahren und auch auf die Frage der Festigkeit. Gegenwärtig stochert die Industrie aber noch im Nebel – keiner weiß, wohin die Reise geht. Ergänzung der Massenproduktion oder mobiles Ersatzteillager? Und wie steht es um die Patente?

Doch: Auf das Gießen und Spritzen werden die Unternehmen woh auch in Zukunft nicht verzichten können. Die Verantwortlichen müssen zukünftig die Produktionsprozesse miteinander verbinden – da sind auch Logistiker gefragt.

3D-Druck eröffnet neue Möglichkeiten in der Lagerhaltung

„Mit dem 3D-Verfahren wird beispielsweise eine ganz neue Art der Lagerhaltung möglich sein. Statt ein breites Sortiment an Ersatzteilen jederzeit vorzuhalten, braucht man künftig nur noch die Computer-Daten für das Design. Per Print-on-Demand wird das Teil erst bei Bedarf gedruckt, das bedeutet, der Zeitpunkt und die Stückzahl sind punktgenau steuerbar“, meint Gebhardt. Ist die Entwicklung das Ende der Logistiker? Nicht unbedingt. Experten sprechen eher von einer Verschiebung der Kompetenz.

Deshalb müssen sich auch die Logistiker keine Sorgen um ihre Zukunft machen, auch wenn manche Vertreter schon unken, die Logistiker müssten ihre Prozesse und ihr Geschäftsmodell grundlegend ändern. Lkw-Fahrten, Just-in-Time-Belieferungen und Co. werden weiterhin zu den Aufgaben der Dienstleister gehören. Auch die Ersatzteillogistik wird weiterhin ein fester Bestandteil der Serviceunternehmen sein. Vielleicht stellt sich der ein oder andere Logistiker auch ein paar Drucker ins Lager, denn Produktionsfläche ist teuer und die OEM könnten die Aufgaben outsourcen. Dann müssten die Spediteure immer noch fahren. Die Dienstleister werden deshalb immer Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Fertig- und Halbfertigprodukte transportieren, auch wenn vielleicht einige Teile das Regal im Logistikzentrum nie erblicken werden, weil sie gedruckt wurden.

Gedruckte Ersatzteile sorgen für ein schlankes Lager

Aber die Entwicklung im 3D-Druck ist aus logistischer Perspektive auch gar nicht schlecht, denn die Lagerbestände im deutschen Maschinenbau sind immer noch zu hoch. Der Materiallagerbestand ist, bezogen auf den Materialeinsatz, über die letzten sieben Jahre gestiegen: bei den mittleren Firmen um ein Viertel auf über 50 Tage. Bei den besten Unternehmen ist der Materialbestand um 40 % auf fast 25 Tage gestiegen. Auch bei der Umlaufbestandsreichweite sieht es nicht besser aus.

Die Komponentenhersteller haben im Vergleich zu den Automobilzulieferern eine um 40 % längere Reichweite. Im Segment Investitionsgüter müssen die mittleren Unternehmen ihre Bestände um 90 % senken, um die Bestleistungen zu erreichen. Wenn also weniger Produkte ins Regal wandern, sinken die Bestände und die Kosten für Lager und Logistik dazu. Das freut den Logistiker, den Produktionsleiter und den CFO.

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