Kommentar 3D-Druck und Logistik – keine Angst vor Cody Wilson

Redakteur: Robert Weber

Eine 3D-Druck-Veranstaltung reiht sich an die nächste. Die Industrie diskutiert intensiv das Thema. Doch wie verändert das Fertigungsverfahren die Logistikprozesse? Ein mögliches Szenario:

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(Bild: Michel)

Haben Sie schon von Cody Wilson gehört? Nein? Dann stelle ich Ihnen Cody Wilson kurz vor. Der junge Mann wohnt in Texas, studiert dort an der Universität, ist ein leidenschaftlicher Bastler und hält die Sicherheitsbehörden in der ganzen Welt momentan auf Trab, denn der Amerikaner hat auf seiner Website einen Bauplan für eine Pistole veröffentlicht.

Das ist nicht verboten, Cody hat eine Lizenz zum Waffenbau, und klingt zunächst auch unspektakulär. Aber Codys Waffe ist nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff und damit quasi unsichtbar für die Sicherheitsschleusen beispielsweise an Flughäfen. Dazu kommt: Codys Schussgerät kann sich jeder selber zuhause ausdrucken – der 3D-Druck macht es möglich. Das ist alles illegal, aber die Geschichte um den Amerikaner ist faszinierend, denn bis vor wenigen Jahren war der 3D-Druck nur ein teures Verfahren für den Prototypenbau.

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Das Ende der Logistikkosten?

Mittlerweile träumen Maschinenbauer von neuen Produktionsverfahren, denn auch die Materialvielfalt hat mit Edelmetallen, Keramik und Kunststoffen zugenommen. Der Traum eines jeden Produktionsleiters: In Zukunft drucke ich mir mein Ersatzteil selber aus. Keine Order, kein langes Warten, keine Zustellkosten, keine Logistikkosten und kein Stillstand. Ja, das Verfahren hat seinen Charme, aber es mangelt noch an Verschleiß- oder Bruchfestigkeit. Die deutsche Industrie sucht nach Antworten auf das neue Verfahren und auch auf die Frage der Festigkeit. Gegenwärtig stochert die Industrie aber noch im Nebel – keiner weiß, wohin die Reise geht. Ergänzung der Massenproduktion oder mobiles Ersatzteillager? Und wie steht es um die Patente?

Ich meine: Auf das Gießen und Spritzen werden wir auch in Zukunft nicht verzichten können. Wir müssen uns aber die Frage stellen, wie wir die Produktionsprozesse miteinander verbinden – da sind auch Logistiker gefragt. Der 3D-Druck kann meiner Meinung nach als Ergänzung, als Spezialanwendung Erfolge feiern.

3D-Druck macht das Lager leer

Deshalb müssen sich auch die Logistiker keine Sorgen um ihre Zukunft machen, auch wenn manche Vertreter schon unken, die Logistiker müssen ihre Prozesse und ihr Geschäftsmodell grundlegend ändern. Ersatzteillogistik wird weiterhin ein fester Bestandteil der Serviceunternehmen sein. Die Dienstleister werden immer Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Fertig- und Halbfertigprodukte transportieren, auch wenn vielleicht einige Teile das Regal im Logistikzentrum nie erblicken werden, weil sie gedruckt wurden.

Aber die Entwicklung ist aus logistischer Perspektive auch gar nicht schlecht, denn die Lagerbestände im deutschen Maschinenbau sind zu hoch. Der Materiallagerbestand ist, bezogen auf den Materialeinsatz, über die letzten sieben Jahre gestiegen: bei den mittleren Firmen um ein Viertel auf über 50 Tage. Bei den besten Unternehmen ist der Materialbestand um 40 % auf fast 25 Tage gestiegen. Auch bei der Umlaufbestandsreichweite sieht es nicht besser aus. Die Komponentenhersteller haben im Vergleich zu den Automobilzulieferern eine um 40 % längere Reichweite. Im Segment Investitionsgüter müssen die mittleren Unternehmen ihre Bestände um 90 % senken, um die Bestleistungen zu erreichen.

Wenn in diesem Bereich durch den 3D-Druck dem Lagerist Entlastung verschafft wird, dann dürfen sich Produktionsleiter, Dienstleister und Finanzchef freuen.

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