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Logistik-Software An Schnittstellen wird der Faktor Mensch unterschätzt

| Autor / Redakteur: Benedikt Kleine Stegemann / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

In vielen Logistikprojekten wird die Schaffung von Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Systemen als vorrangig betrachtet. Es fehlt jedoch meist an konkreten fachlichen Vorgaben, sodass die Schnittstellen stark technisch getrieben und unnötig komplex sind. Fehler in der menschlichen Kommunikation werden zwar als Problem erkannt, in der Regel aber nicht zufriedenstellend gelöst.

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Innerhalb der EU muss der Versender der Ware diese bei den Behörden per EMCS-Verfahren anmelden, der Empfänger quittiert den Erhalt der Ware im gleichen Verfahren. Bild: HHLA
Innerhalb der EU muss der Versender der Ware diese bei den Behörden per EMCS-Verfahren anmelden, der Empfänger quittiert den Erhalt der Ware im gleichen Verfahren. Bild: HHLA
( Archiv: Vogel Business Media )

Schnittstellen in Logistikprojekten können meist nicht auf der grünen Wiese entwickelt werden, sondern sind von Branchenstandards wie Edifact, Ansi ASC X12 oder durch Direktiven von Behörden wie dem Zoll (Atlas, EMCS) getrieben. Dem SAP-Standard fehlt es gerade hier an fertigen Lösungen.

Behörden geben Schnittstellen oft vor

Im EMCS-Verfahren werden verbrauchssteuerpflichtige Waren innerhalb der Europäischen Union zur Beförderung bei den Behörden angemeldet. Sowohl der Empfänger als auch der Absender der Waren sind verpflichtet, dieses Verfahren zu nutzen. Der Versender muss den Warenversand bei den Behörden anmelden, der Empfänger quittiert den Erhalt der Waren. Dadurch wird sichergestellt, dass alle verbrauchssteuerpflichtigen Güter ausschließlich unter behördlich kontrollierten Bedingungen befördert werden.

Ferner hat das Verfahren weitere Auswirkungen auf den Lieferprozess. So darf der Warenversender den physischen Versand erst dann durchführen, wenn dieser durch das EMCS-Verfahren von den Behörden bestätigt wurde.

Beförderung wird überwacht

Der Empfänger muss beim Eingang verbrauchssteuerpflichtiger Waren sicherstellen, dass diese sowohl lagerseitig als auch im EMCS-Verfahren korrekt gebucht werden. Zur Überwachung der Beförderung gibt es im Verfahren eine Reihe von Alarmmeldungen, etwa wenn die vom Versender angemeldete Versanddauer überschritten wird.

Um das SAP-System (SD, MM) an ein EMCS-Verfahren anzubinden, müssen die Nachrichten des EMCS in die bestehende SAP-Software aufgenommen werden. So dürfen Warenausgänge beim Lieferanten erst dann gebucht werden, wenn diese zum Versand im EMCS angemeldet und bestätigt sind.

Erweiterungsmöglichkeiten im SAP-Standard prüfen

Hierzu müsste im SAP-Standard geprüft werden, ob entsprechende Erweiterungsmöglichkeiten gegeben sind (Exit, Badi, BTE). Diese ermöglichen es, den Prozess bei der Buchung des Warenausganges zu blockieren, wenn hierfür keine EMCS-Bestätigung vorliegt.

Ähnliche Problemstellungen sind im System des Warenempfängers zu lösen, hier jedoch bei der Buchung des Wareneingangs. Zu prüfen ist, ob für alle Waren EMCS-Meldungen vorliegen. Diese sind bei der Buchung des Wareneingangs zu quittieren, um den EMCS-Prozess abzuschließen.

Schnittstellen erfolgreicher umsetzen

Um Schnittstellen im Zusammenhang mit dem SAP-Standard zu implementieren, gibt es eine Reihe von Punkten, die zu beachten sind. Die folgende Vorgehensweise soll Möglichkeiten aufzeigen, wie Schnittstellen erfolgreich umgesetzt werden können. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Einhaltung von Standards, dem Erteilen vernünftiger Fachvorgaben sowie der Kommunikation.

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