Flurförderzeuge Anbaugeräte machen Flurförderzeuge zu fahrbaren Arbeitsmaschinen

Autor / Redakteur: Robert Ruthenberg / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die Vorteile von Flurförderzeugen wie mobiler Einsatz in allen Betriebsbereichen, große Beweglichkeit und Wendigkeit, flexible und vielseitige Nutzung bei hoher Wirtschaftlichkeit lassen sich durch geeignete Anbaugeräte noch steigern, denn mit diesen erhält der Kunde fahrbare Arbeitsmaschinen.

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Der weltweit führende Papierhersteller Stora Enso arbeitet mit Doppel-Turmklammern und AFC-System von Cascade, um Rollenbeschädigungen zu vermeiden. Bild: Zeppelin
Der weltweit führende Papierhersteller Stora Enso arbeitet mit Doppel-Turmklammern und AFC-System von Cascade, um Rollenbeschädigungen zu vermeiden. Bild: Zeppelin
( Archiv: Vogel Business Media )

Wenn Güterumschlag über das simple Bewegen und Lagern von Gütern und Materialien hinaus gehen soll, kommen Anbaugeräte zum Einsatz. Denn mit effizienteren Güterumschlagsystemen lassen sich Fertigungszyklen wesentlich verkürzen, Produktionskosten senken, Lagerkapazitäten verringern, Produktbeschädigungen reduzieren und eine bessere Raumnutzung erzielen.

So vielfältig die Einsatzgebiete, so umfangreich sind die Anbaugerätetypen. Gängige Anbaugeräte sind Mehrpalettengabeln, Seitenschieber und Zinkenversteller sowie Papierrollen- und Fassklammern. Doch es gibt auch extreme Spezialitäten wie Kartoffelschaufeln, Paloxenkippgeräte, Staplerbesen, Steinklammern oder Silostreubehälter. Arbeitsbühnen, Fass-/Weinfasshandlinggeräte, Spänedrehbehälter, Schneeräumgeräte oder Teppichdorne gehören fast schon zur Standardlösung der zahlreichen Anbieter von Anbaugeräten.

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Zinkenverstellgeräte häufigstes Anbaugerät

Zinkenverstellgeräte stellen mit rund 25% die häufigste Anbaulösung dar. Mit ihnen lassen sich die Gabelzinken schnell verstellen, um in die verschiedensten Einfahröffnungen zu gelangen, ohne dass der Fahrer von seinem Gabelstapler absteigen muss. Dies spart erheblich Zeit und reduziert Produkt- sowie Palettenschäden. Die Zinkenverstellgeräte mit feststehendem Rahmen verschieben die Gabeln im Bereich der Rahmenbreite. Zinkenverstellgeräte mit Seitenschub werden für den Transport von Lasten verwendet, die über die Staplerbreite herausragen.

Als weltweit führender Hersteller von Stapleranbaugeräten, Gabeln und Zubehör bietet die Cascade GmbH, Schalksmühle, die deutsche Tochter der amerikanischen Cascade Corporation, Portland, Oregon/USA, verschiedene Neuentwicklungen im Bereich der Zinkenverstellgeräte an. So ermöglichen die Zinkenverstellungen der G-Serie (55G/100G) dem Fahrer ein genaueres und sicheres Positionieren der Gabeln einschließlich Seitenschub. Dadurch wird die Gefahr von Verletzungen sowie Beschädigungen der Produkte und Paletten weitgehendst reduziert.

Konzipiert als kompakte Einheit mit optimaler Durchsicht und hervorragenden technischen Daten, sorgt dieses Gerät für eine Verbesserung der Produktivität. Die Tragkraft beträgt bis zu 5 t pro 500 mm.

Zinkenverstellung per Funk macht Zuleitungen verzichtbar

Die Gabelaufnahmen sind für Zinkenbreiten von 80 bis 130 mm geeignet. Standard-ISO-Staplergabeln können verwendet werden. Der separate Seitenschub mit einem Hub von ± 100 mm erfolgt unabhängig von der Gabelstellung. Der kompakt angeordnete Zylinder ist durch einen besonderen Schutz gegen Beschädigungen gefeit. Ein geschraubtes Lastschutzgitter mit 1200 und 1500 mm Höhe ist ebenso lieferbar wie spezielle Rahmenbreiten und Öffnungsbereiche oder ein Schnellwechselhakensatz. Es gibt die Modelle 55G/100G auch ohne Seitenschub.

Die Hydraulikschläuche oder elektrischen Zuleitungen zur Steuerung der Zinkenverstellgeräte stören häufig. Aus diesem Grund hat Cascade für sein Modell 55K eine kostengünstige Fernsteuerung entwickelt. Diese lässt sich schnell und einfach installieren und ermöglicht eine Verstellung per Funk. Die Fernsteuerung zeichnet sich durch eine lange Akkulebensdauer für Mehrschichtbetrieb aus und lässt sich dann mittels des mitgelieferten Ladegeräts recht flott wieder aufladen. Selbstverständlich werden die CE-Vorschriften erfüllt.

Die neuen Papierrollenklammern der Baureihe 38F sind vor allem für Zeitungsverlage, Druckereien und Lagerhäuser geeignet, die kleinere Papierrollen zu bewegen haben. Die Rollendurchmesser dürfen im Bereich zwischen 635 und 1300 mm liegen, das maximale Rollengewicht liegt bei 1800 kg. Die Papierrollenklammer 38F gibt es auch in der Ausführung für Aufnahmen von bis zu zwei Rollen.

Die Baureihe 38F verfügt über alle technischen Merkmale der größeren Baureihen wie die automatische Klammerkraftregelung AFC, das Lastdämpfungssystem (Load Cushion) oder den Klammeröffnungsschutz (Clamp Open Guard). Selbstverständlich liefert der Hersteller auch die unterschiedlichsten Papierrollenklammern.

Seit 1953 produziert die Hans H. Meyer GmbH, Salzgitter, Anbaugeräte für Gabelstapler. In dieser Zeit gelangten zahlreiche Innovationen auf den Markt wie die Doppelpalettenklammern, die 6/4-Jumbo-Palettengabeln oder der 3D-Lagesensor zum sanften und lotrechten Abstellen von Papierrollen.

Getränkeindustrie greift gern auf Palettengabeln zurück

Vor allem die Getränkeindustrie nutzt die Palettengabeln für den Transport von zwei oder vier Paletten im Hochleistungseinsatz. So sind allein bei der Bitburger Brauerei die 4/2-Palettengabeln an 28 Gabelstaplern mit 8 t Tragkraft im Einsatz. Außer der Beladung von täglich bis zu 250 Lastzügen müssen die Kästen und Fässer von den Abfüllanlagen in die Lagerhallen transportiert werden.

Jürgen Kalle von der Brauereilogistik in Bitburg beschreibt die Anforderungen wie folgt: „Wir laden auf unsere Paletten fünf Lagen Kästen. Somit wiegt eine beladene Palette mit 0,33-l-Flaschen rund 740 kg. Bei den Keg-Fässern erreichen die Ladungsträger ein Gewicht von rund 800 kg. Wir arbeiten mit den 4/2-Palettengabeln von Meyer sehr effizient, weil wir die Lastzüge nur von einer Seite beladen müssen. Wegen der unterschiedlichen Ausstattungen der Lkw haben wir die Anbaugeräte nach Rücksprache mit dem Staplerhersteller mit einem besonders großen Seitenschub versehen lassen. Bis zu vier Paletten werden übereinander gestapelt, das bedeutet ein Absetzen der Ladungsträger in 4,8 m Höhe. Auch in dieser Betriebssituation gestatten die Anbaugeräte eine gute Durchsicht.“

Besonders die langen Wartungsintervalle freuen den Logistiker: „Wegen der guten Haltbarkeit überdauern die Anbaugeräte meist den gesamten Einsatzzyklus der Stapler, die nach etwa 18 000 Betriebsstunden gegen neue ausgetauscht werden.“

Karton- und Großflächenklammer reduziert Schäden

Bolzoni Auramo, Korschenbroich, verringert Last- und Verpackungsbeschädigungen beim Umschlag von weißer Ware mittels der sogenannten intelligenten Karton- und Großflächenklammer ETX-G3S. Wie alle Modelle dieser Baureihe verfügt auch diese über starke Doppel-T-Profile, Aluminium-Kontaktplatten mit liierter Gummierung sowie über zwei pendelnde Kontaktplatten. Diese sind mit Sensoren bestückt, welche in Kombination mit der neuesten Mikroprozessor-Technologie die Klammerfunktionen überwachen. Damit soll eine sichere und beschädigungsfreie Handhabung von weißer Ware und Kartonverpackungen selbst bei hohen Umschlagsleistungen möglich sein.

Das mechanisch arbeitende Fasskippgerät 2000-36 in Leichtbauweise der Honisch GmbH, Düsseldorf, eignet sich zum Anbau an den Gabelträger und lässt sich nach vorne/hinten drehen. Das stehende 200-l-Fass wird von oben gegriffen, sicher fixiert und in die liegende Position gedreht, um dann in der gewünschten Position beziehungsweise Höhe im Regal abgelegt zu werden. Es eignet sich auch zur Regalbeschickung von Fässern mit aufgeschraubten Ablasshähnen. Eine explosionsgeschützte Variante ist ebenfalls erhältlich.

Ein wahres Mammut-Anbaugerät hat die Firma Kaup GmbH & Co. KG, Aschaffenburg, an die Seidenstraße nach Usbekistan geliefert. Dort arbeiten in einer Mine riesige Muldenkipper, deren Reifen stark verschleißen, weshalb die acht Rädersätze pro Fahrzeug regelmäßig getauscht werden müssen. Um das bewältigen zu können, orderte der Lkw-Hersteller Volvo in Aschaffenburg das „Anbaugerät“ mit seinen riesigen Abmessungen. Das Nettogewicht, also unbeladen, liegt bei 8,4 t. Allein die beiden 2,4 m langen Transportgabeln wiegen zusammen 1,7 t. Vom ersten Entwurf bis zur Fertigstellung dieser Sonderlösung vergingen nur zwölf Wochen.MM

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