Kommissioniertechnik Anlagenbetreiber profitieren von ergonomischen Arbeitsplätzen

Autor / Redakteur: Gerald Scheffels / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Moderne Kommissionierarbeitsplätze zeichnen sich durch ergonomische Gestaltung aus und lassen sich an die Anforderungen der Bediener anpassen. Davon profitieren nicht nur das Personal, sondern auch die Anlagenbetreiber – mit höheren Leistungen, weniger Fehlern und gesunder Arbeitshaltung.

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Alles im Griff – einschließlich der Packmittel: So sieht ein ergonomischer Kommissionierarbeitsplatz aus.
Alles im Griff – einschließlich der Packmittel: So sieht ein ergonomischer Kommissionierarbeitsplatz aus.
(Bild: F&K)

Der Begriff Ergonomie setzt sich aus den griechischen Wörtern für Arbeit (ergon) und Regel oder Gesetz (nomos) zusammen. Ergonomie gibt somit der menschlichen Arbeit das Maß vor – und dieses Maß ist, wie sollte es anders sein, der Mensch. Und da die Menschen unterschiedlich groß und kräftig sind, müssen die Arbeitsplätze, an denen verpackt und kommissioniert wird, so weit flexibel sein, dass sie sich an das individuelle menschliche Maß sowie an die Abmessungen der jeweiligen Produkte und Verpackungsgrößen anpassen lassen.

Einseitige Belastungen vermeiden

Das ist, ganz kurz gefasst, der Grundsatz, nach dem die Förster & Krause GmbH bei der Gestaltung von Kommissionierarbeitsplätzen vorgeht. Das Ergebnis sind individuell entwickelte Arbeitsplätze, bei denen alle Packmittel griffgünstig erreicht werden. Ziel dabei ist es immer, einseitige Belastungen des Bedieners sowie ungesunde Körperhaltungen, wie zum Beispiel das Greifen in Überkopfhöhe oder das Bücken unter Last, zu vermeiden.

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Dass solche maßgeschneiderten Lösungen etwas höhere Investitionen erfordern als ein Kommissoniertisch „von der Stange“, lässt sich nicht bestreiten. Aber die mehr als zwanzigjährige Erfahrung von Förster & Krause zeigt, dass sich diese zusätzlichen Kosten, die im Vergleich zur gesamten Kommissionieranlage überschaubar sind, über höhere Pick-Leistungen, niedrige Fehlerquoten und einen geringeren Krankenstand „rechnen“.

Auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter wird durch ergonomische Arbeitsplätze gefördert. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn per Definition meint Ergonomie nicht nur gesundheitsgerechte Sitzhaltungen und Bewegungsabläufe. Vielmehr bezieht sie auch das Wohlbefinden am Arbeitsplatz mit ein.

Wie man die Anforderungen an ergonomische Kommissionierplätze in die Praxis umsetzen kann, zeigen die folgenden Beispiele. Alle vier wurden in den vergangenen Monaten von Förster & Krause realisiert.

Alles in Griffweite

Die Medice Pütter Arzneimittel GmbH & Co. KG, ein mittelständischer Hersteller bekannter Markenprodukte wie Meditonsin, Dorithricin und Soventol, nutzt in ihrer neuen Anlage drei Kommisionierpackplätze, bei denen alle Verpackungsgrößen sowie das Raffpapier griffgünstig und in Reichweite auf einer individuell konstruierten Ablagefläche bereitgehalten werden.

Sobald der Mitarbeiter einen Auftrag abgearbeitet hat, fordert er per Drucktaster den nächsten Karton an, der dann von der Fördertechnik auf den Packtisch gefördert wird. Die Kommisionierarbeitsplätze entlasten die Mitarbeiter nicht nur körperlich. Sie ermöglichen es ihnen auch, ihr Arbeitstempo selbst zu bestimmen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Der Bildschirm, der die zu verpackenden Artikel des Auftrags anzeigt, ist an einem Schwenkarm angebracht, den das Personal individuell positionieren kann: ein Detail, das ebenfalls zur Zufriedenheit der Mitarbeiter und zu einer gesunden Körperhaltung bei der Arbeit beiträgt. Die Arbeitsflächen des Tisches sind mit Kugelrollen ausgestattet, um eine Handhabung der Kartons mit geringstem Kraftaufwand zu gewährleisen.

Tischhöhe automatisch anpassen

Die Hartmann-Gruppe ist einer der führenden europäischen Anbieter von Medizin- und Hygieneprodukten mit den Kompetenzschwerpunkten Wundbehandlung, Inkontinenzversorgung und Infektionsprophylaxe. Darüber hinaus bietet das Unternehmen innovative Systemlösungen für professionelle Zielgruppen im Medizin- und Pflegebereich.

Da sowohl die Produkte als auch die Bestellmengen sehr unterschiedlich sind, lagert das Unternehmen die Waren in Kartons von verschiedener Größe. Der von Förster & Krause für das Hartmann-Logistikzentrum in Brück entwickelte Arbeitsplatz zeigt, dass auch unter dieser Voraussetzung ein gesundheitsverträgliches, ergonomisches Kommissionieren möglich ist.

Hartmann hatte im Vorfeld gemeinsam mit dem niederländischen Forschungsunternehmen TNO (Delft/Amsterdam) Anforderungen an die Anordnung und Ausführung des Kommissionierarbeitsplatzes definiert. Diese Anforderungen hat Förster & Krause umgesetzt und die entsprechenden Arbeitsplätze in den automatisierten Materialfluss der Kommissionierung integriert.

Die AKL-Behälter mit den Kartons, aus denen kommissioniert wird, werden am Arbeitsplatz von der automatisierten Förderstrecke auf eine Hubstation gefördert (im Bild 2 rechts). Deren Höhe wird jeweils selbsttätig so verstellt, dass sich die Oberkante des Kartons immer auf gleicher Höhe mit dem Bediener befindet. Die vorbereiteten Leerkartons werden auf eine kippbare Station gefördert, der Karton neigt sich also automatisch zum Bediener hin (Bildmitte).

Im Anschluss an die Inbetriebnahme hat Hartmann die Bewegungsabläufe der Bediener im Hinblick auf die Ergonomie überprüfen lassen. Dabei zeigte sich, dass besonders die Höhenanpassung der Kommissionierquelle an eine einheitliche Oberkante die Ergonomie des Arbeitsplatzes deutlich verbessert. Das Personal erzielt nachweislich eine hohe Pick-Leistung, ohne Skelett und Muskulatur über Gebühr zu strapazieren. Sowohl die zu kommissionierende Ware als auch die Ablagefläche im Karton befinden sich immer in ergonomischer, für den Bediener gut zu erreichender Position.

Leistung ergonomisch erbringen

Es ist sicherlich kein Zufall, dass diese beiden Beispiele aus dem Gesundheitswesen stammen: Hier kennen die Arbeitgeber sehr genau die Zusammenhänge von Ergonomie und Gesundheit am Arbeitsplatz. Aber auch Unternehmen aus anderen Branchen achten verstärkt darauf, die Grundsätze der Ergonomie vor allem bei wiederkehrenden Arbeitsabläufen zu beachten und die Mitarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes zu entlasten.

So hat Förster & Krause im Distributionszentrum der Remmers AG und ihrer Logistik-Tochtergesellschaft LLG zwölf Kommissionierarbeitsplätze eingerichtet, an denen die einzelnen Sendungen konsolidiert und verpackt werden. Die Komissionierer können die Unterstützung einer Vakuumhebeeinrichtung nutzen, wenn schwerere Gebinde an Farben zu verpacken sind. Auf diese Weise werden die Inhalte von bis zu 500 Behältern ergonomisch kommissioniert und Remmers kann das Versprechen der deutschlandweiten Belieferung innerhalb von 24 Stunden einlösen.

Beim Heben Drehung vermeiden

Die Ed. Wüsthof Dreizackwerk KG, ein Hersteller von Schneidwaren aus Solingen, beauftragte Förster & Krause mit der Optimierung des innerbetrieblichen Materialflusses an einer Reinigungs- und Prüfstation für hochwertige Küchenmesser. Zu den Vorgaben gehörte es, dass die Werker keine Körperdrehung ausführen sollen, wenn sie die mit Messerklingen gefüllten Behälter heben. Daher wurde an der Reinigungstation ein Säulenschwenkkran mit Vakuumhebeeinrichtung installiert, mit deren Hilfe der Bediener die Behälter ohne großen Kraftaufwand palettiert.

Am Arbeitsplatz der Prüfstation kann der Werker die bis zu 40 kg schweren Trägergestelle mit Rohklingen per Drucktaster von der Fördertechnik auf dem Prüfplatz positionieren. Er entnimmt die Klingen einzeln, prüft sie bei guter Beleuchtung vor schwarzem Hintergrund und legt sie in einen bereitstehenden Behälter auf Rollenleisten. Ist der Behälter voll, schiebt er ihn wiederum ohne körperliche Belastung nach hinten auf eine Förderbahn ab. Am Ende der Förderbahn erfolgt die Palettierung mit einer Hebeeinrichtung.

Nicht vergessen: Lärm nervt

Dieses Beispiel zeigt, dass die Grundsätze der Ergonomie nicht auf die Kommissionierung beschränkt bleiben sollten. Überall wo Lasten bewegt und Wiederholtätigkeiten geleistet werden, müssen einseitige Belastungen und störende Beeinflussungen vermieden werden.

Ein Aspekt, der bei der Arbeitsplatzgestaltung in der innerbetrieblichen Logistik oft zu wenig bedacht wird, ist der Geräuschpegel. Unter diesem Blickwinkel bietet der Einsatz von 24-V-Antrieben in fördertechnischen Anlagen Vorteile, denn diese Antriebe arbeiten deutlich leiser. Wenn Förster & Krause bei Modernisierungs- oder Erweiterungsprojekten 400-V-Motoren durch 24-V-Antriebe ersetzt, gibt es beim Personal fast immer positive Resonanz wegen der leiseren Anlagen, die zudem sehr energieeffizient arbeiten und sich sehr gut in dezentrale Antriebs- und Steuerungskonzepte einbinden lassen.

Viele Unternehmen haben erkannt, wie wichtig die Ergonomie bei der Gestaltung von Kommissionierarbeitsplätzen und von anderen Arbeitsplätzen im innerbetrieblichen Materialfluss ist. Das Thema wird durch den demografischen Wandel, das heißt angesichts einer Belegschaft mit immer höherem Durchschnittsalter, noch dringlicher. Aber auch junge Mitarbeiter – und ihre Arbeitgeber – profitieren selbstverständlich davon, dass sie an einem ergonomisch optimal gestalteten Arbeitsplatz kommissionieren können. MM

* Gerald Scheffels ist Inhaber des Pressebüro Scheffels in 42119 Wuppertal. Weitere Informationen: Förster & Krause GmbH, 42853 Remscheid, Tel. (0 21 91) 4 92 08-0, f-k@foerster-krause.de

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