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24.10.2019

DIE SCHIFFE KOMMEN AN SAUBERES WASSER

Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (engl. International Maritime organization (IMO)) das Programm zur Verringerung der negativen Auswirkungen der Schifffahrt auf die Umwelt. Am 1. Januar 2020 tritt die IMO-Entsch

Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (engl. International Maritime organization (IMO)) das Programm zur Verringerung der negativen Auswirkungen der Schifffahrt auf die Umwelt. Am 1. Januar 2020 tritt die IMO-Entscheidung zur Reduzierung des maximal zulässigen Schwefelgehalts im Kraftstoff in Kraft. Was dies für die Schifffahrtsbranche und den Seefrachtmarkt bedeutet, erfahren wir vom Leiter der Abteilung Seegüterverkehr im Baltikum und in Belarus, AsstrA Mikolas Tokarenko.

- Mikolas, was erwartet die Reeder Anfang 2020?

Im April 2018 beschlossen 100 Mitgliedsländer der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation in London am Hauptsitz der Organisation, den maximal zulässigen Schwefelgehalt von Treibstoff für Seeschiffe von 3,5% auf 0,5% zu senken. Diese Entscheidung wurde im Kontext der sich verschärfenden Umweltsituation in der Welt getroffen. Der gesamte Verkehrssektor und insbesondere die Schiffe beeinträchtigen die Umwelt aufgrund der großen Menge an Schadstoffen wie Schwefel und Kohlendioxid, die in die Erdatmosphäre gelangen. Die Reedereien müssen eine Lösung finden, um die neuen IMO-Anforderungen zu erfüllen.

- Welche Möglichkeiten haben Reeder?

Die erste besteht darin, die Gefäße durch die Ausstattung mit speziellen Filtern - sogenannten Scrubbern - Abgasnachbehandlungsanlagen - zu verbessern. In diesem Fall kann hochschwefelhaltiges Öl weiterhin als Kraftstoff verwenden. Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt werden durch die Reinigung der Abgase verringert.

Die zweite Möglichkeit ist die Umstellung auf schwefelarmen Kraftstoff. Zum Beispiel Flüssigerdgas. In Europa verwenden Schiffe bereits solchen Kraftstoff. Bei Verwendung von Flüssigerdgas sind keine zusätzlichen Aufbereitungsanlagen erforderlich. Es ist jedoch notwendig, eine Infrastruktur für die Betankung zu schaffen. Für die Seefahrt ist dies eine neue Technologie und immer noch teuer.

- Wird der Seegüterverkehrsmarkt im Baltikum die technische Umrüstung von Schiffen spüren?

Das Wassergebiet der Ostsee wird aktiv für die Navigation genutzt. Die IMO verfolgt die Umweltsituation in der Region aufmerksam. Die Ostsee befindet sich seit 2015 in der Kontrollzone für Schwefelemissionen SECA (Sox Emission Control Areas). Die Reduzierung des Schwefelgehalts im Kraftstoff wirkt sich positiv auf die Umwelt aus.

Laut der Studie der schwedischen Bank „SEB“ werden bis 2020 weniger als 2.000 Schiffe der gesamten Handelsflotte, die 60.000 Einheiten umfasst, mit Scrubber-Systemen ausgestattet sein. Die Installation von Scrubbern ist eine erhebliche finanzielle Investition in den technischen Teil und die Zeitkosten für die Umrüstung. Wenn einige Reeder diesen Weg gehen, entsteht für einen bestimmten Zeitraum ein Mangel an Transportmitteln. Schiffe werden auf Werften umgerüstet und werden keine regelmäßigen Fahrten machen. Angesichts der Produktionskapazitäten bestehender Hersteller von Scrubbern wird es in den kommenden Jahren zu einem Mangel an fertigen Reinigungsanlagen kommen. Dies wird zu höheren Preisen für schwefelarmen Kraftstoff und aufgrund höherer Kosten für den Betrieb von Schiffen zu einer Erhöhung der Transportkosten führen.

Der Prozess der Reduzierung der Schwefelemissionen ist nicht der einzige Faktor für die Erhöhung der Preise. Der Brexit, der Handelskrieg zwischen den USA und China, die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in wichtigen EU-Ländern wie Deutschland wirken sich auch auf die gesamtwirtschaftliche Situation und damit auf die Transportkosten aus. Die AsstrA-Associated Traffic AG bleibt auf dem Laufenden und reagiert aufmerksam auf Veränderungen in der globalen geopolitischen Arena.