Suchen

Lagerlifte Auf und ab im Lager

Was „Wolkenkratzer“ für die Megacitys dieser Welt bedeuten, ahmen Lagerlifte und Umlauflager im Kleinen in der Intralogistik nach: auf nur wenigen Quadratmetern vergleichsweise viel und vor allem kostengünstigen Platz zu schaffen. In Zeiten von Just-in-time- und Just-in-sequence-Belieferungen kommt auch der schnellen Warenverfügbarkeit eine wichtige Rolle zu. Und natürlich spielt die Digitalisierung in Logistik und Industrie den Lagerliftherstellern zunehmend in die Hände. Hervorragende Aussichten also für die Branche.

Firmen zum Thema

Der Lean-Lift von Hänel ist ein hochwertiges Hichtech-System der Lagerorganisation und Materialbereitstellung, das Zeit, Lagerraum und Kosten einspart.
Der Lean-Lift von Hänel ist ein hochwertiges Hichtech-System der Lagerorganisation und Materialbereitstellung, das Zeit, Lagerraum und Kosten einspart.
(Bild: Hänel)

Durch die knapper werdenden Ressourcen, aber auch wegen der anhaltenden Covid-19-Krise werden sich viele die Frage stellen müssen, ob die betriebswirtschaftlich bedingte starke Verknappung der Lagerhaltung die richtige Strategie war und ist. Die Regler für KPI, wie etwa der optimale Ersatzzeitpunkt, der stark mit dem optimalen Bestellzeitpunkt für Lagerware korreliert, werden nach oben geschoben werden müssen. „Wir gehen davon aus, dass hier ein Umdenken stattfinden wird: Produktionsrelevante Lagerteile werden wieder vermehrt in der Nähe der Produktionsstätten gelagert werden, um einen Fortbestand der Lieferketten zu gewährleisten. Hier bieten unsere Systeme ihren großen Vorteil – viel Lagerplatz auf wenig Grundfläche“, sagt Toni Knöchel, Vertriebsleiter Nord bei Kardex Remstar.

Hänel-Marketingleiter Andreas Krause legt nach: „Eine gute Nachfrage für unsere Lagerlösungen machen wir insbesondere an zwei Gründen aus: Optimierung innerbetrieblicher Prozesse und zunehmende Digitalisierung von Geschäftsbereichen.“ Im Zuge der Prozessoptimierung würden sich Unternehmen verstärkt mit Logistik beschäftigen, für die logistische Prozesse bisher nur „Mittel zum Zweck“ oder eine „Begleiterscheinung“ waren. Krause: „Sprechen wir über die Lagerung von Ersatzteilen und Werkzeugen, beispielsweise in einem Autohaus, so hat in der Vergangenheit die Durchführung eines Service-Einsatzes wertvolle Zeit benötigt. Mit modernen Liftlösungen und einer Bestandsverwaltung, die in die ERP-Umgebung voll integriert ist, ist sofort ersichtlich, ob das bestellte Bauteil verfügbar ist und an welchem Platz sich das nötige Werkzeug befindet.“ Die steigende Digitalisierung treffe zwar nicht nur auf Produktionsthemen zu, aber erst eine digitalisierte Supply Chain und Logistik 4.0 ermögliche eine Produktion 4.0, so der Hänel-Marketingchef.

90 % Stellfläche lassen sich einsparen

Uta Heuschkel, Geschäftsführerin bei Schmidt AUMA, blickt positiv in die Zukunft. „Wenn es nach der Coronakrise wieder richtig weitergeht, werden die Unternehmen wie auch Bund und Länder ihr Beschaffungsmanagement komplett überprüfen.“ Die Produktion und Lagerung von Schutzausrüstung, medizinischem Gerät und vielem mehr werde hier in Deutschland und den Nachbarländern ausgebaut werden. Diese Produkte müssten platzsparend, schonend und kurzfristig verfügbar aufbewahrt werden. „Dazu sind alle automatischen Lösungen, wie zum Beispiel Lagerlifte und Umlaufregale mit einer Softwareanbindung, das geeignete Mittel. Industrie 4.0 wird einen weiteren Schub erhalten“, ist Heuschkel sicher.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 7 Bildern

Nach der Konjunktur für seine Lösungen anhand überall anziehender Bodenpreise befragt, wird Modula-Geschäftsführer Helmut Jaser schnell konkret und spricht von 90 % Stellfläche, die beim Einsatz von vertikalen Lagern eingespart werden könnten. „In der Praxis können bei entsprechend verfügbarer Lagerhöhe auf 14 m2 Stellfläche Materialien gelagert werden, die in traditionellen Lagern mehr als 840 m2 Fläche belegen würden.“ Auf diese Weise sei es nicht mehr notwendig, neues Land oder neue Hallen zu kaufen, sondern alles sei auf kleinem Raum konzentriert.

Roboterhandling zunehmend gefragt

Nach den Herausforderungen befragt, denen sich Uta Heuschkel von Schmidt AUMA kundenseitig gegenübersieht und worauf diese am meisten Wert legen, kommt sofort: „Auf eine einfache, sichere und möglichst intuitive Bedienung.“ Ihren Kunden seien gründliche Vorbesprechungen unter Einbeziehung der Fachbereichsverantwortlichen und auch der Mitarbeiter wichtig, die später daran arbeiten würden. Dazu komme jetzt auch immer mehr ein Handling mit Robotern, um Personalengpässen zu begegnen, und auch Referenzbesuche seien häufig gewünscht.

Helmut Jaser spricht – neben den üblichen Commodities wie Platz- und Kostenersparnis der Anlagen – einen für ihn sehr wichtigen Punkt an: „Ein weiterer entscheidender Faktor sind die besseren Arbeitsbedingungen der Bediener, keine körperliche Ermüdung mehr, keine Treppen, Zwischenbühnen, Regale, keine körperlichen Anstrengungen mehr. Die Waren werden vom Gerät in die ergonomische Bedienhöhe in der Entnahme gebracht, ohne weitere Anstrengungen für die Bediener oder Verletzungsgefahr durch andauernde Anstrengungen.“

Toni Knöchel von Kardex Remstar nennt ein ganzes Bündel von Herausforderungen, denen sein Unternehmen auf Kundenseite begegnet: die maximale Nutzung der vorhandenen Raumhöhe, eine Reduzierung der Zugriffszeiten, Fehlerminimierung, Einbindung in interne Warenwirtschaftssysteme und die modulare Erweiterbarkeit und Verkettung bei überschaubaren Gesamtinvestitionen – der Return on Investment (ROI), die sprichwörtliche Anlagenrentabilität, sollte unter zwei bis drei Jahren liegen.

Andreas Krause von Hänel sieht weniger pauschale Herausforderungen, vielmehr habe jede Kundensituation ihre eigenen. „Was man aber sagen kann, ist das allgemeine Kundenbedürfnis, eine individuelle Lösung als Gesamtwerk zu erhalten. Diese beinhaltet neben der Planung auch die Berücksichtigung von Materialfluss, Anbindung der Lagersituation an die kundeneigenen Prozesse und IT-Landschaft inklusive Schnittstellen zu vorhandenen ERP- und WM-Systemen.“ Diese Anforderungen seien in den letzten Jahren spürbar gewachsen. „Unterm Strich heißt dies: Weg vom Produkt, hin zur integrierten Lösung. Wir als Hersteller haben uns dabei vom Produkt- zum Lösungsanbieter entwickelt.“

Es gibt nichts, was es nicht gibt!

In einem Normaljahr gibt Krause bei der Frage nach seinen wichtigsten Branchen die Bereiche Automotive, Maschinenbau, Elektrotechnik und deren Zulieferer an. „Das Besondere an unseren Produkten ist aber gerade die Pluralität der Abnehmerbranchen und die Vielfalt an Applikationen.“ Diese würden von Rückstellmustern in der Lebensmittelherstellung über Sonderwerkzeuge im Formenbau bis hin zur gesicherten Lagerung sehr exklusiver Whiskeyflaschen reichen. „Gerichte lagern Akten oder Beweismittel, in Hangars werden relevante Flugzeug-Bauteile gelagert und bei Feuerwehren werden etwa die Löschpläne einer Kommune oder die persönliche Schutzausrüstung (PSA) in unseren Liften gelagert. Hier gibt es einfach nichts, was es nicht gibt!“

Neugeschäft ist die Regel

Geht es bei den Aufträgen für Lager- und Umlauflifte eigentlich nur ums Neugeschäft oder spielt auch das in der Intralogistik zunehmend wichtiger werdende Retrofitting eine Rolle? „Es geht in der Regel um ein Neugeschäft“, sagt Uta Heuschkel, „zur besseren Ausnutzung der Lagergrundfläche und, ganz wichtig, um die Reduzierung von Wartezeiten für Mitarbeiter.“ Schmidt AUMA bietet Wartung und Prüfung für seine eigenen dynamischen Lagersysteme, wie zum Beispiel Paternoster, an. „Aber wir übernehmen auch das Retrofit für Geräte anderer Hersteller.“

Auch Modula werde in vielen Branchen eingesetzt. „Wir haben weltweit über 15.000 Installationen“, sagt Helmut Jasper. Ursprünglich waren seine Lager in der Welt der Mechanik und der Automobilindustrie als Puffer in der Produktion für Ersatzteile und Komponenten weit verbreitet. „Dann erkannten die Luftfahrtwelt und die Giganten der Pharma- und Lebensmittelindustrie ihr Potenzial, genauso wie die Unternehmen der Elektronik, des Einzelhandels, von Verteilzentren, Sanitär, Öl & Gas und jeder verarbeitenden Industrie.“ In den letzten Jahren habe sich Modula auch in der Welt des E-Commerce, des Vertriebs und in 3PL stark entwickelt. „Mit der Einführung des Modula-Slim-Modells haben sich sogar kleine Geschäfte, Apotheken und Baumärkte dafür entschieden, eines in ihre Verkaufsfläche aufzunehmen, um die Kunden direkt zu bedienen.“

Jasper zur Frage, ob Neugeschäft oder Retrofit: „Normalerweise werden unsere Kunden bei der Auswahl des besten Modula für sie angeleitet. Meist sind sie mit der Technologie so zufrieden, dass sie neue Vertical-Lift-Module-(VLM-)Einheiten kaufen oder zu einem späteren Zeitpunkt Optionen, Zubehör oder andere Technologien integrieren.“

Die Bestandskunden nicht vergessen

Das Neugeschäft bildet auch für Kardex Remstar „einen großen Teil unseres Geschäfts“, so Vertriebsleiter Knöchel. Aber auch Retrofits seien machbar, „wenn sie zu wirtschaftlichen Ergebnissen führen“. Besonders hervorzuheben sei der Remote-Support, wodurch es den Technikern von Kardex Remstar möglich sei, im Servicefall remote auf das Gerät zuzugreifen und hier vorab schon einmal mit der Störungsbehebung zu beginnen, ohne vor Ort zu sein. Sollte die Störung via Remote nicht lösbar sein, so könne direkt das entsprechende Ersatzteil identifiziert und versandt werden.

Und auch für Andreas Krause geht es in der Regel um Neugeschäft. „Und darum, unsere Bestandskunden auf ihrem Weg zu begleiten.“ Von einer einfachen Geräteaufstockung oder Vergrößerung der Lagerkapazität bis hin zum kompletten Umzug der Anlage im laufenden Betrieb steht Hänel seinen Kunden auch im Servicebereich beratend und begleitend zur Seite. Apropos Umzug: Im Grunde genommen sind für Krause alle Kundenlösungen von Hänel Sonderanfertigungen – hier gleiche kein Projekt dem anderen. „Die interessanten Herausforderungen hängen natürlich immer mit der besonderen Kundensituation zusammen. Ein Umzug von 18 Liftern im bestehenden Betrieb, bei Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit unseres Kunden, ist dabei genauso anspruchsvoll, wie die Montage unter Reinraumbedingungen bei einem Pharmahersteller.“

Diesen Beitrag können Sie auch in einem E-Paper aus unserem Heftarchiv nachlesen: MM Logistik Ausgabe 002 2020

(ID:46453354)

Über den Autor