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Fahrzeugautomatisierung Aus der Ferne so nah

| Autor / Redakteur: Bernd Wagner / Jürgen Schreier

Fahrzeuge, die sich per Fernbedienung steuern lassen, gibt es in jedem Spielzeugladen. In dem Teleoperationsleitstand, den die Götting KG bei der Hannover Messe erstmals vorstellt, fühlt sich der Fahrer aber so, als säße er wirklich in der Fahrerkabine – inklusive Motorenlärm und rüttelndem Sitz.

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Die Fotos zeigen diverse von Götting-Technik ferngesteuerte Fahrzeuge auf dem Vorführgelände und den im Text beschriebenen Leitstand.
Die Fotos zeigen diverse von Götting-Technik ferngesteuerte Fahrzeuge auf dem Vorführgelände und den im Text beschriebenen Leitstand.
(Bild: Wagner)

Schwungvoll schießt der tonnenschwere Radlader um die Kurve auf eine Palette zu, bremst sachte herunter und nimmt präzise mit der Gabel seine Ladung auf. Am Steuer: niemand. Zumindest nicht in der Fahrerkabine. Der Fahrzeugführer sitzt jenseits einer Absperrung in einem Leitstand und bedient seine Armaturen so selbstsicher, als wäre er mitten im Geschehen.

Dabei wackelt sein Sitz dank „Force Feedback“ bei jeder Bodenwelle, und als er den Fuß vom Gas nimmt, ebbt das Dröhnen des Motors aus den Lautsprechern ab. „Wir versuchen, die Bedingungen in der Fahrerkabine so genau wie möglich zu simulieren“, erklärt Daniel Knopp, Vertriebsingenieur bei Götting. Das ermögliche eine bessere Steuerung. „Wenn der Fahrer genau spürt, was gerade im Fahrzeug passiert, kann er angemessen reagieren“, führt Knopp aus.

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Leitstand ist mit diesem Empfänger per Netzwerk verbunden

Genaugenommen bekommt er sogar noch mehr mit als in der Kabine, weil sieben Kameras am Fahrzeug unterschiedliche Perspektiven auf den vier Bildschirmen zeigen können. Die Erschütterungen und Geräusche werden von Sensoren und Mikrofonen erfasst und per Funk an einen Empfänger in bis zu 400 m Entfernung versendet. Der Leitstand ist mit diesem Empfänger per Netzwerk verbunden – „wenn die Datenleitung schnell genug ist, könnte er sogar am anderen Ende der Welt stehen“, erklärt Knopp.

Damit will der Mittelständler aus dem niedersächsischen Lehrte nicht etwa die Träume von Computerspielern erfüllen – dafür wäre diese Technik auch viel zu aufwändig. Vielmehr ist die Automatisierungslösung für konkrete Anwendungsfälle etwa in der Bauwirtschaft oder in der Industrie gedacht - „überall, wo man die Mitarbeiter aus der Gefahrenzone bringen will“, meint Knopp. Beispielsweise könnte ein Bagger ohne Risiko für den Menschen in der Nähe einsturzgefährdeter Gebäude arbeiten. Die Einsatzfelder sind nahezu unbegrenzt. „Prinzipiell könnten wir fast jedes Fahrzeug mit dieser Technik ausstatten“, sagt Daniel Knopp.

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