Frischelogistik Automatisiertes Monitoring für Kühlketten-Compliance

Von Margit Sturm

Kühlketten-Compliance ist für Logistiker im Umfeld von Food, Pharma und Chemie eine kontinuierliche Herausforderung. Zu denken ist an operative Vorgänge ebenso wie an Temperatur-Monitoring und Reporting. Wenn Transporteure es richtig angehen, erfüllen sie Vorschriften beim Transport und im Umschlag dennoch mit einfachen Mitteln. Automatisierung lautet das Stichwort – und digitale Systeme bilden die Grundlage.

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Temperatur-Compliance über die gesamte Kühlkette ist mit einfachen Mitteln möglich. Das Stichwort lautet Automatisierung.
Temperatur-Compliance über die gesamte Kühlkette ist mit einfachen Mitteln möglich. Das Stichwort lautet Automatisierung.
(Bild: iStock/mashuk)

In der Kühllogistik ist alles eine Frage der richtigen Temperatur. Doch ist zu klären, wie die Einhaltung von Vorschriften über die gesamte Transportkette gewährleistet wird. Standardisiert sind unterschiedliche Ansätze: So sind es bei Spezialtransporten hochentwickelte Verpackungsmaterialien wie Kühlaggregate, die effektiv absichern. Allerdings ist der Aufwand dabei hoch, ebenso wie die Kosten. Bei klassischen Transporten in Kühlfahrzeugen wird die Temperatur durch Kühlzonen konstant gehalten – oft geschieht dies durch Trennwände im Fahrzeug. Auch im Depot werden unterschiedliche Temperaturbereiche definiert. Die dortigen Mitarbeiter können dem Scanner entnehmen, wo die Ware zu platzieren ist.

Menschen machen Fehler

Abweichungen kommen dank der Prozessunterstützung zwar nur noch selten vor. Meist sind sie bedingt durch den „Fehlerfaktor Mensch“ – etwa wenn ein in der Be- oder Entladung tätiger Mitarbeiter versehentlich doch die falsche Kühlzone gewählt hat oder durch technische Pannen, zum Beispiel durch fehlerhafte Temperaturregelung von Kühlsystemen. Die Lösung liegt in Systemen, die bei Abweichungen direkt Alarm schlagen – basierend auf der Dokumentation durch ein Transport-Management-System (TMS). Aus dieser Dokumentation geht hervor, in welcher Kühlzone sich welche Packstücke befinden. Ebenso werden damit sämtliche Temperaturverläufe zentral verfügbar.

Compliance kann teuer werden

Ermöglicht werden Alarme durch den automatisierten Echtzeitvergleich des definierten Temperaturbereichs und der tatsächlichen Temperatur der Kühlzone, in der sich das Packstück gerade befindet. So lassen sich Fehler korrigieren, bevor weitreichende Konsequenzen daraus resultieren und Sendungen aufgrund von Abweichungen unter Umständen vollständig oder teilweise vernichtet werden müssen. Mechanismen wie dieser sind nicht nur in Fahrzeugen mit unterschiedlichen Temperaturzonen anwendbar, sondern ebenso in Umschlaghallen.

Gleichsam mit operativen Anforderungen gelten auch beim Monitoring hohe Standards: So muss die Kühlkette nach gesetzlichen Vorgaben über den gesamten Transport hinweg transparent sein. Die Dokumentation ist für den Fall einer Überprüfung nach definierten Kriterien vorzuhalten – so wollen es regulatorische Vorschriften. Spätestens hier stehen Logistiker vor großen Herausforderungen: Jede manuelle Datenabfrage und -auswertung bedeutet einen immensen zusätzlichen Aufwand für Controller: Häufig müssen zunächst händisch Zahlen herausgesucht werden, um daraus Übersichten, wie etwa Temperaturkurven, zu generieren. Mit veralteten Systemen (legacy systems) drohen Compliance-Regelungen zu einer teuren Angelegenheit zu werden.

Temperaturkurven von allen Stationen der Transportkette erzeugen

Doch mit automatisierten Temperatur-Monitoring-Lösungen können Logistiker heute effektiv gegensteuern. So überwachen moderne Systeme die Temperaturdaten für jedes Packstück jederzeit – mithilfe des genauen Aufenthaltsorts. Dazu gehört neben dem Transport auch das gesamte Crossdocking. Überall gilt: Wenn das TMS per API Zugriff auf die Temperaturverläufe von Telematikprovidern, wie etwa Orbcomm oder Naocom, hat, ist ein Reporting auf Sendungsebene möglich. Durch einen einfachen Mausklick lassen sich fertig aufbereitete Temperaturkurven von allen Stationen der Transportkette herstellen und in einer PDF-Datei ausgeben. Dies funktioniert, ohne dass ein Mitarbeiter den Sendungsverlauf aus unterschiedlichen Datenquellen rekonstruieren und einer überbordenden Temperaturdatenmenge zuordnen muss. Auch werden Excursions, das Verlassen des Temperaturzielbereichs, im Detail nachvollziehbar. Für interne Auswertungen ist der Abruf von dezidierten Temperaturberichten ebenso wie im Falle behördlicher Kontrollen in Sekundenschnelle möglich. ■

* Dr. Margit Sturm ist Product Owner Cadis Global Solutions bei der Kratzer Automation AG in 85716 Unterschleißheim, Tel. +49 89 321520, info@kratzer-automation.com

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