Kommissioniertechnik Backwaren bei –24 °C kommissionieren

Autor / Redakteur: Thomas Wöhrle / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Dass ein hoher Automatisierungsgrad in der Logistik und beim Kommissionieren von Tiefkühlware die Wirtschaftlichkeit, Flexibilität, Qualität und Effizienz erheblich steigert, zeigt der Backwarenhersteller Edna International GmbH an seinem Standort Sandersdorf-Brehna in Sachsen-anhalt. Mit Hilfe des Systems Order Picking Machinery (OPM) von Witron konnte der hohe Servicegrad zum Kunden mit dem Bau eines neuen Zentrallagers weiter optimiert werden.

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Mit OPM bei -24 °C cool kommissioniert.
Mit OPM bei -24 °C cool kommissioniert.
(Bild: Witron)

Das neue 7000 m2 große Distributionszentrum in Sandersdorf-Brehna, aus dem Edna seine Kunden in ganz Europa innerhalb von 24 h nach Bestellung mit Tiefkühlbackwaren versorgt, wurde im Oktober 2012 nach eineinhalbjähriger Bauzeit gemeinsam mit Witron in Betrieb genommen. „Vom ersten Tag des Hochlaufes an hatten wir Zugriff auf unser gesamtes Sortiment und das Logistikzentrum arbeitete mit hoher Verfügbarkeit – 24 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche“, sagt Norbert Meitinger, Inhaber und Geschäftsführer von Edna. „Das war für uns sehr wichtig. Wir mussten zu jeder Zeit auslieferungsfähig sein. Etwas anderes hätten unsere Kunden nicht akzeptiert.“ Denn Kundenzufriedenheit steht für Edna im Zentrum der Geschäftstätigkeit. „Unsere Stärke ist es, dass wir die individuellen Wünsche jedes Kunden schnell und unkompliziert umsetzen, und mit OPM können wir sofort flexibel reagieren. Oder einfach gesagt: Der Kunde bestellt und die OPM-Anlage setzt den Kundenwunsch logistisch exakt um. Unabhängig davon, ob es sich hier um eine Großbestellung oder eine Kleinbestellung handelt.“

Automatisierung erhöht Flexibilität im Tiefkühl-Logistikzentrum

Eine hohe Individualität in der Kundenbelieferung ist dabei das A und O, denn Backwaren sind Produkte, die täglich bestellt und in aller Regel im Verlauf des darauf folgenden Tages ausgeliefert werden müssen. Aus dem„Zentrallager für Produktions- und Handelswaren mit Kleinkommissionierung“ bedient Edna Großkunden und Großhändler auf direktem Weg mit Tiefkühlbackwaren sowie über die Zwischenstation der Auslieferungsläger auch sämtliche kleinere Kunden – sowohl national als auch international. Wer seine Ware bis 19 Uhr bestellt, erhält diese in aller Regel dann auch am folgenden Tag.

Neben dem Trockensortiment und im Frischebereich hat sich die OPM-Technik der neusten Systemgeneration 3.0 auch im Tiefkühlbereich bereits bei zahlreichen Witron-Kunden in Europa und Nordamerika erfolgreich bewährt. Mit insgesamt drei COM-Maschinen (erweiterbar auf vier) kommissioniert Edna zurzeit bei -24 °C pro Tag bis zu 13.000 Handelseinheiten (Endausbau 32.000 – bei vier COM mit einer Laufzeit von 16 h/Tag) ohne Personaleinsatz auf Paletten. Dem Kommissionierbereich vorgeschaltet sind ein automatisches sechsgassiges Tablarlager mit 35.280 Stellplätzen (erweiterbar auf 47.040) sowie ein mechanisiertes viergassiges Paletten-Hochregallager (HRL) mit 9600 Plätzen (erweiterbar auf 14.500). Zusätzlich verlassen die Anlage täglich noch weitere 800 artikelreine Vollpaletten (Endausbau 2000), die, direkt aus der Produktion kommend, vor dem Versand im HRL zwischengepuffert wurden.

Die Anlage ist auf weiteres Wachstum ausgelegt und modulare Erweiterungsmöglichkeiten in allen Lagerbereichen waren bereits Bestandteil der Logistikplanung von Witron. Zudem wird auch die sogenannte Backwaren-Konfektionierung, die bisher rein manuell abgewickelt wurde, mechanisiert. Das Projekt wurde von Witron von der Planung über die Realisierung, IT und Steuerung bis hin zur Inbetriebnahme als Generalunternehmer umgesetzt. Vom Witron-Tochterunternehmen FAS wurden die Mechanikkomponenten entwickelt und hergestellt. Wibond, ein weiteres Unternehmen aus der Witron-Firmengruppe, lieferte die tiefkühlgeeigneten Info-Terminals für die verschiedenen Logistikbereiche.

„Mit dem OPM-System arbeiten wir mit einer Kommissionierlösung, die auch in 20 Jahren den sich permanent ändernden Anforderungen unserer Kunden und Mitarbeiter gerecht wird“, ist sich Edna-Chef Meitinger sicher. „Bei der Suche nach dem richtigen State-of-the-Art-System hat mich Witron mit seinem Konzept und seiner Kompetenz im TK-Bereich sofort überzeugt. Schon nach dem ersten Besuch in Parkstein haben wir uns verstanden gefühlt. Sowohl von der technischen Seite als auch hinsichtlich der Firmenphilosophie.“ Witron als auch Edna sind beide inhabergeführte Familienunternehmen.

Mehr Produkte bei gleichbleibender Arbeitsbelastung

Das vollständig automatisierte OPM trage dazu bei, dass die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter im Logistikzentrum trotz stetig steigender Produktvielfalt nicht weiter zunehme. Vor allem von den ergonomischen Erleichterungen profitieren die Mitarbeiter bei ihrem Tätigkeiten deutlich. „Die Umgebungstemperaturen im TK-Bereich sind eine Herausforderung an Mensch und Technik. Und dennoch kommissioniert eine COM-Maschine bis zu 500 Handelseinheiten pro Stunde automatisch – diese Geschwindigkeit und Qualität ist rein manuell für einen Kommissionierer nicht zu schaffen“, erklärt Meitinger.

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Die Tatsache, dass sich bei Edna die Kommissionierung in Wellen auf verschiedene Tag- und Nachtstunden verteilt, war ein weiterer Grund für den Einsatz von OPM. „Bei Tiefkühltemperaturen ist es nicht möglich, permanent Personal vorzuhalten und angepasst an den notwendigen Kommissionierzyklus wirtschaftlich einzusetzen“, so Norbert Meitinger. „Durch die Case Order Machines (COM) von Witron haben wir hier die notwendige Flexibilität und können zielgerichtet agieren.“

Dennoch spielt der Faktor Mensch für den reibungslosen Ablauf aller Prozesse eine sehr wichtige Rolle, denn „unsere eigenen Mitarbeiter sind für die Steuerung und Wartung der Anlage verantwortlich“, so Meitinger.

Order Picking Machinery (OPM) unterstützt sämtliche Auftragsvarianten

Witron hat das vom Wareneingang bis zum Warenausgang vollständig automatische Warenhandlingssystem OPM zur Bildung von kundenspezifischen Auftragspaletten entwickelt. Herzstück ist die automatische Beladung einer Auftragspalette mit Handelseinheiten verschiedenster Größe und unterschiedlichem Gewicht, was mit Hilfe der hochdynamischen Beladevorrichtung, der sogenannten Case Order Machine (COM), erreicht wird.

Nach Erfassung im Wareneingang werden die Paletten in ein automatisches Hochregallager eingelagert und von hier einem automatischen Lagendepalettierer zugeführt. Die meisten der bei Edna gelagerten 650 verschiedenen Produkte wie Brötchen in unterschiedlichsten Sorten, Brezeln, Baguettes oder Süssteile kommen aus der eigenen Produktion am Standort. Daneben gibt es noch verschiedenste Handelswaren. Immerhin rund 100 Lieferanten weltweit bringen ihre Produkte nach Brehna.

Nach der Depalettierung der Lagen werden die Handelseinheiten vereinzelt, automatisch auf Tablare geladen und in ein Tablarlager-AKL eingelagert. Unter Berücksichtigung von Warengruppen, Palettenstabilität und Füllgrad wird mittels Software eine Schlichtmatrix separat für jede Auftragspalette gebildet.

Eine Besonderheit bei Edna ist, dass der Kunde mit Hilfe eines sogenannten Palettometers bei Auslösen der Online-Bestellung quasi selbst entscheiden kann, wie die Palette bei Edna „gebaut“ werden soll – individuell abgestimmt auf seine jeweiligen Anforderungen.

Diese Dienstleistung verlangt von der Witron-Lösung höchste Systemflexibilität, da je nach Vorgabe des Kunden im OPM bis zu vier unterschiedliche Palettentypen (Standard-, Regenbogen-, Sandwich- oder individuell gemischte Multi-Kundenpalette) erstellt werden müssen – und dies selbstverständlich ohne Leistungsverluste an der COM. Selbst die Palettenhöhe richtet sich nach den Vorgaben des jeweiligen Kunden.

Die Etiketten sind jederzeit von außen sichtbar

„Gerade bei den gemischten Multi-Kunden-Paletten wird jede einzelne Handelseinheit speziell belabelt und anschließend so von der COM auf die Palette gesetzt, dass das Etikett jederzeit von außen sichtbar ist. Unterstützt wird dies durch einen Drucker, der im TK-Bereich stabil arbeitet, innovative Witron-Software-Tools und speziell von FAS entwickelte „Drehkreuze“ auf der Zuführungsstrecke“, sagt Witron-Projektleiter Slavisa Jovanovic. „Der Kunde beziehungsweise der Auslieferungsfahrer soll die Ware kontrollieren können, ohne einzelne Kartons aus der Palette herausnehmen zu müssen.“ Durch die Verwendung von orangefarbenen Labels auf den Kartons kann den Fahrer selbst bei Nacht alle gewünschten Kundeninformationen schell erkennen.

Ein weiterer spezieller Kundenservice seitens Edna ist die Belieferung von Großkunden mit sogenannten Sandwich-Paletten. Hierbei werden vom Kunden unterschiedliche Waren lagenweise bestellt. Die einzelnen Produktlagen sind wiederum durch Europaletten getrennt. Edna-Kunden haben so den Vorteil, dass sie die Waren somit gleich sortiert in ihr eigenes Logistikzentrum einlagern können.

Auch die Kommissionierung dieser Bestellform wird Mittels der COM umgesetzt. Die Verdichtung dieser Aufträge erfolgt ebenso mechanisiert im Anschluss an die automatische Kommissionierung.

Konfektionierung von Backwaren mechanisiert

Neben der OPM-Einführung hat Witron für den Backwarenhersteller auch die sogenannte Konfektionierung mechanisiert. „Diese Abwicklung erfolgte in der Vergangenheit rein manuell“, erklärt Jovanovic. Dabei werden parallel bis zu sechs sortenreine Gitterboxen aus dem TK-HRL über automatische Förderstrecken zu ergonomischen Arbeitsplätzen transportiert. Ein Kartonaufrichter stellt dem Konfektionierer Versandkartons in der richtigen Größe zur Verfügung, in welche die Backwaren in vordefinierter Menge und Mischung einsortiert werden. Abschließend werden die Kartons ettiketiert, verklebt, mechanisiert nach Fremdkörpern untersucht und über Förderstrecken ins Tray-AKL zurückgeführt und zeitnah zur Auslieferung über das OPM-System kommissioniert. „Da wir durch die Konfektionierung im Prinzip ein neues Produkt schaffen, muss unsere WMS-Software sämtliche gesetzliche Eigenschaften hinsichtlich aller Lebensmittelkriterien, Nachverfolgbarkeit und Chargenverfolgung erfüllen“, so Jovanovic.

Jetzt ist Edna aufgrund der sehr viel wirtschaftlicheren Prozessabläufe in der Lage, Produkte auch in wesentlich kleineren Mengen an seine Kunden zu vertreiben. Diese Anpassung an veränderte Bestellverhalten – immer häufiger in immer kleineren Mengen zu bestellen, auch verstärkt über den Edna-Webshop – wird zunehmend zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.

Lagerbestände um 50 % reduziert – Fehlerquote nahe Null

Insgesamt hat Edna im Verlauf dieses Projekts rund 20 Mio. Euro in Automatisierung, Gebäude- und Kältetechnik investiert. Und bereits jetzt, nur wenige Monate nach dem Hochlauf, können sich die Ergebnisse sehen lassen: Durch die Zentralisierung der Logistik für Produktions- und Handelswaren am Standort Brehna konnte Edna externe Außenlagerstandorte zum Teil schließen und so die Anzahl der Palettenstellplätze – beziehungsweise die Lagerbestände – insgesamt um rund 50 % reduzieren.

Bei einer sehr hohen Kommissionierqualität liegt die Fehlerquote im Promille-Bereich – bei nahezu 0 %. Zur Erhöhung der Transparenz wird darüber hinaus jede Palette im Warenausgang noch einmal fotografiert. Zusätzliche Kunden konnten durch neue Dienstleistungsangebote gewonnen werden. Auch die Edna-Mitarbeiter haben das OPM-System schnell angenommen. Dabei war es von Vorteil, dass Mitarbeiter beim spanischen Witron-Kunden Mercadona zwei Wochen lang Praxiserfahrungen sammeln konnten. Für die zukünftigen logistischen Herausforderungen in seinem Geschäft sieht sich Edna-Inhaber Norbert Meitinger mit dem OPM-System jedenfalls gut gerüstet. „Die automatisierte Lösung ist in ihren Funktionalitäten bereits heute auf schnelle, flexible Anpassungen sowie weiteres Wachstum ausgelegt“, so Meitinger. „Wir sind uns sicher, dass wir unsere innovativen Ideen und kommende Marktanforderungen mit OPM problemlos abdecken können.“ Und auch der Service beziehungsweise die Nachbetreuung funktioniert reibungslos. „Als Familienunternehmen ist Witron äußerst kundenorientiert. Wenn wir Serviceanfragen haben, wird uns bei Witron rund um die Uhr schnell und unkompliziert geholfen“, sagt Meitinger. „Das bestärkt uns noch einmal in der Überzeugung, dass wir für die Umsetzung unseres neuen Distributionszentrums genau den richtigen Partner gefunden haben.“

* Weitere Informationen: Witron Logistik + Informatik GmbH, 92711 Parkstein, Tel. (0 93 65) 80 60 25, uschwarz@witron.de

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