Kontraktlogistik Bedeutung des Kontraktlogistikvertrags

Autor / Redakteur: Eckhard Boecker / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Ohne einen individuell ausgehandelten Kontraktlogistikvertrag sollten Logistikleiter aus Industrie und Handel keine Geschäfte an Kontraktlogistikprovider vergeben. Der vorliegende Beitrag unterstreicht die Vertragsbedeutung und skizziert wesentliche Vertragsbestandteile.

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Fremd zu vergebende Kontraktlogistikgeschäfte, etwa Mehrwertdienstleistungen wie Endmontage in der Elektronikindustrie, sollten auf einem klar umrissenen Kontraktlogistikvertrag fußen. Bild: APL Logistics
Fremd zu vergebende Kontraktlogistikgeschäfte, etwa Mehrwertdienstleistungen wie Endmontage in der Elektronikindustrie, sollten auf einem klar umrissenen Kontraktlogistikvertrag fußen. Bild: APL Logistics
( Archiv: Vogel Business Media )

In der Tat sollten alle Vertragspartner tunlichst darauf achten, dass dem Kontraktlogistikvertrag eine zentrale Bedeutung in den Verhandlungen über fremd zu vergebende Kontraktlogistikgeschäfte (Lagerhaltung, Transport und Mehrwertdienstleistungen) zukommt. Geschieht dies nicht, so laufen letztlich alle Kontraktlogistikakteure (Auftraggeber und Auftragnehmer) Gefahr, später viel Lehrgeld zu bezahlen.

Eine der größten Herausforderungen in der Formulierung eines Kontraktlogistikvertrages besteht darin, dass die Leistungsbeschreibung vollständig und präzise vorgenommen wird. Oft stellt sich nach Vertragsunterzeichnung heraus, wenn mit der Operation also bereits begonnen wurde, dass unterschiedliche Meinungen darüber zwischen den Kontraktlogistikakteuren bestehen, was noch zum vereinbarten Preis gehört und was nicht. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, dass die vertraglichen Leistungen genau und detailliert dokumentiert werden.

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Reibungsverluste auf ein Minimum reduzieren

Eng verbunden mit der Leistungsbeschreibung sind die Pflichten und Verantwortungsbereiche der Kontraktlogistikakteure. Besonders die Festlegung von Schnittstellenverantwortlichkeiten trägt entscheidend dazu bei, dass während der Zusammenarbeit Reibungsverluste auf ein nicht vermeidbares Minimum reduziert werden.

Eine enorme Bedeutung nimmt das Thema IT ein. Ohne eine funktionierende IT kann kein Kontraktlogistikgeschäft erfolgreich betrieben werden. Deshalb ist beispielsweise der Datenaustausch ein zentraler Bereich, der gut vorbereitet und umgesetzt sein sollte. Diesbezüglich sollte auch geprüft werden, ob es Ressourcen gibt, die beide Partner nutzen können, um gegebenenfalls zusätzliche Investitionen zu sparen. In diesem Bereich gehört natürlich auch das Thema Sendungsverfolgung dazu, wenn Transporte vom Händler oder Industriellen ebenfalls extern eingekauft werden.

Zweifellos ist die Verkehrshaftung ein Vertragspunkt in der Kontraktlogistik, wo die Gespräche ebenfalls nicht zu spät begonnen werden sollten. Dafür sind die potenziellen Risiken zu groß, sollte ein Claim, insbesondere ein Großschadensereignis, eintreten. Dieses Thema hat neben der Bestandsverantwortung von beispielsweise einem Warenwert über 20 Mio. Euro insbesondere auch dann Gewicht, wenn der Kontraktlogistikprovider Mehrwertleistungen (zum Beispiel Preisauszeichnung, Regalbestückung im Handel) erbringen soll.

Kontraktlogistikleiter kann Provider in Police aufnehmen

Mit Bezug auf das Thema Haftung ist aus Sicht des Kontraktlogistikleiters aus Industrie und Handel zu bedenken, dass der Kontraktlogistikprovider für derartige Mehrwertdienstleistungen grundsätzlich keine Versicherungslösung hat. Dies gilt in erster Linie für die beim Kontraktlogistikprovider bestehende Verkehrshaftungs-Versicherungspolice. Das Gleiche gilt für etwaige Claims, die sich aufgrund des Produkthaftungsgesetzes ergeben könnten.

Aus den vorstehenden Ausführungen ist den Kontraktlogistikakteuren zu empfehlen, eine Versicherungslösung zu erarbeiten. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass der Kontraktlogistikprovider als Mitversicherter in die bestehenden Policen des Kontraktlogistikleiters aufgenommen wird.

Ein wichtiges Rückgrat eines Kontraktlogistikvertrages bildet die Verabschiedung von messbaren Zielen, die mittels ebenfalls zu vereinbarender Kennzahlen kontrolliert werden. Klar ist zwar, dass dieses Kapital zusätzliche Transaktionskosten verursacht, jedoch amortisiert sich dieses Kapital um ein Vielfaches nach Vertragsabschluss.

Preisanpassungsklauseln gehören zum Kontraktlogistikvertrag

Vertragsfairness sollte zum Geschäft gehören. Deshalb ist es auch aus Sicht des Kontraktlogistikleiters letztlich von Vorteil, wenn eine Preisstaffel nach den jeweiligen Lager-/Transportmengen vertraglich festgeschrieben wird. Passiert dies nicht, so läuft der Kontraktlogistiker Gefahr, dass die Kontraktlogistikqualität im Tagesgeschäft darunter leidet.

Denn der Kontraktlogistikprovider ist möglicherweise aufgrund von unzureichenden Erträgen gezwungen, beispielsweise am Personal zu sparen. Claims könnten außerdem die Folge sein, weil vom Kontraktlogistikprovider zum Beispiel die Schnittstellenkontrollen aus Kostengründen reduziert werden.

Eine Preisanpassungsklausel gehört auch in den Kontraktlogistikvertrag. Unvorhersehbare Entwicklungen sollten vertraglich abgefangen werden können. Deshalb ist es auch fair, wenn preisliche Veränderungen vorgenommen werden können, wenn beispielsweise — gesetzlich verordnet – bestehende Gebühren erhöht und/oder zusätzliche finanzielle Belastungen vom Gesetzgeber beschlossen werden.

Mit Bezug auf das Transportgeschäft gehört es zur Vertragsfairness, wenn eine Dieselklausel vereinbart wird. Dabei gilt es nicht nur, die Interessen des Kontraktlogistikproviders festzuhalten. Sinkt der Dieselpreis unter ein zuvor festgelegtes Preisniveau, so muss der Kontraktlogistikleiter geringere Frachten zahlen und umgekehrt.

Gutes Risikomanagement bringt Standortsicherheit

Die Kontraktlogistikakteure sollten sich auch auf das Risikomanagement fokussieren. Dazu gehört die Beachtung des § 613a BGB. Gesetzlich verankert ist dort, dass die Rechte und Pflichten aus den bestehenden Arbeitsverträgen auf den Betriebserwerber übergehen, wenn ein „Betrieb oder Betriebsteil“ verkauft wird. Ein Betriebsübergang ist bereits denkbar, wenn der Kontraktlogistikprovider Wirtschaftsgüter des Kontraktlogistikleiters aus Industrie oder Handel übernimmt.

Auf diese Seite gehört auch das Thema Standortsicherheit. Hier gilt es zu regeln, welche Anforderungen der Kontraktlogistikprovider zu erfüllen hat, damit beispielsweise das Risiko eines Einbruchdiebstahls gering gehalten werden kann. Dazu gehört nicht nur die Idee einer Einbruchmeldeanlage, sondern ein Gesamtkonzept zum Thema Standortsicherheit.

Natürlich sollten sich die Kontraktlogistikakteure vor Vertragsschließung über die Möglichkeiten zur Auflösung der geschäftlichen Beziehung vertiefende Gedanken machen. Darin ist der Vertragspunkt über die Vertragslaufzeit natürlich einzubeziehen.

Möglichkeiten zur Auflösung des Kontraktlogistikvertrags einbeziehen

Viele Verträge begnügen sich mit einem entsprechenden Hinweis einer außerordentlichen Vertragsauflösung. Hinsichtlich der Vertragsauflösungsmöglichkeiten empfiehlt es sich, Spielregeln zu vereinbaren, die zur außerordentlichen Vertragskündigung berechtigen.

In diesem Zusammenhang kommen besonders drei Gründe in Betracht: wiederholte Schlechtleistung des Kontraktlogistikproviders, der Insolvenzeintritts einer der Kontraktlogistikakteure und Gesetzesverstöße. Die Bedeutung dieses Punktes bedarf vor dem Hintergrund der Aktualität von Compliance keiner Vertiefungen.

Kein Kontraktlogistikvertrag ohne Vertraulichkeitsvereinbarung

Es sollte kein Kontraktlogistikvertrag ohne die Berücksichtigung einer Vertraulichkeitsregelung abgeschlossen werden. Denn der Daten- und Informationsaustausch hat sensiblen Charakter und bedarf geeigneter Schutzvorkehrungen sowie Handlungsanweisungen. Darin ist einzuschließen, an wen der Kontraktlogistikprovider gegebenenfalls vertrauliche Daten und Informationen weitergeben darf.

Resümee: Der vorliegende Beitrag hat diverse Bereiche innerhalb eines Kontraktlogistikvertrages angerissen, die sich darin jedoch natürlich nicht erschöpfen. Welches Recht anzuwenden ist und an welchem Ort sich die Beteiligten treffen müssen, wenn es zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommt, gehört ebenfalls im Kontraktlogistikvertrag festgeschrieben. Vielleicht kommt statt einer ordentlichen Gerichtsbarkeit eine Schiedsgerichtsbarkeit in Betracht. Kurzum: Der Kontraktlogistikvertrag nimmt bereits lange vor der eigentlichen Vertragsunterzeichnung einen signifikanten Stellenwert ein. Je stärker sich alle Beteiligten des Kontraktlogistikgeschäftes darauf fokussieren, desto größer ist die Chance auf Erfolg und umgekehrt.

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