Ladungsträger Behältermanagement und Reinigung aus einer Hand

Redakteur: Jürgen Schreier

Für die Sauberkeit von Mehrwegbehältern im Lebensmittelbereich existieren gesetzliche Vorgaben. Aber auch in der Industrie schätzt man professionell gereinigte Mehrwegbehälter. Externe Dienstleister bieten Behälterlogistik und Behälterreinigung als Komplettservice an.

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Eine Durchlaufreinigungsanlage kann bis zu 30 m lang sein und pro Stunde 400 bis 600 Behälter säubern.
Eine Durchlaufreinigungsanlage kann bis zu 30 m lang sein und pro Stunde 400 bis 600 Behälter säubern.
(Bild: Sprintbox)

Mehrwegbehälter sind aus der modernen Logistik nicht mehr wegzudenken und vor allem für solche Unternehmen interessant, die

  • regelmäßig ein Netz an Filialen oder sonstigen Empfängern mit Waren versorgen,
  • zusätzlich zur Verkaufsverpackung auch Transportverpackungen einsetzen,
  • das Handling der Waren über alle Abläufe hinweg verbessern möchten.

Hersteller wie SSI Schäfer, Auer Packaging oder Bito haben solche Behälter im Programm, die für ihre Nutzer mehrere wirtschaftliche Vorteile aufweisen:

  • Die Entsorgungs- und Lagerkosten der Einwegverpackungen fallen weg.
  • Die Ware kann schneller verpackt und ausgepackt werden.
  • Die Güter sind vor Beschädigung und Diebstahl geschützt.
  • Ein automatisches Behälterhandling ist möglich.
  • Die Rückverfolgbarkeit der Sendungen lässt sich mit Barcodes oder RFID (tracking & tracing) sicherstellen.
  • Es fällt weniger Verpackungsmüll an als bei herkömmlichen Verpackungen.
  • Die Mehrwegbehälter sind, wenn sie einmal ihr meist langes Leben hinter sich gebracht haben, vollständig recycelbar.
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Natürlich bedürfen solche Transportbehälter auch einer gewissen Pflege, insbesondere müssen sie regelmäßig gereinigt werden. Denn regelmäßige Reinigung erhöht die Lebensdauer von Mehrwegverpackungen signifikant. Reparaturen werden deutlich reduziert. Zudem stehen saubere Mehrwegbehälter nicht nur für die gleichbleibend hohe Qualität der Güter, die mit ihnen transportiert werden: In hygienekritischen Bereichen, zum Beispiel in der Lebensmittelbranche, ist die Reinheit der Ladungsträger oberstes Gebot.

Abspritzen mit dem Dampfstrahler genügt oft nicht

Vom Grundsatz kann man Transportbehälter natürlich im eigenen Unternehmen reinigen. Doch mit dem schnellen Abspritzen der Ladungsträger mittels Hochdruckreiniger oder Dampfstrahler ist es nicht getan – schon gar nicht, wenn die Behältnisse für den Transport von Lebensmitteln eingesetzt werden sollen.

Der Grund: Im Lebensmittelbereich ist ein sogenanntes HACCP-System (Hazard Analysis and Critical Control Points) gemäß VO (EG) 852/200 vorgeschrieben.

Die Gesetzgebung verpflichtet damit jeden Nahrungsmittelproduzenten, nur solche Erzeugnisse anzubieten, die in keiner Weise nachteilige Einflüsse auf die Gesundheit des Verbrauchers ausüben. Diese Anforderung soll mit der Anwendung des strukturierten HACCP-Verfahrens sichergestellt werden. Auch Zulieferer der Lebensmittelindustrie können verpflichtet sein, eine Zertifizierung nach HACCP nachzuweisen. Dazu gehören neben den Herstellern von Maschinen und Anlagen für die Lebensmittelproduktion auch die Hersteller von Lebensmittelverpackungen.

Verschmutzte Ladungsträger können Transportgut beschädigen

Aber auch in der Industrie steigen die Ansprüche, was die Sauberkeit der Transportmittel betrifft. Schließlich können verunreinigte Behälter die damit transportierten Produkte verschmutzen oder im schlimmsten Falle sogar beschädigen. Was nutzt eine aufwendige Sauberraumproduktion – etwa bei Herstellung elektrischer oder elektronischer Komponenten für den Automotive-Bereich –, wenn die empfindlichen Bauteile wegen verunreinigter Mehrwegbehälter verschmutzt beim Abnehmer ankommen?

Darüber hinaus spart die regelmäßige professionelle Reinigung der Ladungsträger Zeit und Geld – vorausgesetzt, man investiert in geeignete Reinigungstechnik. Da genau das aber nicht zum Kerngeschäft eines Fertigungsunternehmens gehört, hat sich rund um den Mehrwegbehälter ein Dienstleistungsmarkt etabliert, der von der Reinigungsleistung als solcher bis hin zur kompletten Behälterlogistik reicht.

Wasto-Pac absolviert erfolgreich HACCP-Audit

Dass mit der Reinigung von Transportbehältern Geld zu verdienen ist, hat Walter Ahn, Gründer und Geschäftsführer der Wasto-Pac GmbH, Erftstadt, schon früh erkannt. Die Rheinländer reinigen die angelieferten Paletten und Transportverpackungen aus Kunststoff in ihrer Limex-Anlage – die Wasto-Pac übrigens auch vertreibt – oder kommen bei entsprechend hohem Aufkommen mit der Anlage zum Kunden, wo dann das Wasto-Pac-Fachpersonal die fachmännische Reinigung der Ladungsträger übernimmt. Das Erftstadter Unternehmen hat 2013 erfolgreich das HACCP-Audit für den Bereich der Reinigung von Paletten und Behältern absolviert und auch das Kontrollaudit am 6. Februar 2014 bestanden.

Zu den Pionieren in Sachen Behältermanagement gehört die Sprintbox GmbH mit Sitz im fränkischen Grettstadt. Die Tochtergesellschaft des Logistikdienstleisters Schäflein versorgt ihre Kunden nicht nur mit Ladungsträgern jeder Art und Größe, sondern kümmert sich auch um die Logistik des Mehrwegsystems.

Kostal lässt im Sprintbox-Deport Schwerte reinigen

Dazu unterhält das Unternehmen ein flächendeckendes, dezentrales Depotnetzwerk. Dank eines ausgefeilten IT-Systems werden alle eingehenden und ausgehenden Transporte gebündelt und regelmäßige sowie getaktete Transporte über eigene Milkrun- und Shuttleverkehre abgebildet: Das sichert die Just-in-Time-Versorgung bis in die Produktion. Und natürlich werden die Ladungsträger den Kunden stets „blitzblank“ zur Verfügung gestellt. An 25 nationalen und zehn internationalen Standorten sorgen die Sprintbox-Reinigungsprofis für saubere Transportbehälter.

Auch der Automobilzulieferer Kostal (Lüdenscheid und Meinerzhagen) setzt auf die Dienste von Sprintbox und nutzt die Behälterwaschanlage, die im Juni im 45.000 m² großen Logistik-Center in Schwerte ihrer Bestimmung übergeben wurde. Kostal fertigt unter anderem Lenkrad- und Mittelkonsolen-Bedienelemente sowie elektronische Kontaktsysteme für die Automobilindustrie.

Reinigungsprozess verläuft in klar definierten Schritten

Bei der Behälterwaschanlage am Standort Schwerte handelt es sich laut Sprintbox um eine komplett neu entwickelte, zweispurige Durchlaufwaschanlage mit enormer Leistungsfähigkeit: Rund 2000 Behälter pro Stunde – vor allem VDA-KLT, spezifische Trays und Blister sowie Spulen für die kundenspezifischen Produkte– können mit der Anlage im Dreischichtbetrieb gereinigt werden.

Der gesamte Prozess verläuft in exakt aufeinander abgestimmten Schritten: Zunächst schickt Kostal aus den verschiedenen Werken Mischpaletten mit verschmutzten Behältern zum Sprintbox-Depot in Schwerte. Mehr als 300 unterschiedliche Behältertypen werden mehrfach täglich auf 250 Paletten mit Shuttletransporten angeliefert.

Nach der Vorsortierung und dem Ablösen von Etiketten durchlaufen die Behälter eine 17 m lange, zweispurige Reinigungsmaschine. Danach werden die Mehrwegverpackungen wieder in den Lieferantenkreislauf eingeschleust und nach ganz Europa versandt. Mehr als 50 Mitarbeiter kümmern sich im Sprintbox-Depot täglich um die Reinigung der Behälter und die gesamte Logistik „rund um den Behälter“.

Ladungsträger werden nach dem Reinigen getrocknet

Das Besondere an der Reinigung mit der neuen Anlage in Schwerte sind aber nicht nur der hohe Durchsatz und die gute Reinigungsqualität, sondern auch die anschließende Trocknung. Das war vor allem für Kostal ein ausschlaggebendes Kriterium, da den Behältern des Elektrounternehmens keine Restfeuchtigkeit anhaften darf. Diese würde die elektronischen Bauteile, die sofort nach der Reinigung der Behälter verpackt werden, korrodieren lassen, beschädigen und damit unbrauchbar machen. Diese Vorgabe erfüllt die Behälterwaschanlage laut Sprintbox optimal. So sei nach dem Trocknen die Restfeuchtigkeit in den Behältern nicht mehr messbar.

Umweltfreundliche Mehrwegbehälter setzen sich immer mehr durch

Für Kostal hat die neue Behälterwaschanlage noch einen weiteren Vorteil: Ab dem Wareneingang bei Sprintbox steht das gereinigte und kommissionierte Leergut innerhalb von 24 Stunden wieder zur Verfügung. „In der Logistik setzt sich der Trend zu umweltfreundlichen Mehrwegbehältern immer stärker durch. Dadurch steigt auch der Bedarf nach professioneller Reinigung“, freut sich Achim Schäflein, Vorstand der Schäflein AG, und in Personalunion Geschäftsführer der Sprintbox GmbH.

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