Regalsysteme Bei Langgut reduzieren Roll-Aus-Regale das Handling um über 70%

Autor / Redakteur: Thomas Bartels / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die Lagerung von Langgut in Roll-Aus-Regalen verringert die Durchlaufzeit beim Materialfluss, beschleunigt die Arbeitsprozesse in der Produktion und spart wertvolle Lagerfläche ein. Breite Wege zwischen den Regalen für Stapler und Flurförderzeuge sind überflüssig, da die Beschickung mit dem Hallenkran erfolgt.

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Weil in vielen Betrieben ein klares Lagerkonzept für Langgut fehlt, liegen die langen, kurzen, runden oder flachen Stangenkörper wirr auf einem Haufen irgendwo an einer Hallenwand. Benötigt die Produktion ein bestimmtes Material, muss es mühselig per Hand aus dem „Lagerbestand“ herausgesucht und zur Säge transportiert werden.

Eine schwere und nicht ungefährliche Arbeit, die noch brisanter wird, wenn Langgut aus Platzgründen im Freien gelagert wird, so dass Mitarbeiter bei winterlichen Witterungsverhältnissen das benötigte Stück suchen müssen. Es ist stellenweise unglaublich, wie chaotisch Langgut manchmal gelagert wird.

Als geradezu beschämend empfindet man auch die oft gehörte Ablehnungsbegründung (Mitarbeiter sind billiger) für modernes Equipment zur ergonomischen Lagerstrukturierung mit leichtem Materialzugriff:

Wie sich dagegen mit einem klaren Lagerkonzept Vorteile generieren lassen, hat Henning Jürß, Projektplaner bei Blohm + Voss Industries, bewiesen. Das Unternehmen ist ein führender Hersteller von Schiffskomponenten.

Klares Lagerkonzept für Langgut bietet Vorteile

Das sind primär Abdichtungssysteme für ölgeschmierte Propellerwellenlager, wobei von dem vorderen System das Stevenrohr in Richtung Maschinenraum abgedichtet wird, damit kein Öl dort hinein gelangen kann. Das hintere Dichtungssystem sorgt dafür, dass kein Wasser in den Schiffsraum eintritt.

Zum Produktionsprogramm gehören aber auch Stabilisatorenanlagen für alles, was auf dem Meer herumschippert: angefangen von Privat-Yachten, großen und kleinen Fähren bis hin zu den Luxuskreuzfahrtschiffen, wie beispielsweise der „Aida Diva“. Dafür können die Stabilisatoren dann schon einmal Flossenflächen bis zu 20 m2 aufweisen und rund 120 t wiegen.

Vor dem Verkauf des Unternehmensbereichs Turbinenbau wurden bei Blohm + Voss Industries alle Produktlinien aus einem gemeinsamen Langgut-Lager versorgt. In einem Kassettenregal lagerten bis zu 6 m lange Kassetten mit Stangenkörpern aus unterschiedlichen Materialien, die mit einem Regalbediengerät ein- und ausgelagert wurden.

Bei einer Produktionsanforderung musste das Langgut entnommen, zu einer entfernt stehenden Säge transportiert, dort geschnitten und kommissioniert werden und dann anschließend das Reststück zurücktransportiert, in die Kassette eingelagert und mit dem Regalbediengerät im Kassettenregal deponiert werden.

Neues Lager beseitigt umständliche Prozesse bei der Langgut-Ein- und Auslagerung

Diese umständliche Prozessverkettung sollte bei der Planung für ein neues Lager eliminiert werden, erinnert sich Henning Jürß. Dementsprechend gab es bei der Suche nach der richtigen Ausstattung eine lange Kriterienliste. Die Regale mussten schnell aufstellbar, raumsparend, leicht zugänglich und beschickbar sein sowie eine unkomplizierte optische Bestandskontrolle ermöglichen.

Beim Lagerausrüster Karl H. Bartels sei man fündig geworden, da dort vorhanden war, was man dringend brauchte, erläutert Jürß den Findungsprozess. Deshalb wanderte ein beidseitig beschickbares Roll-Aus-Regal mit vier ausrollbaren Etagen-Lastarmen und einer starren Dachablage (Länge 5,30 m, Breite 1,40 m, Höhe 2,50 m) aus der Bartels’schen Ausstellungshalle umgehend nach Hamburg zu Blohm + Voss Industries, in die unmittelbare Nachbarschaft der Säge (Bild 1).

Mit Innovationen in der Förder-, Hebe- und Lagertechnik konzentriert sich die norddeutsche Karl H. Bartels GmbH seit fast 70 Jahren auf die Optimierung von intralogistischen Prozessen durch standardisierte und maßgeschneiderte Lösungen.

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Gesamter Lagerbestand jederzeit visuell erkennbar

Für die Bedienung der Regale ist eine Person ausreichend (Bild 2). Mit einer Kurbel werden die ausrollbaren Etagen-Lastarme über drehbare Spindeln bis zur Regalarmtiefe ausgefahren (Bild 3). Danach liegt das ganze Roll-Aus-Fach für die Beschickung oder Entnahme frei.

Das war für Henning Jürß ein wichtiges Kriterium, da dadurch jederzeit der gesamte Bestand visuell erkennbar ist. Zudem entfällt das aufwändige und manchmal recht gefährliche „Reindrücken“ oder „Herauszerren“ des Langguts, da die Aus- und Einlagerung von oben mit dem Hallenkran erfolgt.

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Bei Blohm + Voss Industries wird das ganze Effizienzpotenzial ausgeschöpft, das die inzwischen drei Roll-Aus-Regale im Langgutlager bieten. Alle Arbeitsschritte bis zu der Kommissionierung der maßgesägten Teile für die Produktion werden in der Regel jetzt von einem Mitarbeiter erledigt. Um ein Langgutteil vom Regal zur Säge und zurück zu transportieren, muss er es lediglich mit dem „Stropp“ des Brückenkrans anschlagen.

Handling im Lager dauert nur noch wenige Minuten

Das dauert nur wenige Minuten; genau wie jede andere Handlingmaßnahme im Lager auch. Henning Jürß kann heute erfreut feststellen, dass sich der gesamte Materialfluss deutlich beschleunigt hat.

In einem benachbarten Produktionsunternehmen, in dem ebenfalls Langgut verarbeitet wird, sind diese Ergebnisse nicht unbemerkt geblieben. Für den dort anstehenden Lager-umbau denkt man inzwischen ebenfalls daran, sich von dem Lagerlogistiker Bartels eine bedarfsgerechte Roll-Aus-Regalanlage maßschneidern zu lassen.

Thomas Bartels ist geschäftsführender Gesellschafter der Karl H. Bartels GmbH in 25358 Horst.

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