Präventionspreis 2013 BGHW zeichnet neun Best-Practice-Beispiele aus der Logistik aus

Redakteur: Victoria Sonnenberg

Kreativ, nachhaltig und mit Vorbildcharakter sind die Ideen und Projekte, die die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) jedes Jahr mit ihrem Präventionspreis auszeichnet. Neun Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen nahmen den Preis entgegen.

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Mobile Absturzsicherung an der Kaikante. Eine Innovation des SCA, ausgezeichnet mit dem Präventionspreis 2013 der BGHW.
Mobile Absturzsicherung an der Kaikante. Eine Innovation des SCA, ausgezeichnet mit dem Präventionspreis 2013 der BGHW.
(Bild: HHLA)

Der Vorstandsvorsitzende der BGHW, Dr. Rainhardt von Leoprechting, begrüßte die rund 150 Gäste, darunter auch den Bremer Senator für Gesundheit, Dr. Hermann Schulte-Sasse, der die Grußworte der Stadt überbrachte. Dr. von Leoprechting unterstrich die besondere Beziehung der BGHW zum Wirtschaftsstandort Bremen. Sowohl die Berufsgenossenschaft als auch die Stadt hätten großes Know-how in den Bereichen Logistik und Umschlag. Bremen ist Standort namhafter und erfolgreicher Logistikunternehmen, die „wir als Unfallversicherungsträger in Sachen Arbeitsschutz betreuen“.

Der Präventionspreis leiste einen wichtigen Beitrag für den Austausch zwischen Unternehmen und BGHW. „Mit diesem Präventionsinstrument will die BGHW innovative Entwicklungen des Arbeitsschutzes, die aus der betrieblichen Prävention entstehen, allen anderen Mitgliedsunternehmen zur Verfügung stellen und die Urheber für ihre besonderen Leistungen auf diesem Gebiet auszeichnen“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Bei der anschließenden Verleihung der Hauptpreise wurden die prämierten Innovationen und Projekte der Unternehmen in kurzen Einspielfilmen vorgestellt. Auch in diesem Jahr waren höchst unterschiedliche Branchen vertreten.

Preisträger aus allen Branchen

Den Auftakt bei der Verleihung machte Preisträger Amthor-Logistic aus Schweinfurt mit einer Vorrichtung zum leichten und sicheren Zerlegen von Holzpaletten.

Die Amthor Logistic GmbH ist auf die Einlagerung und den innerbetrieblichen Transport von Industriematerialien spezialisiert. Ein besonderer Service des Logistikunternehmens ist die Aufbereitung von Industriepaletten. Vor einiger Zeit hat Amthor Logistic den Auftrag von einem Unternehmen erhalten, unter anderem dessen beschädigte Holzpaletten zu reparieren und aufzubereiten. Dazu entwickelten sie eine clevere Stahlrahmenkonstruktion, mit der schadhafte Paletten mit geringem Kraftaufwand zerlegt werden können. Zunächst wird die Kufe der Palette in die Vorrichtung eingesetzt und zerstörungsfrei mit den Klötzen abgelöst. Die Nägel des Deckbretts werden mit einem Bolzenschneider mühelos und sicher gekürzt. Die verbleibenden Nagelspitzen dienen zum Fixieren der Austauschklötze. Nun werden die alten Klötze leicht entfernt.

Der Rewe Markt in Hungen erhielt einen Preis für eine Trocken- und Ablaufhilfe für gereinigte Tiefkühlcontainer.

In der mittelhessischen Stadt Hungen in der Rewestraße ist der Handelskonzern Rewe seit Jahrzehnten fest verwurzelt. Derzeit befindet sich hier ein wichtiger Logistik- und Verwaltungsstandort der Rewe Group mit 650 Beschäftigen. Der Transport der Tiefkühlware erfolgt in speziellen Tiefkühlcontainern, die in Hungen auch gereinigt werden. Das Reinigen der Container war früher nicht einfach. Beim Versuch die Container zu kippen, um das Restwasser ablaufen zu lassen, konnten sich Mitarbeiter schon mal verletzen. Das ist jetzt nicht mehr möglich, denn seit einiger Zeit benutzt Rewe nur noch ein spezielle selbstentwickelte Reinigungs-Rampe. Die Container werden mit den Rädern quasi in die Rampe eingehängt. Sie können nicht mehr wegrollen oder umkippen.

Das Kieler Unternehmen KSK Ostufer überzeugte die Jury mit einer Absturzsicherung für die Ladungssicherung auf Bahnwaggons.

Ein Service der KSK Ostufer GmbH beinhaltet das Sichern von Holzpaketen mit Gurten – entweder auf Bahnwaggons, oder wie hier auf einem Schwerlastanhänger, im Fachjargon Mafi genannt. Die Sicherungsarbeiten finden in rund 3 m Höhe auf unebenen und rutschigen Flächen statt. Im Winter besteht zudem die Gefahr der Vereisung. Das Absturzrisiko ist entsprechend hoch. Vor diesem Risiko schützt seit kurzem eine unternehmensintern entwickelte Absturzsicherung. Die Idee für diese Sicherung hatte Kai Trenner, Geschäftsführender Gesellschafter der KSK Ostufer. Die mobile Konstruktion kann mit einem Gabelstapler angefahren werden. Das Sicherungsseil wird mit einem Karabinerhaken an dem Gurtgeschirr der Mitarbeiter befestigt. Durch das Schienensystem können zwei Mitarbeiter gleichzeitig gesichert arbeiten. Bewegungsfreiheit inklusive: Das Seil geht mit -und gibt nach.

Die Meyer & Meyer Holding in Osnabrück stellte ein Konzept zum betrieblichen Gesundheitsmanagement vor.

Der demografische Wandel spiegelt sich auch im Unternehmen wider. Die Arbeitsfähigkeit muss länger erhalten werden. Gleichzeitig nimmt der Fachkräftemangel zu. Bewerber ziehen attraktive Unternehmen vor. Für den Osnabrücker Fashionlogistiker Meyer & Meyer Gründe genug, diesen aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt etwas entgegen zu setzen: Unter dem Namen Meyer’s Fit hat das Unternehmen ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement etabliert. Davon profitieren derzeit die 750 Mitarbeiter in allen Osnabrücker Firmen der Unternehmensgruppe. Eine Ausweitung auf weitere Standorte ist in die Wege geleitet.

Real SB Warenhaus in Passau erhielt eine Auszeichnung für eine Vorrichtung zum schnellen Aufschneiden mehrerer Brötchen.

Der Realmarkt in Passau: An der heißen Theke des Marktes erfreuen sich aufgeschnittene Semmeln belegt mit Leberkäse großer Beliebtheit. Die Semmeln sind neuerdings auch aus Sicht der Arbeitssicherheit eine feine Sache: Das Aufschneiden erfolgt seit einiger Zeit mit einer Brötchen-Aufschneidevorrichtung – Verletzungsrisiko gleich Null. Vor dem Einsatz der Vorrichtung wurden die Brötchen einzeln von Hand aufgeschnitten. Bis zu 1000 Mal am Tag wurde das Messer gefährlich nah an den Fingern vorbei geführt.

Verladehilfe für kippgefährdete Spaltbandringe

Arcelormittal Auto Processing Deutschland mit Sitz in Neuwied präsentiert sich mit einer Verladehilfe für kippgefährdete Spaltbandringe.

Am Standort Neuwied von Arcelormittal werden fast täglich schmale Spaltbandringe auf Lkw verladen. Von dieser Schwerlast geht eine erhebliche Kippgefahr aus. Bei einem Umkippen hätte der Mitarbeiter keine Chance aus der Fahrzeugmulde im Gefahrenbereich zu entkommen. Dank der Verladehilfe, die vor einiger Zeit in der Neuwieder Niederlassung entwickelt wurde, ist ein seitliches Wegkippen der Spaltbandringe nun nicht mehr möglich. Das bedeutet: Der Mitarbeiter, der die Spaltbandringe sichert, befindet sich jetzt immer auf der sicheren Seite. Die Idee für die Verladehilfe hatte Betriebsleiter Jürgen Letschert. Das zweiteilige Sicherheitsgestell macht das Arbeiten auch für den Fahrer des Lkw, der die Spaltbandringe im Regelfall sichert.

Ein weiterer Preis ging an Rewe Zentralfinanz in Köln für ein Projekt für Beschäftigte in kritischen Lebensphasen.

Die Rewe-Zentralfinanz in Köln ist ein bedeutendes Unternehmen unter dem Dach der Rewe Group. „Los! Lebensphasenorientierte Selbsthilfekompetenz“ heißt ein aktuelles Projekt, das die seelische Gesundheit aller Rewe-Beschäftigten im Fokus hat. Es ist ein Konzept, wie Mitarbeiter in belastenden Lebenssituation, sei es im beruflichen oder privaten Bereich, unterstützt werden können.

In den Bereich Hafenumschlag führte das Hamburger SCA Servicecenter Altenwerder mit einer Absturzsicherung an Kaikanten.

Das HHLA Container-Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen: eines der weltweit modernsten Terminals mit hochautomatisiertem Hafenumschlag. Das zuverlässige Funktionieren der komplexen Technik des Hafenbetriebs gewährleisten derzeit rund 150 Mitarbeiter der SCA Service Center Altenwerder. Zum beruflichen Alltag der Instandhaltungs-Profis gehören Wartungsarbeiten an den Kranfahrwerken der Containerbrücke. Hier wird direkt an der Kaikante gearbeitet. Ein Absturz wäre lebensbedrohlich. Gefährlich sind sowohl die Fender an der Kaimauer als auch das Elbwasser mit seiner starken Strömung. Neben dem Risiko des Ertrinkens können im Winter zudem Eisschollen zur Gefahr werden. Seit einiger Zeit sorgt ein mobiles Schutzgeländer direkt an der Kaikante davor, dass man nicht mehr abstürzen kann. Bevor dieses Geländer zum Einsatz kam, war eine Schwimmweste Pflicht. Zusätzlich mussten sich die Mitarbeiter mit einem Gurt absichern. Besonders bei größeren Bauteilen war diese Form der Sicherung beschwerlich und zeitaufwändig.

Der Preis für hervorragende Leistungen von Auszubildenden erhielt Geodis Logistics Deutschland in Luedinghausen für einen Sicherheitsquiz für neu eingestellte Beschäftigte.

Die wichtigsten Sicherheitsvorschriften werden neueingestellten Beschäftigten seit Kurzem auch in Form eines Sicherheitsquiz vermittelt. Das Quiz wurde von einer Azubi-Projektgruppe des Logistikunternehmens entwickelt. Am Anfang des Quiz stand ein Video zum Thema Sicherheit, das die Azubis unter Anleitung ihres Ausbilders erstellten. Immerhin einen Nutzen hatte das Video: Aus den bewegten Bildern griffen die Azubis die Standbilder für das Quiz heraus.

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