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Logistikmärkte BRIC-Krise: Intralogistiker nicht überrascht

| Redakteur: Robert Weber

Zur Zeit diskutieren die Staatenlenker der G20 über Syrien und die Weltwirtschaft. Vor allem die BRIC-Staaten machen den Politikern und der Wirtschaft sorgen. MM Logistik sprach mit Sascha Schmel, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik, über die Situation deutscher Unternehmen vor Ort.

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(Bild:Marcin n unter GNU Lizenz CC BY-SA 2.5, wikipedia.de)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat diese Woche seine Wachtumsprognosen für die BRIC-Staaten zurückgestuft. Schon seit einigen Wochen kämpfen die Länder um ausländisches Kapital, das abfließt. Ein Leidtragender ist vor allem Indien. MM Logistik wollte vom VDMA wissen, wie sich die IWF-Prognosen auf die Intralogistiker auswirken.

MM Logistik: Die BRIC-Staaten schwächeln. Was bedeutet das für die Intralogistik?

Sascha Schmel: Für Intralogistiker dürften die Zahlen wenig überraschend sein. Bereits 2012 waren die Geschäfte in den BRIC-Staaten rückläufig. Das gilt jedoch nicht für alle vier Länder gleichermaßen. In Russland konnten die deutschen Hersteller vergangenes Jahr ihre Exporte um 6 % auf knapp 732 Mrd. Euro steigern. Negative Entwicklungen gab es in den anderen drei Ländern. In China verbuchten die deutschen Hersteller 2012 im Vergleich zu 2011 22 % weniger Exporte. Dieser Abwärtstrend konnte im bisherigen Jahresverlauf 2013 schon wieder etwas abgebremst werden. Brasilien hat 2012 knapp 18 % eingebüßt und Indien sogar fast 41 %. Gerade in diesen beiden Ländern ist der Erfolg für die Intralogistiker von politischen, wirtschaftlichen Entscheidungen und Strukturmaßnahmen abhängig, die ins Stocken geraten sind oder noch gar nicht aufgesetzt wurden. Von daher muss man schauen und abwarten, wie sich die Länder in dieser Hinsicht künftig weiterentwickeln.

MM Logistik: Rücken also die nationalen Märkte wieder zurück in den Fokus und welche Rolle spielt die USA?

Sascha Schmel: Traditionell ist das Auslandsgeschäft stärker als das Inlandsgeschäft. Im ersten Halbjahr 2013 konnten die Hersteller ihren Auftragseingang im Inland spürbar steigern. Es ist aber durchaus sinnvoll, nicht nur Deutschland zu betrachten, sondern das Bild auf ganz Europa auszuweiten. Denn gemessen an den Exporten ist Europa der wichtigste Markt für die deutschen Intralogistiker. Knapp die Hälfte aller Ausfuhren geht in die EU und die anderen europäischen Länder – das heißt ein wichtiger und vor allem stabiler Pfeiler für die Unternehmen der Branche. Erst danach kommen die internationalen Märkte – Ostasien (mit China) gefolgt von Nordamerika. Gerade die USA hat letztes Jahr mit einem Plus von 20 % für die deutschen Hersteller überrascht. Weltweit tätige Intralogistiker haben also das Minus in China mit dem Plus in den USA ausgeglichen. Von daher sind die Vereinigten Staaten aktuell ein attraktiver Markt.

MM Logistik: Was rät der VDMA seinen Unternehmen in Bezug auf die drohende Schwächephase der BRIC-Nationen?

Sascha Schmel: Die Intralogistiker waren ja bereits letztes Jahr schon von Rückgängen in den BRIC-Staaten betroffen. Wichtig ist in jedem Fall, flexibel zu sein und die Aktivitäten global auszurichten. Beides ist aus unserer Sicht für die Anbieter kein Problem. Die Mitgliedsunternehmen haben die Märkte ständig im Blick und beobachten die Entwicklungen genau. Das tun wir im Übrigen auch und haben mit den VDMA-Büros in Brasilien, Russland, Indien und China auch vor Ort Möglichkeiten, die deutschen Unternehmen zu unterstützen.

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