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Expertenbeitrag

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group

Die Geschichte des Internets Das größte Netzwerk der Welt

| Autor: Sebastian Hofmann

3,4 Mrd. Internetnutzer gibt es heute auf der ganzen Welt. Ursprünglich bestand das Word Wide Web jedoch aus einem Zusammenschluss von nur vier Geräten. Es entstand aus einem Projekt, mit dem die Amerikaner ihre Vorherrschaft in der Raumfahrt absichern wollten.

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Facebook verzeichnet mittlerweile fast 1,6 Mrd. aktive Nutzer pro Monat. Die Entstehung des sozialen Netzwerks hat den Wandel von Web 2.0 zu Web 3.0 wesentlich beeinflusst.
Facebook verzeichnet mittlerweile fast 1,6 Mrd. aktive Nutzer pro Monat. Die Entstehung des sozialen Netzwerks hat den Wandel von Web 2.0 zu Web 3.0 wesentlich beeinflusst.
(Bild: (gemeinfrei), coffebeanworks, Pixabay)

Die Geschichte des Internets beginnt mit einem Raketenstart im Oktober 1957. Damals gelingt es der Sowjetunion als erstem Land der Welt, einen Satelliten ins All zu befördern. Für die USA ist der Erfolg der Sputnik-Mission ein Schlag ins Gesicht. Die Amerikaner reagieren gereizt, kommen aber nicht umhin, Schwachstellen in der eigenen Weltraumforschung zuzugeben. Sie sind dabei, das Rennen um die Vormachtstellung in der Raumfahrt zu verlieren. Um nicht weiter abzufallen, gründet man 1958 schließlich die Advanced Research Projects Agency (ARPA). Als Teil des US-Verteidigungsministeriums soll sie Defizite in der amerikanischen Weltraumforschung beheben und wissenschaftliche Erfolge erzielen.

Diese Vorgaben will man unter anderem durch die Anschaffung mehrerer Großrechner für Hochschulen und Universitäten erreichen. Die Geräte sind für damalige Verhältnisse zwar leistungsstark, nehmen jedoch viel Platz ein, sind nur von hochspezialisierten Fachkräften bedienbar und außerdem enorm kostspielig. Ein Großrechner ist in etwa so wertvoll wie ein komfortables Einfamilienhaus. Die Nutzung der Rechenzentren muss also zeit- und kostensparend gestaltet werden. Man plant deshalb die Vernetzung von zunächst vier und mittelfristig von 19 Geräten. Auf eine ARPA-Ausschreibung 1968 hagelt es jedoch Absagen. 90 % aller Unternehmen in der Branche, darunter IBM und AT&T, sind der Meinung, das Projekt sei unmöglich durchzuführen.

1969 gelingt es dem Technikkonzern BNN schließlich doch, mehrere Rechner in Utah und Kalifornien miteinander zu verbinden. Das so genannte Arpanet wird geboren. Per Telnet-Protokoll lassen sich Rechner gegenseitig durch textbasierte Ein- und Ausgabe fernsteuern. Das bidirektionale Kommunikationssystem ist 8-bit kodiert und verschickt ASCII-formatierte Daten. Bereits zwei Jahre später kann durch technische Fortschritte ein Verbund von 23 Rechnern erzeugt werden. Immer größere Netzwerke ermöglicht schließlich die Ausbildung der Kommunikationssprache TCP durch den Mathematiker Robert Kahn und den Computerspezialisten Vinton Cerf. Das Transmission Control Protocol (heute als TCP/IP bekannt) kann Datenverluste erstmals deutlich reduzieren und Dateien und Datenströme effektiv aufteilen. Ein Netzzugang ist jedoch trotzdem noch überaus teuer und kostet rund 100.000 US-Dollar pro Jahr.

Anfänge digitaler Kommunikation

Zur Plattform für die breite Masse wird das Internet schließlich durch die Erfindung des BNN-Mitarbeiters Raymond Tomlinson. 1972 ist es Nutzern mithilfe seiner neuartigen E-Mails möglich, digital Nachrichten auszutauschen. Tomlinson greift auf das @-Zeichen zurück, um Rechneradresse und Adressatendaten voneinander abzugrenzen. Die Erfindung ist letztendlich auch die Grundlage für die Entwicklung des Usenets. Bald reichen ein Unix-Rechner und ein Telefonanschluss aus, um in Foren und auf Diskussionsplattformen zu kommunizieren.

Zusehends entstehen parallel auch außerhalb der USA vergleichbare Netzwerke. Etwa das PSS in Großbritannien, das Transpac in Frankreich oder das European Academic Research Network in Darmstadt läuten die Digitalisierung auch in Europa ein. Weltweit werden alte und neue Netzwerke durch Tiefseekabel verbunden. Die Entwicklung des Internets ist von nun an auch treibende Kraft der Globalisierung. 1981 gibt es bereits 500.000 Internetnutzer weltweit. Um dieser wachsenden Zahl gerecht zu werden, entwickelt man Top Level Domänen (TLD), die der genauen Adressierung vernetzter Rechner dienen. Neben den traditionellen Länderkennzeichen, etwa „.de“ und „.at“, existieren auch generische TLD, zum Beispiel „.com“ oder „.net“.

Das World Wide Web

Für den technischen Durchbruch des Internets, sorgt letztendlich Timothy Beners-Lee im Jahr 1989. Ursprünglich nur zu dem Zweck entworfen, eine 7.000-köpfige Projektgruppe am schweizerischen Cern auf den gleichen Wissensstand zu bringen, erfindet der Informatiker das World Wide Web. Kurze Zeit später, 1991, veröffentlicht er schließlich WWW-Software. Die Hypertext Markup Language (HTML) ist eine Auszeichnungssprache, die auch heute noch zur Programmierung verlinkbarer Internetseiten dient. Mithilfe verschiedener Tags definiert sie Überschriften, Aufzählungen und letztendlich die Seitenstruktur einer Website. Der Browser kann die HMTL-Daten lesen und Inhalte darstellen. 1996 verzeichnet man nicht zuletzt dank dieser Erfindung eine Million Internetnutzer in der ganzen Welt.

Zwei Jahre später leitet dann die Gründung von Google (heute Alphabet) den Wandel von Internet 1.0 zu Internet 2.0 ein. Die Bedeutung rein statischer (HTML-)Seiten nimmt ab. Nutzergenerierte Inhalte, die Intelligenz der Masse, Tagging und Interaktion rücken in den Vordergrund. Im Rahmen des SETI@Home-Projekts werden 1999 erstmals unzählige privat genutzte Rechner miteinander verknüpft, um die gemeinsame Rechenleistung zu Nutzen. Per Radioteleskop gemessene Daten zu außerirdischem Leben sollen ausgewertet werden. Ein Großrechner bräuchte für diese Arbeit mehrere Jahrhunderte.

Heute hat das Internet rund 3,4 Mrd. Nutzer weltweit. Durch das Auftreten von Social Media Plattformen wie Facebook (2004), Youtube (2005) oder Twitter (2006) hat es sich in den vergangenen Jahren ein weiteres Mal gewandelt. Zusätzlich zur verstärkten Interaktivität der Nutzer geht es heute im Web 3.0 um die intelligente Verknüpfung bestehender Inhalte. Das Semantische Web ermöglicht uns ortsbasierte Suchanfragen, individuell auf den Nutzer zugeschnittene Datenverarbeitung und die intelligente Verknüpfung von Geräten aller Art.

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