Auto-ID Daten im Warenein- und -ausgang automatisch per Kamera erfassen

Autor / Redakteur: Olaf Hilgenfeld / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Intralogistiker können durch den Einsatz von Hochleistungs-Kamerasystemen bei der Datenerfassung ihre Prozesse dokumentieren und optimieren, die Durchlaufzeiten verkürzen und damit die Kosten senken. Durch das Videocoding lässt sich dabei eine 100%ige Leserate erzielen.

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Je nach Bedarf – manuelle, halb- oder automatische Datenerfassung mit Kamerasystemen.
Je nach Bedarf – manuelle, halb- oder automatische Datenerfassung mit Kamerasystemen.
(Bild: Vitronic)

Vipac-Hochleistungs-Kamerasysteme von Vitronic erfassen automatisiert Karton- oder Behälterdaten im Wareneingang und -ausgang. Neben wichtigen Daten zur Auftragsabwicklung können Abmessungen und Gewicht der Waren ermittelt, Defekte an Kartons erkannt, Retourengründe erfasst und Versand sowie Kommissionierung kontrolliert werden (Bild 1). Die Systeme sind modular aufgebaut und erfassen alle relevanten Informationen zu den Packstücken an nur einer Stelle. Diese Informationen fließen direkt in ERP-Systeme ein und können dort automatisch weitere kunden- oder objektbezogene Prozesse auslösen.

Universeller Einsatz zur Kontrolle am Wareneingang

Vipac-Kamerasysteme ermöglichen eine kombinierte Datenerfassung aller für die Wareneingangskontrolle erforderlichen Daten unterschiedlicher Packstücke, zum Beispiel in der Retouren- oder Kartonerfassung.

Bildergalerie
  • 1. Daten zur Auftragsabwicklung
  • Vipac-Kamerasysteme erfassen kleinste Barcodes mit Laseraten, die gegenüber Laserscannern deutlich höher sind.
  • Ein weiteres Beispiel sind PDF-417- oder Data-Matrix-Codes, sogar mehrere Codes neben- oder untereinander. Die Anzahl der Codes pro Lesung ist wie bei Barcodes unbegrenzt.
  • In Kombination mit leistungsfähiger eigener OCR-Software ist per Kamera das automatische Erfassen von Hand- und Maschinenschrift möglich, zum Beispiel die Adresse (PLZ, Stadt, Straße, Hausnummer), Produktnummern, Mengenangaben und Lieferantennummern. Auch hier können gleichzeitig neben Klarschrift auch Codes gelesen werden.
  • Erfassung von bis zu sechs Seiten: Auf der Unterseite wird zwischen zwei Förderbändern eine zusätzliche Kamera installiert. Diese erfasst Daten auf der Unterseite der Ware. Grundsätzlich lassen sich Daten auf bis zu sechs Seiten des Packstücks erfassen.
  • 1. Volumen und Gewicht
  • Mit dem 3D-Volumenmesssystem Vipac D kann das Volumen von quaderförmigen Objekten wie Paketen, Paletten oder auch Großstücken und beliebig geformten Packstücken zuverlässig erfasst werden – auch über Quergurt- und Schalensortern.
  • Vipac W ist eine ins Förderband integrierte, zertifizierte Hochleistungswaage, mit der Objekte im Durchlauf gewogen werden können.
  • 1. Konturen prüfen und Defekte an Kartons erkennen
  • In Distributionszentren werden Tag für Tag unzählige Waren in Kartons mit unterschiedlichen Abmessungen angeliefert. Bei der Einlagerung in automatische Kartonlager sollten beschädigte Kartons, beispielsweise mit Ausbauchungen und Eindellungen, durch eine automatisierte Konturenprüfung schon im Wareneingang erkannt und aussortiert werden. Im anderen Fall drohen Fehlfunktionen der automatischen Lagertechnik und der Warendurchsatz verringert sich. Darüber hinaus kann aus deformierten Kartons auf eventuell beschädigte Waren geschlossen werden, die damit noch vor der Einlagerung überprüft und bei Bedarf aussortiert werden können.
  • Vipac-D2-Kamerasysteme (Bild 3) erfassen im Durchlauf und mit Durchlaufgeschwindigkeiten von bis zu 3 m/s die Oberflächen und Konturen der transportierten Objekte. Dabei werden sowohl quaderförmige als auch nicht quaderförmige Objekte mit beliebiger Drehlage auf der Förderstrecke erfasst und vermessen. Das System setzt laserbasiert pro Objekt mehrere Tausend Messpunkte und berechnet daraus Länge, Breite und Höhe sowie das Volumen des Kartons. Mit einer zusätzlichen Softwarefunktion können Abweichungen von der idealen Kartonform erfasst werden. Dazu wird der kleinste umschließende Quader des Kartons berechnet und als Grundlage zum Erkennen von Deformationen genutzt.

Auch im Warenausgang hält automatisierte Erfassung alles unter Kontrolle

Auch im Warenausgang bieten Kamerasysteme die perfekte Grundlage zur automatisierten Erfassung wichtiger Daten und zur Prozessoptimierung:

  • 1. Kommissionierungskontrolle
  • Aus verschiedenen Einzelpackstücken werden komplette Versandeinheiten (Kartons oder Paletten) zusammengestellt. Kameras identifizieren und dokumentieren so die zu kommissionierende Ware sowie die fertig zusammengestellte Versandeinheit.
  • 1. Versandkontrolle
  • Zur Versandkontrolle erfassen die Kamerasysteme beispielsweise Barcodes im offenen Karton. Darüber hinaus übernimmt die Gewichtsmessung eine weitere Kontrollfunktion und vereinfacht die Kapazitätsplanung der Transportflotte. Sowohl bei der Kommissionierungs- als auch bei der Versandkontrolle können Daten aus dem ERP-System genutzt werden.
  • 1. Leerbehälterkontrolle
  • Wurden alle Waren tatsächlich richtig und vollständig kommissioniert und verpackt? Die kamerabasierte Kontrolle der Leerbehälter gibt auch darüber Aufschluss und sorgt dafür, dass Fehler beim Versand rechtzeitig erkannt und behoben werden können.

Flexibler Einsatz der Kamera erfolgt je nach Bedarf

Je nach den individuellen Anforderungen können Daten auf Transportverpackungen auf unterschiedliche Art und Weise kamerabasiert erfasst und effizient für Folgeprozesse genutzt werden.

Manuelle Datenerfassung mit Vicam-Mobile OCR: Daten von Waren (zum Beispiel Großgut) werden manuell am Handarbeitsplatz per Handkamera erfasst (Kamera zur Ware).

Halbautomatische Datenerfassung mit Vicam-Snap: Daten werden am Handarbeitsplatz erfasst, während die Waren (Kleingut) manuell durch das Lesefeld einer Matrixkamera bewegt werden (Ware zur Kamera).

Automatische Datenerfassung mit Vicam-SSI2: Fest installierte Zeilenkameras sind an Förderanlagen in den automatischen Prozess integriert. Die Daten der Packstücke werden automatisch auf bis zu sechs Seiten im Durchlauf erfasst (auch die Unterseite des Packstücks kann während des Durchlaufs gelesen werden).

Vipac-Systeme mit Vicam-Kameras lassen sich an jeder beliebigen Stelle in die Prozesskette integrieren – inklusive Volumenmessung, Konturenprüfung und Gewichtskontrolle – und sorgen für maximale Leseraten und minimale No-Reads.

100 % Leserate durch Videocoding per manueller Dateneingabe

Mit Videocoding lässt sich automatisch nicht lesbare Information manuell eingeben und die Leserate der Vipac-Systeme auf 100 % steigern. Videocodierstationen (Arbeitsplätze mit PC) können an zentraler Stelle im Unternehmen oder als Handarbeitsplätze direkt an den Förderbändern installiert werden (Bild 2).

Je nach Qualifikation des Mitarbeiters und Anzahl der zu ergänzenden Datenfelder sind Kodierleistungen bis zu 1000 Objekte pro Stunde und Station realisierbar. Dies reduziert die Handlingstückkosten und steigert die Produktivität der Mitarbeiter.

Mit kamerabasierten Vipac-Systemen lassen sich Informationen für gezielte Prozessoptimierungen archivieren. Damit können Ursachen für nicht identifizierte Objekte nachträglich analysiert und abgestellt werden. Beispielsweise können Falschauflegungen (Barcode auf einer Paketseite, die nicht von einer Kamera erfasst wird) erkannt und durch Bedienerschulungen abgestellt werden. Darüber hinaus lassen sich auch Zulieferer ausfindig machen, die falsche oder unleserliche Codes verwenden (Bild 4).

Eine webbasierte Monitoring-Software ermöglicht die Archivierung von Leseergebnissen (Codes und Klarschrift), Objektinformationen (wie Volumen und Gewicht), Bildinformationen (Name, Größe/Pixelanzahl) sowie Systeminformationen (Kamerastation, Videocodierstation).

Über ein solches Monitoringsystem lässt sich etwa feststellen, ob sich die Codes der Etiketten außerhalb der Spezifikation befinden, ob Umreifungsbänder den Lesevorgang stören oder ob Barcodes verdeckt sind. Die Ergebnisse der Analyse können dem Codelieferanten zur Korrektur zur Verfügung gestellt werden. Die Archivierung von Bildern bietet generell die Möglichkeit, automatische Prozesse zu dokumentieren.

* Dipl.-Ing. Olaf Hilgenfeld ist Senior Product Manager Vipac bei der Vitronic Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme GmbH in 65189 Wiesbaden

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