Stammdatenmanagement Datenqualität bestimmt Erfolg der Unternehmensplanung

Autor / Redakteur: Ulrich W. Schamari / Claudia Otto

Jegliche Unternehmenssoftware basiert auf der Verwendung von Datenbanken, in denen die Informationen strukturiert abgelegt, verwaltet und verknüpft werden. Der Erfolg des Einsatzes von Unternehmenssoftware hängt somit von der Qualität der Stammdaten ab, auf die diese Systeme zurückgreifen.

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„Datenqualitätsmängel sind wie eine chronische Krankheit“, warnt Matthias Knapp, Inhaber von Knapp-Consult.
„Datenqualitätsmängel sind wie eine chronische Krankheit“, warnt Matthias Knapp, Inhaber von Knapp-Consult.
(Bild: Knapp Consult)

Nach einer Trendstudie der Universität Heilbronn sind 87 % der produzierenden Unternehmen bemüht, die Qualität ihrer Stammdaten zu verbessern. „Es gibt also eine Aktivität in diese Richtung, woraus man sehen kann, dass die Firmen wissen, was sie von der Stammdatenqualität haben“, erklärte Wolfgang Wilkes von der Fernuniversität Hagen auf einem Informationstag des VDMA zum Thema Stammdatenmanagement in Frankfurt. Bestätigt werde diese Einschätzung dadurch, dass 80 % der Befragten von den negativen Auswirkungen einer schlechten Datenqualität überzeugt waren.

Wie man Materialstammdaten in SAP einfach und schnell anlegen kann, beschrieb Joachim Bremer vom Extrusionsanlagenbauer Reifenhäuser. „Wir nutzen sehr viele von den SAP-Modulen und haben 2012 in allen fünf Werken gleichzeitig mit der Umstellung begonnen“, berichtete er. Mit dem Start sei man sehr zufrieden gewesen, was nicht zuletzt an der Qualität der vorhandenen Daten gelegen habe. Vorteilhaft am neuen System sei vor allem gewesen, dass es während der Migration der Altdaten die Gelegenheit zur Überarbeitung beziehungsweise zum Weglassen bieten konnte.

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Kein Wissen ohne Daten

Zum Erfolgsfaktor Datenqualität referierte Matthias Knapp, Knapp-Consult, unter dem Motto „Kein Wissen ohne Daten“. Er warnte: „Datenqualitätsmängel sind wie eine chronische Krankheit.“ Basis des Erfolgs seien gute Informationen, die zu richtigen Entscheidungen führten, wenn es etwa um die Abwicklung von Aufträgen, die Planung und Bewertung von Produktionsprozessen oder die Erfüllung behördlicher Vorgaben gehe. Um die gewünschten Informationen in einer Datenbank zuverlässig zu finden, müsse man Objekte und deren Beschreibungen standardisieren und beim Stammdatenmanagement analog zum Qualitätsmanagement in der Produktion verfahren.

Dass die Datenstandardisierung eine absolute Notwendigkeit darstellt, bestätigte Sebastian Cordes von Cideon Systems. Er verwies auf die Mechatronik im PLM des Maschinen- und Anlagenbaus, wo Anlagenmechaniker und Elektrotechniker nicht selten Koordinationsprobleme bei der Arbeit an gemeinsamen Projekten haben. „Es gibt eine unterschiedliche Strukturierung der Daten zwischen den beiden Systemen Maschinenbau und Elektrotechnik“, gab er zu bedenken. Um jedoch die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit in Planung und Entwicklung effektiv gestalten zu können, bedürfe es einer integrierten, standardisierten Datenbasis.

Das Dilemma der unzuverlässigen Datenerfassung bei komplexen Entwicklungsprozessen verdeutlichte Axel Schmied von Sage Bäurer anhand der Frage: „Wie bringen wir den Konstrukteur dahin, zu verstehen, dass von ihm eingepflegte Daten wichtig sind, auch wenn er sie niemals für sich selbst braucht?“ Weil solche Erfordernisse nur unzureichend berücksichtigt würden, verschwendeten europäische Firmen laut einer Sage-Studie 9,6 Mrd. Euro durch ungenutzte Software. Die Lösung solcher Probleme liege in effektivem Workflow-Management und im Wecken von Verständnis bei den am Entwicklungs- oder Produktionsablauf Beteiligten.

Daten müssen gute Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt ermöglichen

Zu geringe Benutzerfreundlichkeit ist laut Stefanie Barbiero von Sage Bäurer eine wesentliche Ursache für ineffektive Softwareanwendung. Die Programme müssten so gestaltet sein, dass man anhand des genutzten Datenmaterials gute Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen könne. „Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Effizienz der gesamten ERP-Infrastruktur und der Wirtschaftlichkeit, dem Umsatzwachstum und dem geplanten Wachstum eines Unternehmens“, analysierte sie. Ein wichtiges Merkmal erfolgreicher Datensysteme sei die Möglichkeit des Zugriffs auch dann, wenn man sich nicht am Arbeitsplatz aufhalte.

Insbesondere für international operierende Unternehmen mit Niederlassungen in mehreren Ländern ist der Zugriff auf gemeinsame Daten elementar, weil erst dadurch Synergie-Effekte genutzt werden können. Johann Kreidl von Netzsch Pumpen & Systeme schilderte, wie das Produktdatenmanagement in einem international vernetzten Unternehmen des Mittelstands aussieht: „Wir haben eine Struktur mit einem relativ gleichartigen Produktmanagement in den verschiedenen Werken, auf die man von überall zugreifen kann.“ Die Kommunikation von Daten und ihre Aufbereitung vollzögen sich daher recht problemlos.

* Ulrich W. Schamari ist freier Journalist in Frankfurt am Main

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