Logimat

Den Messebesuch so effizient wie möglich gestalten

| Redakteur: Bernd Maienschein

Die Fachmesse Logimat auf dem Stuttgarter Messegelände hat sich zur größten jährlich stattfindenden Intralogistikmesse Europas gemausert.
Die Fachmesse Logimat auf dem Stuttgarter Messegelände hat sich zur größten jährlich stattfindenden Intralogistikmesse Europas gemausert. (Bild: Euroexpo)

Nach 15 Jahren als „Messemacher“ der Logimat verantwortet Peter Kazander inzwischen insbesondere den Aufbau der Logimat China in Shanghai. Wir sprachen mit dessen Nachfolger, Michael Ruchty, über die erste Logimat unter seiner Leitung, weiteres Messewachstum und den zunehmenden Anteil ausländischer Aussteller und Besucher.

Mit dem Slogan „Intralogistik aus erster Hand – intelligent, effizient, effektiv“ geht die Logimat vom 19. bis 21. Februar 2019 in ihre mittlerweile 17. Runde. Nach jahrelangem stetigen Wachstum stößt man auf dem Stuttgarter Messegelände inzwischen an die Grenzen des Machbaren – eine Erweiterung des Messegeländes steht deshalb für den neuen Messechef Michael Ruchty ganz oben auf seiner Wunschliste.

Herr Ruchty, die Logimat platzt aus allen Nähten. Sie haben neu die Halle 2 und die Galerie in Halle 1 in die Aufplanung mit einbezogen. Damit ist die Kapazität in Stuttgart aber erschöpft ...

Michael Ruchty: Es wird in der Tat von Jahr zu Jahr schwieriger und wir haben dieses Jahr wirklich alles möglich gemacht, um die Wünsche unserer Aussteller weitestgehend umzusetzen – immer mit dem Anspruch, dem Besucher einen vollständigen Marktüberblick zu bieten. Jedes Jahr stellt uns vor neue Herausforderungen, die wir bisher letztendlich aber immer gelöst haben. Ich denke jetzt erst einmal an eine gute Veranstaltung in 2019 und danach gehen wir in die Planung fürs nächste Jahr. Die Messe Stuttgart ist in Vorbereitung für den Bau der Halle 11, die wir dann voraussichtlich ab dem Jahr 2023 nutzen können.

Es heißt ja, Produktion und Logistik wachsen immer weiter zusammen. Stimmen Sie da zu?

Ruchty: Auf jeden Fall, denn betrachtet man die Wertschöpfungskette im Sinne einer ganzheitlichen Supply Chain, gehören der Einkauf, die Produktion und der Transport mit dazu. Alles greift ineinander und es findet ein enger Austausch aller am Gesamtprozess Beteiligten statt, um Ressourcen und Kosten zu sparen. Um dies zu erreichen, müssen Prozesse ineinandergreifen.

Michael Ruchty: „Wir werden mit 1600 internationalen Ausstellern aus mehr als 40 Ländern ein erneutes Wachstum hinlegen.“
Michael Ruchty: „Wir werden mit 1600 internationalen Ausstellern aus mehr als 40 Ländern ein erneutes Wachstum hinlegen.“ (Bild: Euroexpo)

„Logimat“ steht ja seit Anbeginn für Wachstum. Werden Sie 2019 die 1564 Aussteller aus dem Vorjahr erneut toppen können?

Ruchty: Das haben wir dank der Hinzunahme von Halle 2 tatsächlich geschafft und werden im Februar mit über 1600 internationalen Ausstellern aus mehr als 40 Ländern ein erneutes Wachstum hinlegen. Besonders freut es mich, dass über 200 Neuaussteller dabei sind, die das Besucherpublikum entdecken kann. Trotz dieser Größe haben wir die Hallen sehr gut strukturiert, um dem Besucher eine bestmögliche Orientierung zu geben. Entscheidend bleibt, dass er den Messebesuch für sich so effizient wie eben möglich gestalten kann.

Hatten Sie in der Messevorbereitung eigentlich Probleme mit der neuen Datenschutz-Grundverordnung?

Ruchty (lacht): Ja, dass die neue DSGVO am 25. Mai 2018 in Kraft trat und wir bei der Logimat Ende Mai traditionell einen Großteil an Ausstelleranmeldungen erhalten, war zeitlich nicht so toll. Nein, im Ernst: Das Thema ist wichtig und beschäftigte wahrscheinlich nicht nur unser Unternehmen intensiv. Es gibt einige neue Spielregeln, die wir selbstverständlich einhalten. Probleme in der Messevorbereitung gab es aber zum Glück keine.

Auf Besucherseite ist der Auslandsanteil von 13 % noch vor zehn Jahren auf inzwischen 20 % angewachsen. Worauf führen Sie das zurück?

Ruchty: Auf die allgemeine Entwicklung der Messe und die Anforderungen der Wirtschaft gerade auch im Zeitalter der Digitalisierung. In der Intralogistik steckt enormes Potenzial. Produkte und Lösungen sind wichtige Stellschrauben für Schnelligkeit und Kosteneffizienz und damit letztendlich für das Unternehmenswachstum. Auf der Logimat begrüßen wir mittlerweile Besucher aus über 70 Nationen. Die Nähe zum Flughafen, nur wenige Meter vom Messegelände entfernt, macht die Anreise auch für einen Tag interessant, wenngleich dieser – aufgrund der Größe des Angebotes – meistens ohne gute Planung nicht ausreicht. Es hat sich in der Logistikwelt herumgesprochen, dass sich die Welt der Intralogistik jedes Jahr im Frühjahr in Stuttgart trifft. Der Besuch der Logimat lohnt sich, was dieses Wachstum belegt, und das freut mich sehr.

Nicht nur Besucher, sondern auch die Aussteller kommen verstärkt aus dem Ausland – im vergangenen Jahr jedes vierte Unternehmen. Warum stammen davon immer mehr aus Übersee?

Ruchty: Die Kreise werden immer größer. Ich habe selbst manchmal darüber gestaunt. Was für die Besucher gilt, das gilt aber auch für die Aussteller. Sie hören von der Veranstaltung und wollen dabei sein. Die Logimat hat eine Magnetwirkung bis nach Übersee, was uns alle sehr freut. Sie ist und bleibt aber die Messe für all diejenigen, die in Zentraleuropa Geschäfte machen wollen.

Haben die digitale Transformation und Themen wie Industrie 4.0 Auswirkungen auf Ausstellerseite – ich meine, im Hinblick auf neue Aussteller aus Branchen, die die Logistik gerade als ihre „Spielwiese“ entdecken?

Ruchty: Es gibt in allen Hallen zu den unterschiedlichsten Ausstellungsbereichen, von der Verpackung über die Flurförderzeuge bis zur Förder- und Lagertechnik sowie im Bereich Software, neue Trends und Weiterentwicklungen der bisherigen Standardlösungen zu entdecken. Der Trend, der sich überall abzeichnet, ist sicherlich die intelligente Vernetzung der Systeme. Das Internet der Dinge, das heißt durch intelligente Software sich selbst steuernde Systeme, ist mehr und mehr nicht nur in intelligenten Behältern & Co. zu finden. Eine direkt neue Branche konnte ich nicht ausfindig machen. Es sind aber in der Tat sehr viele neue, junge Unternehmen im Markt unterwegs, die sich in allen Ausstellungsbereichen mit dem Thema „Digitale Vernetzung“ auseinandersetzen.

Kostenersparnis, Produktionssteigerung und Rationalisierungspotenzial sind die Kriterien, nach denen alljährlich die Preisträger mit dem Award „Bestes Produkt“ ausgezeichnet werden. Geben Sie uns einen Tipp, aus welchen Branchen die diesjährigen Preisträger kommen?

Ruchty (schmunzelt): Ganz ehrlich, kann ich nicht! Wir erhielten eine Vielzahl an Bewerbungen, die wir direkt an die Jury weitergeleitet haben. Auch ich bekomme erst kurz vor der Logimat die Preisträger mitgeteilt – und das ist auch gut so. Es macht die Sache für alle Seiten fair und neutral. Bei dem Preis „Bestes Produkt“ verlangen wir keine Gebühr und die Jury urteilt völlig eigenständig. Ich freue mich über jede Bewerbung – vor allem, wenn sie genauso vonseiten der Start-ups oder bereits bekannter großer Player kommen. Und ich freue mich auch darüber, dass der Preis in der Branche diesen Stellenwert hat und dass immer wieder hochklassige Bewerbungen eingehen. Jeder ist im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Logimat dazu eingeladen, an der Enthüllung teilzunehmen.

Luftbild des Stuttgarter Messegeländes. Für die Logimat wird es langsam eng am Flughafen, deshalb hofft man dort auf den Neubau der Halle 11 (voraussichtlich bis 2023).
Luftbild des Stuttgarter Messegeländes. Für die Logimat wird es langsam eng am Flughafen, deshalb hofft man dort auf den Neubau der Halle 11 (voraussichtlich bis 2023). (Bild: Euroexpo)

Die parallel stattfindende Tradeworld verleitet Logimat-Besucher sicher zu dem ein oder anderen Abstecher. E-Commerce und Omnichannel sind derzeit in aller Munde ...

Ruchty: Nach wie vor sind die Wachstumsraten im Onlinehandel zweistellig. Die Kompetenzplattform Tradeworld, die in der neuen Halle 2 zu finden ist, zeigt innovative E-Commerce-Konzepte für die Gestaltung, Steuerung und vernetzte Digitalisierung von Handelsprozessen, wie zum Beispiel Onlineshops, Fulfillment, KEP-Dienste und Lösungen zum Retourenhandling. Ein Forum mit eigener Vortragsreihe zu ergänzenden Themen wird außerdem täglich geboten. Darüber hinaus präsentieren aber auch zahlreiche Aussteller in den weiteren Messehallen der Logimat intralogistische Produkte und Systeme für den reibungslosen Ablauf von Handelsaktivitäten. Hierzu zählen Lösungen im Bereich der Kommissionierung, Fördertechnik, Verpackung, Kennzeichnung und IT-Vernetzung.

Die Logimat China wird schon in zwei Monaten (vom Erscheinungstag des Interviews an gesehen, Anm. d. Red.) in Shanghai über die Bühne gehen. Gibt es eine enge Zusammenarbeit mit ihrem „China-Ableger“ und der Messe Stuttgart oder ist das ein komplett anderes Geschäft?

Ruchty: Die Logimat China ist genau wie das Vorbild in Stuttgart eine Arbeitsmesse, das heißt, die Anbahnung von Geschäften steht auch hier im Vordergrund. Der Messebesucher erhält ein tolles Rahmenprogramm direkt in den Hallen und kann Themen später direkt an den Messeständen diskutieren und vertiefen. Er nimmt quasi Lösungsansätze zurück mit in sein Unternehmen. Die Messe Stuttgart ist gemeinsam mit der Euroexpo GmbH Mitausrichter der Veranstaltung und insofern direkt beteiligt. Wichtige Vertreter aus der Wissenschaft, zum Beispiel der von mir sehr geschätzte Prof. Fottner wie auch Prof. Furmans, werden auch vor Ort das Rahmenprogramm mitgestalten. Bei der Logimat China gibt es 2019 einige wichtige Neuerungen. Nach vier Jahren in Nanjing wird diese im kommenden April erstmals in Shanghai stattfinden – und das parallel zur transport logistic China, die von der Messe München veranstaltet wird. Die beiden weltweit größten Logistikmessen unter einem Dach bieten den Besuchern eine Symbiose der Extraklasse.

Herr Ruchty, herzlichen Dank für Ihre Antworten!

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