Suchen

Postunternehmen Der Briefträger wird zum Logistiker

| Redakteur: Jürgen Schreier

In Deutschland wird immer weniger klassische Post verschickt. E-Mails und elektronische Mitteilungen ersetzen vermehrt herkömmliche Geschäftsschreiben und private Briefe. Postunternehmen sollten ihre Stärke als Logistiker und Service-Dienstleister ausbauen, empfiehlt eine Untersuchung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Firmen zum Thema

Mit dem Rückgang des klassischen Briefverkehrs werden Postdienstleister ihre Geschäftsstrategie anpassen müssen.
Mit dem Rückgang des klassischen Briefverkehrs werden Postdienstleister ihre Geschäftsstrategie anpassen müssen.
(Bild: Laila Tkotz/KIT)

Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets werden von vielen Menschen intensiv genutzt. Dies hat einen starken Einfluss auf die Menge und Art der Briefkommunikation. Für Grußkarten, Einladungen, Bestellungen und Rechnungen gibt es elektronischen Ersatz durch E-Mail, SMS oder Web-Formulare von Behörden und Unternehmen.

Vier von zehn Personen in Deutschland verschicken überhaupt keine Papier-Briefe mehr

„Der Anteil der von Privatkunden verschickten Sendungen ist gering und hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen“, so der Soziologe Ulrich Riehm, Projektleiter der Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), das vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT betrieben wird.

Vier von zehn Personen in Deutschland verschicken überhaupt keine Papier-Briefe mehr, ergab eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durch das TAB. „Bis 2020 ist ein Rückgang des Briefaufkommens zwischen 13 und 29 % zu erwarten“, so Riehm.

Postunternehmen könnten auf diese Entwicklung reagieren, indem sie ihre Geschäftsstrategien anpassen und dabei an ihren Stärken ansetzen, heißt es in dem Bericht. Dazu gehörten ihre besonderen Kompetenzen in der Logistik sowie ein über Jahrhunderte erworbenes – und durch das Briefgeheimnis gesetzlich verankertes – Renommee als Übermittler vertraulicher Nachrichten. Hinzu kämen umfassende Kundenkontakte in alle Bereiche der Gesellschaft und die breite Erfahrung mit informationstechnischen Systemen.

Hybride Briefmodelle, die den herkömmlichen Brief mit dem elektronischen verknüpfen, würden ebenfalls in eine solche Strategie passen, stellt die Untersuchung fest. Postunternehmen böten schon jetzt sichere E-Brief-Portale und komplexe E-Brief-Lösungen für Unternehmens- und Privatkunden an.

Postunternehmen könnten Medikamente, Bücher und Lebensmittel ins Haus bringen

Als Spezialisten für Beförderung könnten Postunternehmen neben Briefen und Paketen künftig auch Medikamente, Bücher, Behördenformulare und Lebensmittel ins Haus bringen. Eine solche Ausweitung der Dienste verfolgt bereits die französische Post. „Postboten“ wären als Kontaktpersonen für kranke und ältere Menschen denkbar, die notfalls weitere Hilfen vermitteln. Da ein Rückgang der Briefsendungen mit einem Beschäftigungsabbau einhergehe, bedeutete ein Erweitern des Service-Spektrums zugleich neue Perspektiven für die Mitarbeiter von Postunternehmen.

(ID:42754277)