Güterverkehr

Der Güterzug der Zukunft soll Straßen entlasten

| Redakteur: Katharina Juschkat

Das neue Zugkonzept des DLR soll den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene locken.
Das neue Zugkonzept des DLR soll den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene locken. (Bild: DLR)

Um den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, entwickelt das DLR ein neues Triebwagenprinzip. Der Zug soll autonom fahren können und wesentlich flexibler und schneller als heutige Güterzüge sein. Das kommt auch dem individuellen Transportbedürfnis entgegen.

Der Güterverkehr in Deutschland belastet schon heute die Straßen – vier Fünftel des gesamten Güterverkehrs wird laut statistischem Bundesamt per Lastwagen über Deutschlands Straßen transportiert. Bis 2030 soll er um 40 % steigen, schätzt das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Eine Lösung wäre, den Güterverkehr vermehrt auf Schienen umzulagern. Doch dazu braucht es neue Konzepte.

Flexibler Zug kann kleinteilige Sendungen transportieren

Das DLR hat ein solches jetzt vorgestellt: Der Triebwagenzug NGT Cargo soll teilautonom fahren und sich flexibel mit Einzelwagen zusammenstellen lassen. „So können wir unterschiedliche Güter ressourcenschonend, schnell und ohne viel Personal transportieren“, fasst Projektleiter Joachim Winter vom DLR zusammen. „Aktuell liefern Güterzüge, die nicht rangiert werden und zahlreiche Wagen ziehen, eine einheitliche Frachtmenge von A nach B“, erklärt Winter. In Zukunft werde aber vor allem der Transport von kleinteiligen Sendungen stark zunehmen, deshalb liegt der Fokus der DLR-Wissenschaftler auf einem schnellen, verlässlichen Güterverkehr.

Der Transport einzelner Wagen ist noch sehr aufwendig. Zwischen 30 und 40 % der gesamten Kosten, so teilt der DLR mit, belaufen sich dabei allein darauf, die Wagen zusammenzustellen und zu trennen, abzuholen und zuzustellen. Häufig müssen manuelle Kupplungsvorgänge durchgeführt werden, was zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 km/h führt. Außerdem benötigt jeder Transport etwa fünf Tage Vorlaufzeit, um alles zur Verfügung zu stellen. Der Triebwagen NGT Cargo soll wesentlich flexibler konstruiert werden.

Sensoren ermöglichen autonomes Fahren

Das neue Güterwagenkonzept verfügt über einen Antrieb aus Elektromotoren, die Energie über die Bremsen gewinnen und in einer Batterie speichern können. Die Einzelwagen können selbstständig rangieren und fahren die letzten Kilometer bis zum Kunden autonom. Das ermöglichen Sensoren an den Wagen, über die ständig der aktuelle Standort des Wagens abgerufen wird und dem Kunden detaillierte Informationen geliefert werden können.

Sollen die Einzelwagen in Hochgeschwindigkeit fahren, dann bilden sie einen Verband mit ein oder zwei Triebköpfen. Dieser Triebwagenzug soll auf dementsprechenden Strecken bis zu 400 km/h erreichen, auf den bestehenden Strecken sollen bis zu 200 km/h möglich sein. Winter denkt sogar noch weiter: „ Man könnte den NGT Cargo im interkontinentalen Güterverkehr zwischen Europa und Asien einsetzen und Containerschiffe ablösen.“

Geschlossene, aerodynamisch verkleidete Wagen

Die DLR-Wissenschaftler erarbeiten momentan ein detailliertes Konzept und arbeiten an der Fahrzeugarchitektur und dem Antrieb. Die Wagen des NGT Cargo sollen geschlossen und aerodynamisch verkleidet sein. Die Lücken zwischen den einzelnen Wagen entfallen, was den Fahrwiderstand verringert und für weniger Lärm sorgt. Der NGT Cargo gehört zu dem DLR-Projekt Next Generation Train, das seit zehn Jahren zukunftsweisende Zugkonzepte entwickelt. Dabei will das DLR die Reisezeiten verkürzen, Energie sparen und Lärm verringern.

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