IFOY

Der IFOY-Award ist eine Art Goldmedaille der Logistik

| Redakteur: Bernd Maienschein

Vor den individuellen Tests der Journalisten stand auch bei den 7. IFOY-Testtagen ein Rundgang mit Fünf-Minuten-Clippings, in denen die Kandidaten ihre Produkte und Lösungen kurz vorstellten.
Vor den individuellen Tests der Journalisten stand auch bei den 7. IFOY-Testtagen ein Rundgang mit Fünf-Minuten-Clippings, in denen die Kandidaten ihre Produkte und Lösungen kurz vorstellten. (Bild: IFOY)

Einen Preis beim Wettbewerb „International Intralogistics and Forklift Truck of the Year“ (IFOY) überreicht zu bekommen, ist an sich schon ein Erlebnis mit nachhaltigem Imagegewinn und eine schöne Bestätigung für Geleistetes. Das Ganze noch in der Wiener Hofburg – das dürfte so ziemlich der Gipfel der „intralogistischen Genüsse“ werden.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne... – an diesen Passus aus Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ musste ich unwillkürlich denken, als ich versucht habe, mich an die Umstände zurückzuerinnern, die mein Mittun am IFOY-Award seit Anfang an begründen. Es war ein Anruf von Anita Würmser im Jahr 2013, mir seinerzeit bekannt als erfahrene Logistikjournalistin, der mich in den Kreis der anfangs 14 Juroren aus acht Nationen hievte. Heute bewerten 29 Juroren aus 19 Ländern die intralogistischen Einreichungen. Zeit, den Award für Sie, liebe Leser, einmal im Gespräch mit der Juryvorsitzenden genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Journalistin Anita Würmser ist geschäftsführende Vorsitzende der IFOY-Jury und der Logistics Hall of Fame.
Die Journalistin Anita Würmser ist geschäftsführende Vorsitzende der IFOY-Jury und der Logistics Hall of Fame. (Bild: IFOY)

Frau Würmser, man kann Sie ohne Zweifel als „Mutter des IFOY“ bezeichnen. Beim ersten Durchgang vor sieben Jahren war die Resonanz riesig und heute werden weltweit rund 2500 Artikel über die „Oscars der Intralogistik“, den IFOY, publiziert. Wie sind Sie auf die Idee eines Awards für die Staplerbranche gekommen?

Ich hatte das IFOY-Konzept seit 2004 in der Schublade. Damals wurde genau wie heute viel über das angeblich so schlechte Branchenimage geklagt und viel Energie auf sinnlose Imagekampagnen verwendet. Ich war und bin der Meinung, dass es viel wirkungsvoller ist, die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Materialflussbranche zu zeigen, und zwar weltweit. Leider wollten Mitte der 00er-Jahre die Hersteller von einem Award nichts hören und so landete das Konzept erst einmal in meiner Schublade. Die Intralogistik hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark gewandelt. Sie ist viel innovativer und kommunikativer geworden. Gut sechs Jahre später war die Zeit plötzlich reif und dann klingelte mein Telefon.

Zunächst stand IFOY für „International Forklift Truck of the Year“, also einen Preis für die Staplerbranche. Was war der Auslöser dafür, den Namen des Awards auf „International Intralogistics and Forklift Truck of the Year“ auszubauen?

Der IFOY ist sozusagen das Schaufenster der Intralogistik, deshalb war die Erweiterung konsequent. Die Digitalisierung verändert unsere Wirtschaft rasant und die Intralogistik spielt dabei immer eine zentrale Rolle. Zu Beginn drehte sich noch vieles um Stapler & Co. Heute sehen wir zwar genauso viel Hardware, aber die Innovation kommt zunehmend aus der Vernetzung und der Lösungskompetenz. Außerdem sind das Bewerberfeld und die Kategorien viel breiter aufgestellt. Vom Stapler über Lagertechnik, Software und Komponenten bis hin zu Drohnen, Robotern und kompletten Lagerlösungen ist heute so ziemlich alles dabei, was die Intralogistik zu bieten hat.

Mittlerweile sind fast alle namhaften Hersteller vertreten. Es gibt aber auch einzelne, die sich nicht bewerben.

Die Resonanz ist sehr groß und es kommen immer wieder spannende Bewerber dazu, die man gar nicht auf dem Schirm hat. Um keine Negativauswahl zu treffen, geben wir allerdings nur die Finalisten und nicht alle Bewerber öffentlich bekannt. Aber es ist richtig: IFOY traut sich nicht jeder. Es hat aber nicht jeder Hersteller in jedem Jahr eine Innovation am Start und ich kann es ebenfalls gut nachvollziehen, wenn sich manche Unternehmen dem Audit und dem Urteil der Fachjury nicht stellen wollen.

Nach dem Motto: Verlieren ist keine Option?

Mir gefällt besser: Dabei sein ist alles und wer im IFOY-Finale steht, gehört schon zu den Gewinnern.

Das zentrale Element des Awards sind die IFOY Test Days (in diesem Jahr vom 1. bis zum 8. März). Was passiert da genau?

Die Finalisten müssen bei den Test Days zu einem dreiteiligen IFOY-Audit antreten. Am Anfang stehen praxisorientierte und individuell abgestimmte Fahr- oder Funktionstests. Das Testprotokoll prüft etwa 80 Kriterien, unter anderem Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Ergonomie. Teil zwei ist ein wissenschaftlicher IFOY-Innovation-Check. Forscher der TU München, der TU Dresden, der HSU Hamburg und des Fraunhofer-IML begutachten hier vor allem den Innovationswert – und sind dabei ziemlich gnadenlos. Beide Testreihen unterstützen die Jury bei ihrer Entscheidung und geben ihr unabhängige Informationen an die Hand. Zum Abschluss des Audits testen die Juroren und ihre zugelassenen Berater die Finalisten. Was viele nicht wissen: Die Finalisten werden nicht untereinander verglichen, sondern mit ihren direkten Wettbewerbern auf dem Markt. Die Jury hat großen Respekt vor den Unternehmen, die sich diesem Prozess stellen.

Einen IFOY muss man sich also verdienen ...

Natürlich. Ich bin der Meinung, dass ein ernst zu nehmender technischer Award erstens gar nicht genug fachliche Expertise haben kann und zweitens eine fachkundige Jury braucht, die allen voran die Kundenbedürfnisse in den einzelnen Märkten kennt.

Trotz Unterstützung aus der Wissenschaft haben das letzte Wort beim Voting die inzwischen 29 Juroren aus 19 Ländern. Kommen diese Journalisten aus den wichtigsten Absatzmärkten für Gabelstapler?

Ich würde sagen, aus den Kernmärkten der Logistik. Zurzeit bereiten wir einen Jurysitz in China vor. Wir wählen die Juroren sehr sorgfältig aus. Ausschließlich die Chefredakteure der besten Logistikmedien haben eine Chance. Zudem kann jeder Juror ein Beraterteam aus der Wirtschaft zusammenstellen, um sich bei der Entscheidung aus Praxissicht beraten zu lassen. In diesem Jahr waren zum Beispiel die Vertreter einiger großer Logistikdienstleister und namhafter Autohersteller wie BMW oder Porsche mit vor Ort.

Stimmt es, dass künftig die IFOY Test Days für Anwender geöffnet werden sollen?

Das ist richtig. Das Interesse der Anwender aus Industrie, Handel und Logistikdienstleistung von intralogistischen Produkten und Dienstleistungen an einem echten Hands-on-Testing von Innovationen ist groß. Deshalb öffnen wir die IFOY Test Days einem ausgewählten Kreis von Fachbesuchern.

Als IFOY-Partner treten die Hannover Messe und die Cemat auf. Wie man hört, sollen die Hannoveraner Logistikthemen (Cemat) ab 2020 noch enger mit der großen Industriemesse verzahnt werden. Gut für das Potenzial des Awards?

Sehr gut sogar. Es erweitert sowohl das Teilnehmerfeld als auch die Zielgruppe, aber der Fokus liegt klar auf der Logistik. „Perfect Match“ hat Arno Reich, Senior Vice President der Deutschen Messe, gesagt und da stimme ich zu.

Die Juroren stimmen nach ihrer Rückkehr ins jeweilige Heimatland unabhängig und online ab?

So ist es. Wir diskutieren viel, stimmen über Details ab, sprechen mit den Entwicklern und werfen einen genauen Blick auf die Tests und vor allem die Innovation Checks. Aber am Ende stimmt jeder für sich ab. Wir haben ein IFOY-Juryportal, auf dem alle Informationen zusammenlaufen und noch am letzten Testtag schalten wir das Voting für die Juroren frei. Dann gilt es. Der Gewinner bleibt übrigens ein Geheimnis bis zum Schluss. Niemand außer der Jury, auch nicht die Hersteller selbst, werden vor der Preisverleihung informiert. Es ist jedesmal ein Krimi.

Gab es für Sie, Frau Würmser, in der Vergangenheit schon handfeste Überraschungen beim Voting? Schließlich haben Journalisten aus Russland, den USA oder Australien andere Prioritäten (für ihre Leser) als beispielsweise Deutsche oder Engländer …

… das ist der springende Punkt. Ob ein Gerät ein paar Prozent mehr oder weniger Energie verbraucht, ist nicht so entscheidend für das Juryurteil. Viel wichtiger sind der Innovationswert und der Kundennutzen. Und genau hier gehen die Einschätzungen in den unterschiedlichen Juryländern auseinander. So kommt es manchmal zu Überraschungen, dass vermeintlich klare Innovationsfavoriten sich auf den letzten Metern Geräten mit einem überragenden Kundennutzen geschlagen geben müssen. Meine größte Überraschung hat mir aber die Jury beschert. Ich hätte niemals damit gerechnet, mit welcher Begeisterung die Redakteure selber testen. Wenn ich mich recht erinnere, mussten wir Sie auch einmal spät abends mit Nachdruck vom Gerät holen.

Apropos Länder: Unter den Juroren sind auch zwei aus Österreich. Haben die darauf hingewirkt, dass die diesjährige Award-Verleihung am 26. April im Ambiente der Wiener Hofburg stattfindet?

Ein wenig. Aber der IFOY-Award ist der Glitzer auf der Intralogistik und was würde da besser passen, als die Wiener Hofburg?

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Würmser!

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