Digitale SC-Plattform Der Plattformansatz treibt die Prozessoptimierung

Von Bart Coppelmans

Einkauf findet zunehmend online statt, sowohl im B2C- wie im B2B-Bereich. Damit steigt auch die Bedeutung einer effizienten Lieferkette – noch nie war sie so groß. Transparenz entlang der Lieferkette ist eine Grundvoraussetzung für Effizienz. Kunden erwarten Echtzeittransparenz in intermodalen Lieferketten, ähnlich wie der Verbraucher es bei der Bestellung eines Pakets erlebt. Ein Plattformansatz liefert die nötigen Voraussetzungen für Effizienz und optimalen Kundenservice.

Die digitale Supply-Chain-Plattform sorgt für Transparenz und treibt die Prozessoptimierung voran.
Die digitale Supply-Chain-Plattform sorgt für Transparenz und treibt die Prozessoptimierung voran.
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Heute reicht es nicht mehr aus, zu wissen, dass sich ein Container in einer bestimmten Stadt befindet. Wir wollen den genauen Standort einer Sendung kennen, die geschätzte Ankunftszeit (Estimated Time of Arrival, ETA) am Zielort erfahren und die Sendung bei jedem Schritt ihrer Reise begleiten und verfolgen. Ortungsdienste haben sich im Einklang mit diesen gestiegenen Anforderungen entwickelt und helfen den Kunden, dieses Maß an Transparenz zu erhalten.

In einer weltweit durchgeführten Studie gaben nur sechs Prozent der befragten Unternehmen an, vollständige Transparenz in ihrer Lieferkette erreicht zu haben. Die geringe Zahl überrascht, da Supply-Chain-Transparenz gleichzeitig als eines der wichtigsten Unternehmensziele genannt wurde. Faktoren wie fehlende Industriestandards, hochkomplexe Lieferketten, unterschiedliche Altsysteme und proprietäre Tracking-Lösungen führen dazu, dass viele Supply-Chain-Lösungen in Silos arbeiten. Das digitalisiert zwar die Lieferkette, stellt aber keine umfassende Transparenz her. Ein Plattformansatz ist der wichtigste Schritt, um vollständige Transparenz zu erreichen. Gleichzeitig ist er eine Investition für die weitere Optimierung, Selbstheilung und Automatisierung der Lieferkette.

Transparenz durch ein durchgängiges System

Eine Voraussetzung für Transparenz in der Lieferkette ist es, eine Reihe von ortsbezogenen Diensten anzapfen zu können: von Transportmanagementsystemen über Asset-Tracking-Hardware bis hin zu Standortkomponenten. Eine digitalisierte Lieferkette ermöglicht es, jeden Aspekt der Kette mit Livedaten zu verfolgen. Location Intelligence ist im gesamten End-to-End-Lieferkettenprozess von entscheidender Bedeutung: von der Planung über die Transportausführung bis hin zur Optimierung der Inbound-Logistik.

Hohe Anzahl von Schnittstellen

Derzeit ist der intermodale Datenaustausch noch nicht ausgereift genug, um Spediteuren oder anderen Logistikpartnern die notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen, damit durchgehende Transparenz Realität werden kann. Aktuelle Studien zeigen, dass die digitale Vernetzung intermodaler Lieferketten noch ausbaufähig ist. Unternehmen teilen in der Regel lange nicht alle verfügbaren Daten mit ihren Logistikpartnern. Diese tappen in Hinblick auf intermodale Nachverfolgbarkeit im Dunkeln. Das Teilen von Daten ist ein sensibles Thema, doch mangelnde Transparenz in der Supply Chain kann zu verschiedenen Herausforderungen führen: ungenauen ETAs, ineffizienten Übergaben von Transportgütern und daraus resultierendem steigenden Kosten- und Zeitaufwand bei vielen Beteiligen.

Mit Echtzeitdaten, beispielsweise zum Verkehr, lassen sich Routen schnell anpassen, um Liefervorgaben einzuhalten.
Mit Echtzeitdaten, beispielsweise zum Verkehr, lassen sich Routen schnell anpassen, um Liefervorgaben einzuhalten.
(Bild: Here)

Um die Effizienz der Lieferkette zu verbessern, müssen Unternehmen Echtzeit-Standortdaten für die Eingangsverfolgung nutzen. Präzise ETAs ermöglichen es Unternehmen, die Vergabe von Rampen effizient zu planen und bei Verzögerungen rechtzeitig neu zu berechnen. Dank IoT lassen sich viele Faktoren einbeziehen – ob die Lieferung per Bahn, Flugzeug, Schiff oder Lkw erfolgt, ob die Waren verpackt oder in loser Schüttung angeliefert werden, welche Ladestelle welche Preise aufruft und so weiter. Man sieht: Eine optimierte Lieferkette muss viele Herausforderungen überwinden.

Standortdaten in Echtzeit erhöhen die Transparenz

Vorhersagemodelle, die auf Standortdaten in Echtzeit basieren, erlauben es dem Kunden, auf Basis von realen Daten auf Ereignisse zu reagieren. Warnt die Vorhersage vor einem Stau oder widrigen Bedingungen auf der Route, können Lastwagen umgeleitet oder „Dead-on-Arrival“-Sendungen verhindert werden. Für den Kunden ist es wichtig, dass diese Daten proaktiv kommuniziert werden und er sich auf die Datenanalyse verlassen kann. Nur auf Basis dieses Vertrauens können Abläufe optimiert und die Kundenzufriedenheit sichergestellt werden.

Die Verbreitung von Predictive-Analytics-Tools in Lieferketten erweitert die Transparenz um eine zusätzliche Erwartungsebene. Es geht nicht nur darum, wo sich die Lieferung aktuell befindet – ETAs müssen datengetrieben und realistisch geschätzt werden. Bei Abweichungen oder äußeren Einflussfaktoren muss proaktiv reagiert werden. Unternehmen sind tendenziell loyaler zu Anbietern, die Fehler präventiv beheben, als zu Anbietern, die nie Fehler machen.

Ähnlich, wie es Verbraucher bei ihrer Paketbestellung erleben, erwarten Kunden in internationalen Lieferketten Echtzeittransparenz.
Ähnlich, wie es Verbraucher bei ihrer Paketbestellung erleben, erwarten Kunden in internationalen Lieferketten Echtzeittransparenz.
(Bild: Here)

Informationen aus Vorhersagemodellen sollten in das System einfließen, um die ETA für den Kunden zu ändern. Das macht Transparenz der Lieferkette auf jeder Ebene möglich. Das Ziel ist, die Daten aus verschiedenen Predictive-Analytics-Modellen auf einer zentralen Plattform zusammenzuführen und eine starke Verbindung zu jedem Teil der Lieferkette zu schaffen – sowohl physisch als auch technologisch.

Die Auswirkungen des Coronavirus

Die Coronapandemie hat die Bedeutung von Supply-Chain-Transparenz unterstrichen. Da ganze Lieferketten lahmgelegt wurden, hatten viele Unternehmen mit schlechter Nachverfolgbarkeit zu kämpfen. Es war unklar, wann und wo es zu Unterbrechungen in der Supply Chain kam – weil keine Plattform mit datengetriebenen Vorhersagen vorhanden war. Die Auswirkungen der Pandemie machten bestehende Ineffizienzen in den Lieferketten vieler Unternehmen deutlich und fungierten gleichzeitig als Weckruf, die Digitalisierung von Lieferketten zu beschleunigen.

Das Tracken von Lieferungen und das Nachvollziehen von Transportrouten tragen zur Transparenz von Lieferketten bei.
Das Tracken von Lieferungen und das Nachvollziehen von Transportrouten tragen zur Transparenz von Lieferketten bei.
(Bild: Here)

Verbesserte Datenverfügbarkeit und zunehmender Informationsaustausch geben Grund zum Optimismus. Plattformanbieter verbinden verschiedene Akteure im Ökosystem auf horizontalen Plattformen, um eine branchenübergreifende Zusammenarbeit zu gewährleisten. Kunden setzen auf Schnelligkeit: bei der Einrichtung von Plattformen, der Implementierung von Microservices und den Ergebnissen. Daher können wir insgesamt eine Beschleunigung beim Auf- und Ausbau digitalisierter Lieferketten erwarten.

Ein zentraler Blick auf die Lieferkette

Unternehmen profitieren am meisten, wenn sie in eine Lösung investieren, die skalierbar und einfach zu implementieren ist und schnell starten kann. Auch größere Unternehmen orientieren sich zunehmend neu: Sie wenden sich von den weniger flexiblen Standardlösungen auf dem Markt ab und möchten ihre Supply-Chain- oder Transportmanagement-Plattform lieber selbst individuell nach ihren Anforderungen gestalten und flexibel aufbauen, indem sie Microservices und APIs nutzen und dann die Plattform ausweiten.

Dieses Vorgehen ermöglicht es Unternehmen, in ein offenes Ökosystem zu investieren, indem sie auch auf Datensätze zugreifen können, die sie nicht über eigene Systeme produzieren. Es ist möglich, Versand-, Transportplanungs-, Verkehrs- oder Wetterdaten zuzukaufen, um Prognosemodelle zu erstellen.

Multimodaler und grenzübergreifender Transport: Lösungen für das Transport- und Supply-Chain-Management müssen die gesamte Lieferkette im Blick haben.
Multimodaler und grenzübergreifender Transport: Lösungen für das Transport- und Supply-Chain-Management müssen die gesamte Lieferkette im Blick haben.
(Bild: Here)

Dies könnte durch den Einsatz von IoT für das Zeitfenstermanagement eines bestimmten Standorts geschehen, um die Effizienz dort zu steigern. Die daraus gewonnenen Livedaten werden genutzt, um das Zeitfenstermanagement in anderen Vertriebszentren zu informieren. Dies geschieht über die Erstellung einer digitalen Karte des Standorts mit ortsbezogenen Informationen, die über die gesamte Kette hinweg kommuniziert werden können und genaue ETAs liefern, um das Zeitfenstermanagement zu verbessern. Das kann Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen: Es steigert die Effizienz und ermöglicht datengestützte Entscheidungen bei Lagerbestellung und Produktmanagement.

Angesichts der Veränderungen, die wir im Jahr 2020 gesehen haben, ist das umso relevanter: Es gibt eine erhöhte Unsicherheit für Unternehmen, die in absehbarer Zukunft nicht abflauen wird. Für Lieferketten sind in so unsicheren Zeiten umfassende Transparenz und datengetriebene Entscheidungsfindungen wichtiger denn je. ■

* Bart Coppelmans ist Head of Global Supply Chain & Logistics Industry Solutions bei Here Technologies in 5611 Eindhoven (Niederlande), Tel. +31 40 7441242, bart.coppelmans@here.com

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