Thyssenkrupp unterstützt Streetscooter Der Weihnachtsmann kommt elektrisch

Redakteur: Stefanie Michel

In der Vorweihnachtszeit herrscht für die Post Hochbetrieb. Mit im Einsatz ist der „Streetscooter“. Das Elektrofahrzeug zeigt , wie sich Elektromobilität bereits ab kleinen Stückzahlen wirtschaftlich attraktiv gestalten lässt. Die Streetscooter GmbH, eine Tochtergesellschaft der Deutsche Post DHL Group, wird von Thyssenkrupp unterstützt.

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Gelber Wagen mit grünem Antrieb: Die Deutsche Post setzt für die Paket- und Briefzustellung den „StreetScooter“ ein.
Gelber Wagen mit grünem Antrieb: Die Deutsche Post setzt für die Paket- und Briefzustellung den „StreetScooter“ ein.
(Bild: Thyssenkrupp)

Die Stahl- und die Komponentensparte von Thyssenkrupp hatten sich bereits in der Anfangsphase in die Entwicklung eingebracht. So wurde unter anderem ein Konzept für eine wirtschaftliche Fertigungsweise mit Leichtbauelementen aus Stahl für die Bodenstruktur erarbeitet. Heute liefert Thyssenkrupp ein eigenes Paket für die Deutsche Post: Die Stahlsparte versorgt den „Streetscooter“ mit bestimmten Werkstoffen und von Thyssenkrupp Bilstein kommen die Stoßdämpfer.

Ab 2017 rollen 10.000 Streetscooter vom Band

Die Deutsche Post hat 2014 die Streetscooter GmbH übernommen, um eigene Fahrzeuge für die Brief- und Paketbeförderung zu produzieren. Auf dieser Basis entstand das Modell „Work“, das den Belastungen des Zustellalltags angepasst und emissionsfrei unterwegs ist. Der gelbe Wagen mit „grüner“ Antriebstechnologie muss zum Beispiel täglich bis zu 200 Stopps und Anfahrvorgänge bewältigen. Er braucht genügend Ladevolumen für Briefe und Pakete und muss an 300 Tagen im Jahr zuverlässig seinen Dienst tun.

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Auf der anderen Seite braucht der Kleintransporter keine hohen Geschwindigkeiten und ist nahezu ausschließlich auf Kurzstrecken unterwegs. Im Aachener Werk rollen in diesem Jahr die ersten 2000 Kleintransporter vom Band, ab 2017 können bis zu 10.000 Fahrzeuge jährlich gebaut werden. Ziel der Deutschen Post ist es, im Rahmen ihrer „GoGreen“-Initiative mittelfristig ihre Zustellflotte mit konventionellem Antrieb durch Elektrotransporter zu ersetzen, so dass die Brief- und Paketzustellung künftig umweltschonend mit E-Mobilen erfolgt.

Thyssenkrupp hat Leichtbau-Struktur der Karosserie mitentworfen

Thyssenkrupp war an dem dezentralen Netzwerk beteiligt, das verschiedene Komponenten und Module für das Elektrofahrzeug entwickelt hat. So hat beispielsweise die Stahlsparte als einer der strategischen Partner die Karosseriestruktur des „Streetscooter“ mitentworfen. Die Entwickler setzten dabei auf wirtschaftlichen Leichtbau mit einer Karosseriestruktur aus Stahl, die mit einer Kunststoff-Außenhaut beplankt wird. Die Stahlstruktur besteht zu 57 % aus höher- und höchstfesten Stählen. Mit ihrer hohen Festigkeit ermöglichen die Werkstoffe dünnwandige, leichtere Bauteile ohne Abstriche bei der Sicherheit. Hinzu kommen Warmumformstähle für Stoßfänger sowie A- und B-Säule, die hohe Bauteilfestigkeiten aufweisen und ebenfalls große Gewichts-Einsparungen ermöglichen. Kosteneffizient sind beim „Streetscooter“ sowohl die verwendeten Werkstoffe als auch die profilintensive Bauweise. Sie macht die Ableitung von Modellvarianten deutlich preiswerter als herkömmliche Pressteil-Konstruktionen.

Bodengruppe in Sandwich-Struktur zur Ausnahme der Batterien

Die Stahlsparte von Thyssenkrupp hat für den „Streetscooter“ zudem die Bodengruppe entwickelt. Das Bauteil ist eine Sandwich-Konstruktion, mit Fächern für bis zu drei Batterien. Die Energieträger so zu beherbergen, dass sie im Crashfall nicht beschädigt werden, und daraufhin brennen oder Stoffe freisetzen, ist die Hauptaufgabe des Moduls. Entsprechend haben die Entwickler von Thyssenkrupp in Duisburg Konstruktion und Materialkonzept ausgelegt. Die Längsträger der Bodenstruktur, zwischen die die Batteriemodule gesetzt werden, sind zweischalig und bestehen aus einem höchstfesten Dualphasenstahl. Damit sind die Bauteile so stabil, dass sie im Crashfall nicht nachgeben und keine Beschädigung der Batterien zulassen. Einen Teil der Aufprallenergie kontrolliert abzubauen, ist die Aufgabe der Schweller, die aus einem kalt gewalzten Dualphasenstahl gefertigt sind. Der Werkstoff besitzt nicht nur eine hohe Festigkeit, sondern auch genug Umformvermögen, um Crash-Energie zu absorbieren. Auf die Bodengruppe werden Sitzstruktur und Fahrzeugtunnel montiert.

Der „Streetscooter“ besticht auch durch seine praktischen Qualitäten wie der mehr als vier Kubikmeter große Laderaum, der eine Zuladung von 650 kg ermöglicht. Hierdurch ergibt sich eine enorme Spreizung zwischen leerem und vollem Fahrzeug, was hohe Anforderungen an das Setup der Stoßdämpfer stellt. Deshalb setzte der Hersteller bereits bei der 150 Fahrzeuge umfassenden Vorserie auf das Know-how des Dämpferspezialisten von Thyssenkrupp.

Ausgewogene Dämpfung – ganz gleich ob voll beladen oder leer

Das zulässige Gesamtgewicht eines voll beladenen „Streetscooter“ beträgt 2130 kg, am Ende eines langen Zustelltags kann es über eine halbe Tonne weniger sein. Um ein ausgewogenes Dämpfungsverhalten über das gesamte Spektrum zu liefern, muss die Abstimmung sehr sorgfältig vorgenommen werden – andernfalls wirkt das Fahrzeug je nach Situation schnell über- oder unterdämpft, worunter Komfort und Sicherheit leiden würden. Die von Thyssenkrupp Bilstein bereits in der Erprobungsphase gelieferten Komponenten haben sich hier bewährt, weshalb das Unternehmen auch bei der Serienfertigung als Zulieferer zum Zug kommt.

In ihrer langen Vergangenheit hat sich die Deutsche Post bereits mehrfach mit elektrisch angetriebenen Zustellfahrzeugen beschäftigt und auf diesem Gebiet viel Pionierarbeit geleistet. Doch noch nie waren die technischen Vorzeichen so vielversprechend wie heute. Die Zusteller selbst jedenfalls sind von ihrem „Streetscooter“ begeistert.

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