Lagertechnik Dezentral orientierte Speicherwechseltürme

Das Konzept der Speicherwechseltürme in der Motorenfertigung bei der Kölner Deutz AG zeigt einen Weg, wie sich die Materialversorgung auf kreative Weise wirtschaftlich auf engstem Raum organisieren lässt.

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In Halle 40 der Kölner Deutz AG werden täglich an zwei Montagelinien etwa 1000 Dieselmotoren montiert — in einem breiten Leistungsbereich und in insgesamt mehreren Tausend unterschiedlichen Varianten. Die Materialversorgung ist just in time organisiert, das heißt ein Wareneingangslager existiert nicht.

Bei der stetig wachsenden Anzahl von Einzelteilen, die an den Bändern bereitgestellt werden mussten, kam es zu Engpässen bei der Nachschubversorgung. Es wurde zunehmend schwieriger, die Teilebehälter an den Arbeitsplätzen neben dem Fließband von den Transportrobotern so aufzustellen, dass der Werker die jeweils benötigten Teile zur Hand hatte.

Bei Deutz entschied man sich für das von H+H Herrmann + Hieber entwickelte Konzept einer dezentralen Lagerung an den Arbeitsplätzen. H+H schlug dafür einzelne Lagerkomponenten vor, die — nach oben ausladend — den freien Raum oberhalb des Montagearbeitsplatzes für die Lagerung nutzen. Die Bezeichnung „Speicherwechselturm“ (SWT) lässt Aufbau und Funktion des Systems ansatzweise erkennen: Im unteren Turmabschnitt mit begrenzter Grundfläche befinden sich auf einer Seite die Aufgabe- und Entnahmeplätze für volle beziehungsweise leere Paletten. Auf der gegenüber liegenden Seite, wo die Montage erfolgt, wird das benötigte Material bereitgestellt. Darüber sind die Lagerplätze angeordnet, die vom automatischen Regalbediengerät des Turmes angefahren werden.

Ohne Produktionsunterbrechung schnell montiert

Diese Anordnung weist eine Reihe von Vorzügen auf: geringer Flächenbedarf, flexible Anpassung an die existierende Infrastruktur, schnelle Montage ohne Produktionsunterbrechung, kostengünstige Lagerlösung, freies Anpassen des Lagerplatzes sowie große Lagerkapazität bis 66 t. Der obere Lagerteil des SWT besteht aus zwei parallel angeordneten Palettenregalen mit jeweils sechs Stellplätzen nebeneinander und fünf übereinander (beim großen Turm).

Dazwischen ist das automatische Regalbediengerät im Inneren des Turms angeordnet. Es besteht aus einer Traverse, die auf Schienen mit maximal 60 m/min vertikal verfährt. Auf der Traverse fährt ein Schlitten in horizontaler Richtung mit maximal 60 m/min. Der Schlitten trägt eine in Querrichtung ausfahrbare Teleskopgabel, mit der die Paletten auf die Stellplätze transportiert werden. Mit diesen drei Bewegungen kann das Regalbediengerät jeden Palettenplatz schnell anfahren.

Im Betrieb wird die Transportbox am rückseitigen Eingabeplatz auf einer so genannten System-Trägerpalette abgesetzt. Das Regalbediengerät übernimmt die Transportbox, deren Barcode zuvor am Eingabefach von einem Scanner eingelesen worden ist, und stellt sie in das vorgesehene Lagerfach. Der große Speicherwechselturm mit 60 Plätzen ist mit zwei Eingabefächern ausgestattet.

Montageplätze bei Bedarf auf zwei Ebenen angeordnet

Die Montagearbeitsplätze an der gegenüberliegenden Seite des SWT können übrigens bei Bedarf auch auf zwei Ebenen übereinander angeordnet sein. So erfolgt beispielsweise die Vormontage der Lichtmaschine in der oberen Etage. Im exakten Timing wird der jeweils benötigte Lichtmaschinentyp eine Etage tiefer transportiert, wo der entsprechende Motor dafür bereitsteht.

Jeder Werkerplatz verfügt über ein Terminal, mit dem Paletten abgerufen und wieder in den SWT zurückgestellt werden können. Der Mitarbeiter meldet der Warenwirtschaft, wenn eine leere Transportbox wieder abgeholt werden kann. Der Rest geschieht wieder automatisch.

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