Transport Logistic

Die Branche ist für alles gut gewappnet

| Autor: Bernd Maienschein

Die Transport Logistic ist das Drehkreuz der globalen Logistikbranche. Zur letzten Veranstaltung im Jahr 2017 kamen über 60.000 Besucher aus 123 Ländern und Regionen nach München, sie besuchten 2162 Aussteller in neun Hallen und auf dem Freigelände.
Die Transport Logistic ist das Drehkreuz der globalen Logistikbranche. Zur letzten Veranstaltung im Jahr 2017 kamen über 60.000 Besucher aus 123 Ländern und Regionen nach München, sie besuchten 2162 Aussteller in neun Hallen und auf dem Freigelände. (Bild: Lennart Preiss/Messe München)

Vom 4. bis zum 7. Juni 2019 wird die Transport Logistic (tl) in München ihre Position als international führende Plattform der Logistikindustrie bekräftigen. Die Messe wächst auch mit ausländischen Ausstellern. Zuletzt im Jahr 2011 auf der tl vertreten, ist DHL erstmals wieder dabei. Wir sprachen mit Projektleiterin und Exhibition Director Caroline Thiemt.

Die Logistikindustrie zeigt sich zuversichtlich – trotz vieler aktueller wirtschaftspolitischer Unwägbarkeiten und unternehmerischer Herausforderungen wie Fachkräftemangel oder Digitalisierung. Im Februar 2019 förderte das Meinungsforschungsinstitut IfaD in einer Onlinebefragung im Auftrag der Transport Logistic interessante Ergebnisse zutage.

Frau Thiemt, wenn 43 % der in Ihrem Auftrag befragten 2680 Logistikprofis mit einer positiven Marktentwicklung rechnen und 41 % sie zumindest als gleichbleibend einschätzen: Pessimismus sieht anders aus. Teilen Sie persönlich diese positive Lageeinschätzung Ihres Trendbarometers?

Ich denke, das Ergebnis zeigt vor allem, dass die Branche für alles gewappnet ist. 60 % sagen ja auch, dass ihr Unternehmen Maßnahmen wie Effizienzprogramme durchführt und die Supply Chain anpasst. Gleichzeitig wird massiv in Technologien und Digitalisierung investiert. Der Optimismus ist also nicht von Naivität geprägt, im Gegenteil. Von daher: Ja, ich denke, die Logistikindustrie ist gut aufgestellt.

Machen Sie sich keine Sorgen über die wachsenden Hürden im Außenhandel, von denen die Transportlogistik ja ganz schnell direkt betroffen ist?

Am Ende sind wir natürlich immer ein Spiegel des Marktes. Was wir bei der Messe München insgesamt aber immer wieder feststellen – und das gilt auch für die Transport Logistic: Gerade in schwierigen Zeiten verzichten die Unternehmen zuletzt auf den Auftritt bei einer internationalen A-Messe. Zu wertvoll ist die Kontaktpflege und der Austausch über die aktuellen Entwicklungen.

Von 1997 an betreut Caroline Thiemt in wechselnden Funktionen die Transport Logistic, seit 2014 koordiniert sie mit viel Herzblut die Messe als Projektleiterin.
Von 1997 an betreut Caroline Thiemt in wechselnden Funktionen die Transport Logistic, seit 2014 koordiniert sie mit viel Herzblut die Messe als Projektleiterin. (Bild: Messe München)

Trotz volatiler oder gerade wegen der volatilen Zeiten: Können Sie die Ausstellerzahlen und den Besucherstrom aus 2017 noch einmal toppen?

Uns steht die größte Transport Logistic aller Zeiten bevor. Wir haben sogar eine weitere Halle geöffnet – und auch die ist ausgebucht. Wir erwarten über 2300 Aussteller und damit sollte auch ein weiterer Zuwachs an Besuchern einhergehen. Insgesamt können die Teilnehmer in zehn Hallen und auf unserem Freigelände auf insgesamt 125.000 m² netzwerken und ihr Geschäft vorantreiben.

Gibt es im Quartett von Straße, Schiene, Wasser und Luft – ich sage nur: Straßenbelagplatzer, Gleisbauarbeiten, Niedrigwasser und Flugverbote – einen klaren Favoriten in der Gunst von Handel und Industrie? Wohin hat sich das die letzten Jahre über verschoben?

Fakt ist, dass in Deutschland die Straße im Modal-Split vorherrschend ist. Die Bundesregierung stellt auf unserer Messe einen Masterplan vor, um die Verlagerung auf die Schiene voranzutreiben. Generell findet jeder Verkehrsträger auf der Transport Logistic sein Forum. Bei uns auf der Messe erleben wir ein starkes Wachstum in den Bereichen Luft- und Seefracht sowie Logistikdienstleistungen, und zwar besonders aus dem Ausland. Das liegt aber vor allem daran, dass alle anderen wichtigen Marktspieler schon vorher da waren.

Mit der Übernahme der Air Cargo India und Africa geben Sie ja ein klares Statement ab, was Ihre Erwartungen für die Branche an die nahe Zukunft angeht. Die Air Cargo Europe ist ja sowieso schon die größte Luftfrachtmesse der Welt …

Auf jeden Fall, die Air Cargo Europe ist einer der großen Wachstumstreiber der Messe auf internationaler Ebene, hier sehen wir auch für die Zukunft noch Potenzial. Die beiden Akquisitionen stärken die Luftfracht in unserem internationalen Messenetzwerk und wir können unseren Kunden wertvolle Plattformen in wichtigen Märkten anbieten.

Das Forschungsprojekt „InventAIRy“ – Identifikation mit autonomen Flugrobotern – ist in den Bereich der cyberphysischen Systeme einzuordnen. Das Ökosystem ist mit anderen autonomen Fahrzeugen kombinierbar, beispielsweise mit fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) oder Gabelstaplern.
Das Forschungsprojekt „InventAIRy“ – Identifikation mit autonomen Flugrobotern – ist in den Bereich der cyberphysischen Systeme einzuordnen. Das Ökosystem ist mit anderen autonomen Fahrzeugen kombinierbar, beispielsweise mit fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) oder Gabelstaplern. (Bild: Christian Hartlmaier/Messe München)

Auf den ersten Blick scheinen Digitalisierung und Transport nicht allzu viel miteinander zu tun zu haben – von den Navis einmal abgesehen …

Im Gegenteil, es geht darum, sämtliche Verkehrsabläufe und alle am Transport Beteiligten zu vernetzen. Die Logistikindustrie investiert massiv in die digitale Transformation, in Industrie 4.0, Internet of Things, Telematik und autonomes Fahren. Künstliche Intelligenz ist in diesem Jahr das Megathema im Konferenzprogramm. In der bereits erwähnten Umfrage unter unseren Ausstellern und Besuchern sehen sich 11 % der Befragten als Pioniere in der Digitalisierung, 33 % haben bereits eine digitale Gesamtstrategie im Unternehmen, 35 % der Befragten sagen, dass ihr Unternehmen mit Start-ups zusammenarbeitet, um Innovation voranzutreiben. Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Logistik kann ja nie nur national betrachtet werden. Sind die chinesischen Kraftanstrengungen der „Belt-and-Road“-Initiative aber nicht ein wenig zu viel des Guten? Ich meine, Deutschland und Europa drohen dabei abgehängt zu werden. Was ist hier zu tun?

Mit der Neuen Seidenstraße verfolgt China natürlich geopolitische Interessen und will seinen wirtschaftlichen Einfluss erhöhen. Gleichzeitig werden die Warenströme zwischen China und Europa signifikant steigen. Wir erleben auf der Messe ein stark gewachsenes Interesse aus China. Es geht den chinesischen Unternehmen darum, Kontakte in den europäischen Markt zu knüpfen. Die Transport Logistic ist die bestmögliche Plattform für alle Beteiligten, sich zu informieren, internationale Kooperationen zu schmieden und sich entsprechend aufzustellen, um die Chancen zu nutzen.

Viele sehen ihr Heil in Asien und dort vor allem in China. Ihre neue Kooperation mit der Logimat in Shanghai (bisher ja Nanjing) ist Ausdruck dieses Perspektivwechsels?

An den großen Infrastrukturprojekten im Land und einer starken Marktentwicklung kommt man letztlich nicht vorbei. Die Transport Logistic China ist unsere zweitgrößte Veranstaltung in unserem internationalen Messenetzwerk. Im jährlichen Wechsel dazu findet das kleinere Schwesterevent Transport Logistic China Forum statt. Die Logimat China wiederum findet ab 2019 zeit- und ortsgleich mit dem jeweiligen Event der Transport Logistic statt. Gemeinsam wollen wir die Synergien nutzen. Wir denken, die Veranstaltungen werden sich gegenseitig befruchten, wir erwarten auf jeden Fall eine positive Entwicklung.

Nehmen wir an, liebe Frau Thiemt, Sie hätten einen Wunsch frei: Was würden Sie sich für Ihre Veranstaltung in München wünschen?

Ich wünsche mir einen ordentlich weißblauen bayerischen Himmel, eine tolle Stimmung und eine erfolgreiche Messe für unsere Aussteller und Besucher!

Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Thiemt!

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