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Verkehrspolitik Die Brennerdiskussion entbrennt von Neuem

| Redakteur: Robert Weber

Güter von der Straße auf die Schiene ist das Ziel der Politik und einiger Unternehmen. Doch braucht es dafür auch den Brennerbasistunnel in Österreich? In der Alpenrepublik wird heftig darüber diskutiert. Auch die deutsche Verkehrspolitik ist davon betroffen.

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Der Tunnel wird gegenwärtig erkundet. Im Bild ist der Erkundungsstollen zu sehen. Die österreichische Regierung will jetzt schon 450 Mio. Euro einsparen. (Bild: BBT)
Der Tunnel wird gegenwärtig erkundet. Im Bild ist der Erkundungsstollen zu sehen. Die österreichische Regierung will jetzt schon 450 Mio. Euro einsparen. (Bild: BBT)

Der Kommentar saß: Prof. Dr. Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuniversität Wien, will den Brennerbasistunnel streichen. Mitten in der Spardiskussion in Österreich und kurz nach dem Entzug des AAA-Status für die Alpenrepublik wagt sich der Wissenschaftler mit seiner pointierten These an die Öffentlichkeit.

Lieber Terminals für kombinierten Verkehr als Brennerbasistunnel

Das sorgte für Schlagzeilen – nicht nur in Wien. „Der Nutzen des Brennerbasistunnel wird eindeutig überschätzt“, legt Kummer gegenüber MM Logistik nach. Die Zuläufe seien noch nicht so weit und die Schweizer Übergänge viel attraktiver, so der Forscher. Gleichzeitig prophezeit er: „Die Nord-Süd-Verkehre nehmen nicht mehr zu“. Die Region brauche viel eher neue Terminals für den kombinierten Verkehr, beispielsweise in Vorarlberg, so der Wiener.

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Die Argumentation des Wissenschaftlers kann Armin Riedl vom Unternehmen Kombiverkehr nicht nachvollziehen. „Die Brennerstrecke ist nicht nur eine der Hauptverkehrsachsen unseres Unternehmens, sondern des gesamten alpenquerenden Verkehrs“, erklärt der Geschäftsführer. Die Vorschläge für neue Kombiverkehrsterminals in Vorarlberg sind aus seiner Sicht keine Alternative zum Bau des Tunnels, weil sie den vorhandenen Engpass nicht beseitigen würden. „Forderungen nach einem Baustopp sind aus Sicht von Kombiverkehr falsch“, urteilt er.

Das würde Karl Fischer vom Logistikkompetenzzentrum in Prien wohl sofort unterschreiben. Seit Jahren forschen die Oberbayern an nachhaltigen Verkehrskonzepten, um den Alpenraum zu entlasten und Warenströme gleichzeitig zu optimieren. „Wir haben derzeit nur rund ein Drittel des alpenquerenden Verkehrs über den Brenner auf der Schiene. Wenn wir nur einen Teil des bisherigen Straßenverkehrs verlagern wollen, dann brauchen wir schon ohne Verkehrszuwachs einen Tunnel“, rechnet Fischer vor, der sich sicher ist: „Ohne Beteiligung der Bürger wird es im bayerischen Inntal nicht gehen“.

Bürger machen gegen neue Bahnstrecken mobil

Hintergrund: Im Zuge des Brennerbasistunnelbaus müssen auch die Zulaufstrecken auf deutscher und italienischer Seite optimiert oder sogar neu gebaut werden. Das sorgt jetzt schon für Unruhe in den Gemeinden. Eine erste Bürgerinitiative wurde gegründet.

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