Hölle Energieversorgung Die deutsche Glasindustrie bangt ums Überleben

Quelle: dpa

Die besonders auf Energie basierende Glasindustrie hat mit den hohen Strom- und Gaspreisen schwer zu kämpfen. Jetzt, heißt es, kommen auch noch Sorgen um die Erdgaslieferung an sich hinzu.

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Könnten Schmelzöfen der deutschen Glasindustrie bald kalt sein? Denn die besonders energieaufwendige Glasherstellung leidet unter der Kostenexplosion für Strom und Gas sehr stark, heißt es. Jetzt droht aber noch ein anderes Übel! Lesen Sie mehr darüber.
Könnten Schmelzöfen der deutschen Glasindustrie bald kalt sein? Denn die besonders energieaufwendige Glasherstellung leidet unter der Kostenexplosion für Strom und Gas sehr stark, heißt es. Jetzt droht aber noch ein anderes Übel! Lesen Sie mehr darüber.
(Bild: Glashütte)

Wir verbrennen jeden Tag Geld, klagt Carletta Heinz, die Chefin des Familienunternehmens Heinz-Glas mit Sitz im oberfränkischen Tettau. Der Bundesverband Glasindustrie fordert deshalb schnelles Handeln, um die Energiepreisprobleme zu entschärfen und gegen die jetzt noch drohenden Versorgungsengpässe vorzugehen.

Die Glasschmelzwannen in den Betrieben laufen nämlich das ganze Jahr und rund um die Uhr, heißt es. Sie müssen dabei auf über 1.500 Grad Celsius erhitzt werden. In Deutschland temperiert man laut dem Verband zu 75 Prozent mit Erdgas, den Rest mit Elektrizität. Die Preise für beide sind im vergangenen Jahr aber arg in die Höhe geschossen. Nicht zuletzt entfallen 15 bis 20 Prozent der Betriebskosten in der Glasindustrie auf die genutzten Energiequellen. Gewinne würden deshalb aufgezehrt, was die Glasproduktion unrentabel mache.

Deutsche Glasindustrie kämpft mit horrenden Energiekosten

Dabei geht es der Branche an sich gut, betonen die Betriebe, denn Glasprodukte werden stets benötigt, erklärt Nikolaus Wiegand von Wiegand-Glas aus dem oberfränkischen Steinbach am Wald. Die Rennsteig-Region in Nordbayern und Thüringen ist bekanntlich ein Kerngebiet der Glasherstellung und -verarbeitung. Die Energiekosten haben sich jetzt aber mehr als verfünffacht. Finanziell gesunde Unternehmen würden jetzt mit Ressourcen betrieben, die sie zuvor jahrelang aufgebaut hätten. „Aber das geht nicht ewig so weiter“, mahnt Wiegand.

In den thüringischen Werken von Wiegand und Heinz werden neu angeschaffte Schmelzwannen vorerst deshalb doch nicht in Betrieb genommen. Konkurrenten im Ausland hätten das Problem meist nicht, sagt Heinz. Wiegand kritisierte, dass man unter ungleichen Wettbewerbsbedingungen arbeiten muss. Die Unternehmen fordern deshalb, dass die Preise für Gas und Strom gedeckelt werden. Der Bundesverband hofft auch auf Soforthilfen. Man glaubt etwa, dass eine rückwirkende Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Januar schon helfen würde.

Ukraine-Krieg: Bald kein Gas fürs Glas?

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sorgt sich die Branche jetzt auch noch um die Versorgungssicherheit mit Erdgas. Deshalb müsse man dem fossilen Brennstoff noch schneller den Rücken kehren, als geplant, empfiehlt Heinz. Die deutsche Glasbranche könnte so auch zur Vorreiterin bei der Energiewende werden. Denn man sei für die Transformation in eine CO2-freie Produktion geeignet, weil die kleineren Wannen sich schon komplett auf Strom umstellen lassen, erklärt Heinz dazu. Die Unternehmen fordern deshalb den Ausbau erneuerbarer Energien wie Windkraft und Photovoltaik.

Ein Versorgungsengpass käme einer Katastrophe für die deutsche Glasindustrie gleich. Denn eine Komplettabschaltung sei in der Glasindustrie nicht möglich, weil die Glaswannen kontinuierlich betrieben werden müssen. Und würde das Feuer abgestellt, gingen sie nämlich auch kaputt. Es gäbe also nicht nur einen Produktionsausfall, sondern irreversible Anlageschäden, die der Glasverband mit rund 50 Millionen Euro pro Anlage beziffert.

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