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Logimat 2017 Die Tradeworld ergänzt die Logimat perfekt

Logimat und Tradeworld in Stuttgart läuten traditionell das Messejahr der Logistiker ein. Während Euroexpo-Geschäftsführer Peter Kazander mit der Messeleitung der Logimat betraut ist, kümmert sich Geschäftsführerin Dr. Petra Seebauer insbesondere um die Leitung der Tradeworld. Wir sprachen mit ihr über ihr Steckenpferd.

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Logistische Prozesse lassen sich optimieren – ob durch Automatisierung wie Roboter, Drohnen oder autonome Fahrzeuge, durch ausgeklügelte Lagertechnik oder durch intelligente Maschinen.
Logistische Prozesse lassen sich optimieren – ob durch Automatisierung wie Roboter, Drohnen oder autonome Fahrzeuge, durch ausgeklügelte Lagertechnik oder durch intelligente Maschinen.
(Bild: Euroexpo)

Auf der diesjährigen Tradeworld, die parallel zur Logimat vom 14. bis zum 16. März stattfindet, präsentieren Aussteller Lösungen zu E-Commerce und Omnichannel für Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung. Der Ausstellungsbereich sowie das dazugehörige Forenprogramm der Tradeworld stellen ein strategisches Kompetenzfeld der Logimat dar.

Zu sehen sind innovative E-Commerce-Konzepte für die Gestaltung, Steuerung und vernetzte Digitalisierung in den Bereichen Beschaffung, Onlineshop und Vermarktung, Payment, Software, Intralogistik, Versand, Fulfillment, Retoure und Aftersales. Abgerundet wird das Angebot durch das Tradeworld-Fachforum in Halle 6 mit täglich wechselnden Vortragsreihen, unter anderem zu Themen wie B2B-Handel im digitalen Zeitalter, E-Commerce in B2B und B2C, Erfolgsbeispiele einer smarten Handelslogistik, Cross-Channel und weitere Trends in der Fashionlogistik, Praxislösungen für die Retourenlogistik oder innovative Lösungen auf der letzten Meile.

Dr. Petra Seebauer ist als Geschäftsführerin der Euroexpo insbesondere für die Geschicke der Tradeworld verantwortlich.
Dr. Petra Seebauer ist als Geschäftsführerin der Euroexpo insbesondere für die Geschicke der Tradeworld verantwortlich.
(Bild: Euroexpo)

Frau Dr. Seebauer, Ihr Steckenpferd ist ja die Handelsplattform Tradeworld, die seit 2014 im Rahmen der Logimat stattfindet und für die Sie verantwortlich zeichnen. Was macht die doch eher unsichtbaren Handelsprozesse für Sie so interessant?

Wenn man sich die Prozesse des Handels ansieht, so findet man im Kern die Beschaffungsprozesse (wie Einkauf, Disposition, Rechnungsprüfung oder Kreditorenbuchhaltung), die Verkaufsprozesse (wie Marketing, Vertrieb, Faktura oder Debitorenbuchhaltung) und als verbindendes Element die Logistikprozesse. Die Logistik ist also im Handel einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren. Und das macht es für mich so interessant. Gerade der Handel – und insbesondere Omnichannel-Retailer, die verschiedene Vertriebskanäle parallel bedienen wollen – ist sehr stark von Disruption betroffen. So tauchen schnell neue Wettbewerber auf dem Markt auf und bestehende Formate verschwinden. Auch die einzelnen Schnittstellen und Logistikprozesse müssen besonders effizient ineinandergreifen. Diesen ständigen Wandel zu begreifen und dafür geeignete Produkte und Lösungen anzubieten, ist eine Herausforderung, die mich besonders reizt. Und genau hier setzen wir mit der Tradeworld an. Deren Ausstellungsangebot ergänzt sich perfekt mit dem Gesamtangebot auf der Logimat, die wir in diesem Jahr unter das Motto „Wandel gestalten: Digital – Vernetzt – Innovativ“ gestellt haben.

Die Digitalisierung ist für Logimat und Tradeworld gleichermaßen der Taktgeber. Inwieweit durchdringen digitale Geschäftsprozesse industrielle (Logimat) und Handelsanwendungen (Tradeworld)?

Das Internet der Dinge und die durchgängige Digitalisierung von Prozessen sind weder in der Industrie noch im Handel mehr wegzudenken. Die Digitalisierung und damit die Vernetzung aller Systeme führen dazu, dass sich diese automatisierten Prozesse selbst steuern. Diese Entwicklung wird für den Handel wie auch für die Industrie zwingend zu einem Differenzierungskriterium im Wettbewerb. Wer wenig transparent, langsam oder teuer ist, wird es schwer haben, Kunden zu binden.

Die Logimat wird gerne als „Arbeitsmesse“ bezeichnet. Gilt das auch für die Tradeworld? KEP-Dienstleister und Spediteure oder Payment-Anbieter haben im engeren Wortsinn ja eher wenig zu zeigen.

Komplexität und Geschwindigkeit von Prozessen nehmen immer mehr zu. Das führt dazu, dass sich Unternehmen immer mehr auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren müssen und folglich strategische Allianzen eingehen. Wertschöpfungsnetzwerke entstehen aber nicht von ungefähr. Dazu müssen Menschen zusammenkommen, Vertrauen gewinnen und feststellen, ob man auf Augenhöhe miteinander spricht, gleiche Werte teilt und so weiter. Dies wird in bestmöglicher Weise durch die Verknüpfung unserer Ausstellungsangebote und des Rahmenprogramms sowohl auf der Tradeworld wie auch auf der Logimat erreicht. Ja, die Tradeworld ist eine Arbeitsplattform …, wir arbeiten täglich daran, das Profil, den Netzwerkgedanken, weiter zu schärfen.

Vor allem das Fashionsegment erfordert Omnichannel-Kompetenz, inzwischen sogar grenzüberschreitend. Hat Stuttgart dieses Thema auf dem Schirm?

In kaum einer Branche ist das Umfeld so dynamisch wie im Bereich Fashion. Neue Wettbewerber mit aggressiven Vertriebsstrategien kommen auf den Markt. Der Vertriebskanal „Kauf- und Warenhäuser“ geht zurück, der Anteil der Onlinebestellungen im Bereich Textilien steigt Jahr für Jahr. Dabei erfolgen die Bestellungen zunehmend auch mobil. Wer heute im Fashionsegment erfolgreich sein will, muss mehrere Vertriebskanäle bedienen und diese miteinander vernetzen. Diese Entwicklung haben wir sowohl im Rahmenprogramm wie auch auf der Messe thematisiert. So findet am zweiten Messetag von 14 bis 15.30 Uhr auf dem Forum T in Halle 6 ein Fachforum zum Thema „Cross-Channel und weitere Trends der Fashionlogistik“ unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Vallée statt. Aber auch bei den Ausstellern der Tradeworld ist eine Reihe von Anbietern vertreten, die Lösungen für grenzüberschreitendes Omnichanneling anbieten. Gerade für eine schnelllebige Branche mit ständig wechselnden Kollektionen, einer steigenden Anzahl von Artikeln je Kollektion bei hohem Bestandsrisiko und langen Lieferketten sind die Anforderungen an effiziente Geschäftsprozesse und eine gute Planung und Disposition überlebenswichtig. Hier bringen wir Anbieter und Nachfrager zusammen!

Allen Vertriebskanälen ist eines gemeinsam: Die Retouren machen den Händlern zu schaffen. Können Besucher da auf branchenübergreifende Lösungen hoffen?

Die Händler klagen nicht über Retouren. Durch intelligente Verkaufskonzepte, wie zum Beispiel die Einbindung von 360°-Bildern, lässt sich der Anteil der Retouren in den Griff bekommen. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir weiterhin Retouren haben werden. Alle Beteiligten müssen diese intelligent abwickeln. Denn schon der Verbraucher fordert, dass der Prozess der Retoure für ihn einfach, effizient und transparent vollzogen wird. Hier gibt es bereits etablierte und standardisierte Prozesse. Diese müssen an die jeweiligen Besonderheiten einer Branche, beispielsweise an die Eigenschaften der Güter, an eingesetzte IT-Systeme, Anbieter-Nachfrager-Struktur, gebietsspezifische Besonderheiten und so weiter, angepasst werden. In Stuttgart werden sowohl Aussteller Lösungskomponenten für Retourenprozesse aufzeigen als auch Architekten auftreten, die diese Bausteine zusammenbauen können. Außerdem findet am dritten Messetag auf dem Forum T in Halle 6 ein Fachforum dazu von 14 bis 15.30 Uhr statt.

„Lage, Lage, Lage“ ist ein Credo der Immobilienwirtschaft. Könnte das der Logistiker „Prozesse, Prozesse, Prozesse“ heißen? Denn die Technik ist doch ziemlich ausgereizt, oder?

Logistik ist eine Querschnittsdisziplin, die sich schwerpunktmäßig mit Prozessen beschäftigen muss. Diese lassen sich immer weiter optimieren, ob durch Automatisierung (Roboter, Drohnen, selbstfahrende/autonome Fahrzeuge), durch eine entsprechend ausgeklügelte Lagertechnik (intelligente Behälter/Regale/Container, Augmented Reality) oder durch intelligente Maschinen, wie beispielsweise Sensoren. Im ersten Moment könnte man deshalb meinen, das Credo der Logistiker sei tatsächlich „Prozesse, Prozesse, Prozesse“ … Allerdings darf der Mensch bei all der Technikintelligenz und der zunehmenden Automatisierung nicht vergessen werden. Er ist der entscheidende Erfolgsfaktor und nimmt eine Schlüsselposition ein: Er steht immer an erster Stelle. Erst im zweiten Schritt kommen die Organisation im Sinne von Prozessen und der Aufbauorganisation und die Technik. In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff „Agilität“ in vieler Munde. Allerorts heißt es, die Organisation, die Teams, die Mitarbeiter müssen agiler werden. Doch was bedeutet das? Im Fachforum „Agilität in der Supply Chain“ am dritten Messetag von 11.45 bis 13 Uhr im Forum F in Halle 4 diskutieren Experten, wie man „mehr Agilität“ initiiert – auch in Teams, die aus Menschen bestehen, die nicht nur die gewünschte Fachexpertise und Erfahrung, sondern auch eingebrannte Verhaltensmuster und starre Lösungsansätze mitbringen. Dabei geht es um Fragen des Change-Managements und des Erfolgs von agilen Organisationen in dynamischen Arbeitswelten.

Ergänzendes zum Thema
Interview
Zur Person

Dr. Petra Seebauer ist seit dem 1. Oktober 2015 Geschäftsführerin der Euroexpo Messe- und Kongress- GmbH und zugleich Herausgeberin des Fachmagazins Logistik Heute, das bei der Münchner Huss-Verlag GmbH erscheint. Seebauer entwickelt unter anderem die Tradeworld, die Kompetenzplattform für E-Commerce und Omnichannel unter dem Dach der Logimat, sowie die internationale Fachkonferenz „Exchainge – The Supply Chainers‘ Conference“ weiter.

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