Extended Packaging Die Warenhülle verbindet Produkte und Verbraucher

Autor / Redakteur: Konrad Buck / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Das Handy wird zur Empfehlungsplattform. Schnittstelle für Zusatzinfos zu Produkten ist ein kleiner QR-Code auf der Verpackung. Mit einer App ausgelesen, stellt dieser die Verbindung zu einer Website her, über die Hersteller und Verbraucher, aber auch Verbraucher untereinander, in Kontakt treten können.

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Die Anzahl positiv kritischer Kunden wächst ständig. Vor dem Kauf informieren sich Verbraucher zunehmend über Herkunft und Zusammensetzung beispielsweise von Lebensmitteln. (Bild: Checkitmobile)
Die Anzahl positiv kritischer Kunden wächst ständig. Vor dem Kauf informieren sich Verbraucher zunehmend über Herkunft und Zusammensetzung beispielsweise von Lebensmitteln. (Bild: Checkitmobile)

Die Zahl der Smartphone-Nutzer und damit derjenigen, die ihr Handy zunehmend für Belange des täglichen Bedarfs nutzen, wächst stetig. Einer der jüngsten Erhebungen des US-Analysten Comscore zufolge verwenden derzeit rund 23% aller Konsumenten ein solches multifunktionales Gerät, Tendenz: steigend.

Jetzt macht sich diese Klientel daran, ihre Verbraucherinteressen mit mobilen Onlineservices durchzusetzen. Unterstützt von den Anbietern mobiler Produkt- oder Barcode-Scanner, wie Barcoo, Neoreader, Codecheck oder Beetagg, etabliert sich derzeit eine ständig wachsende Gruppe von Kunden, die Waren vor dem Kauf scannen und sich im Internet über Herkunft oder Zusammensetzung des Produkts informieren.

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Per Mobiltelefon Informationen zu Produkten abrufen

Gleichzeitig entdeckt die Konsumgüterindustrie den Quick-Response-Code als Kontakt zum Kunden. Denn mithilfe von gepixelten Quadraten lassen sich auf einfache Art nicht nur Informationen abrufen, sondern auch Tickets buchen und Tischreservierungen oder Fahrplanabfragen durchführen.

Auf der Fachmesse Euro ID 2012 in Berlin präsentieren Aussteller und Anwender vom 24. bis zum 26. April die ganze Bandbreite von Produkten und Services für die automatische Identifikation von Warenbestandteilen und Produkten sowie ihre Interaktionsmöglichkeiten mit dem Konsumenten. Gezeigt werden die neuesten Trends bei RFID, Sensorik, 2D-Code, Biometrie, Barcode, mobiler Datenerfassung, RF-Kommunikation, Systemintegration und Kartentechnologie.

Daneben können sich Unternehmen für den „European Auto-ID-Award“ bewerben, der 2012 bereits zum siebten Mal verliehen wird. Bewerbungen sind in den Kategorien RFID, optische Identifikation, sichere Objektidentität und innovatives Unternehmen möglich.

Kostenlose Smartphone-App ermöglicht scannen von Barcodes

Das Berliner Unternehmen Checkitmobile bietet Smartphone-Nutzern die kostenlose App Barcoo an. Sie ermöglicht es Verbrauchern, im Geschäft mit ihrem Mobiltelefon Barcodes auf den Verpackungen zu scannen und Produktinformationen abzurufen. Barcoo gibt es für das I-Phone, Android- sowie Nokia- und Samsung-Geräte.

Interessantestes Projekt hinter der neuen Verbrauchermündigkeit ist die „Lebensmittelampel+“, bei der ein Kunde die Nährwerte des eben gescannten Produktes mit anderen Produkten aus der gleichen Kategorie vergleichen kann. Hinter der Ampel stecken sowohl der Anbieter als auch die Nutzer der Scan-Application Barcoo. In den letzten zweieinhalb Jahren haben die Anwender Angaben zu rund 600.000 Nährwerten, Vitaminen und Mineralstoffen mobil eingegeben und damit die umfassendste Nährwert-Datenbank der Welt geschaffen. Die neue „Ampel+“ ging Mitte 2011 live.

Und Checkitmobile geht noch einen Schritt weiter. Benjamin Thym, Geschäftsführer der Checkitmobile GmbH, dazu: „Ähnlich wie es früher für Unternehmen notwendig war, in den Gelben Seiten vertreten zu sein, ist dies nun auch für Hersteller bezüglich der mobilen Welt erforderlich. Mit Extended Packaging und Zugriffstools wie Barcoo entsteht eine Informations- und Empfehlungsinfrastruktur rund um die Warenwelt.“ Um dem gerecht zu werden, haben die Berliner speziell für kleinere Hersteller jetzt ganz neu einen Basiseintrag geschaffen; ergänzt wird dieses Angebot durch Marktforschungs-Dienstleistungen.

Weitere große Hersteller starten bald ins Extended Packaging

Zu den Kunden zählen bis dato Großunternehmen wie Coca-Cola, Kraft Foods, Tegut oder Tchibo. Tarik Tokic, Co-Geschäftsführer bei Checkitmobile, erläutert: „Der Basiseintrag läuft gut und wir sind mit dem Jahr 2011 sehr zufrieden. Die oben genannten Unternehmen sind aktiv dabei und übersenden uns ihre Produktdaten und -bilder, damit diese entsprechend gut bei uns dargestellt werden. In den kommenden Monaten starten weitere große und namhafte Hersteller ins Extended Packaging.“

Pionier im Bereich Extended Packaging ist das größte deutschsprachige Online-Produkthandbuch Codecheck.info aus der Schweiz. Das Portal steht kritischen Konsumenten bei ihren Kaufentscheidungen zur Seite. Es trägt mit seinen Fachinformationen zu den Inhaltsstoffen eines Produktes und Expertenmeinungen zur Transparenz am Markt bei. Gleichzeitig ist die Plattform ein Ort, an dem sich Konsumenten über Produkte austauschen können. Mit innovativer Technologie bringt Codecheck diese Informationen dorthin, wo Fragen anfallen – in den Laden vor das Regal.

Eindeutige Produktidentifikation per GS1-Strichcode gegeben

Hierfür nutzt die Codecheck-Technik den GS1-Strichcode. Mit der jedem Produkt aufgedruckten und weltweit gültigen GS1-Nummer (Global Trade Identification Number GTIN, früher EAN) lässt sich ein Produkt eindeutig identifizieren. Anschließend kann der aktive Teil der inzwischen etwa 8 Mio. Nutzer umfassenden Community den Produkten aktuelle Bewertungen, beispielsweise von Inhaltsstoffen, über die Codecheck-Plattform zuordnen. Derzeit liegen Informationen zu rund 119.000 Konsumgütern vor, während die gesamte Datenbank rund 8,3 Mio. Angaben zu Produkten umfasst.

Der Anwender nutzt die Codecheck-App, scannt den Barcode und die angeforderten Informationen werden sofort angezeigt. Neu ist die Funktion „Alternativen finden“. Sie erlaubt es den Nutzern, nach einem ähnlichen Produkt zu suchen, das bestimmte Inhaltsstoffe nicht enthält. Nicht empfehlenswerte oder unerwünschte Zusatzstoffe können als Ausschlusskriterium angegeben werden und so lassen sich leicht ein Deo ohne Aluminiumzusatz, eine Suppe ohne Geschmacksverstärker oder ein Fleischprodukt ohne Konservierungsstoffe finden.

Daten aus solchem Kundenverhalten nutzen auch die Warenanbieter, weiß Codecheck-Gründer und Geschäftsführer Roman Bleichenbacher: „Inzwischen stellen viele Hersteller ihre Produktangaben bei Codecheck.info ein. Damit können unsere Nutzer die Verpackungsangaben so sehen, wie von ihnen gewünscht. Durch die Weitergabe anonymisierter Zugriffszahlen erhalten die Hersteller außerdem Informationen darüber, auf welche Produkteigenschaften die Nutzer besonderen Wert legen. Denn die Konsumenten informieren sich vor, während oder nach dem Kaufprozess über ihre Produkte bei Codecheck.info.“

Hersteller und Händler erhalten über Codecheck Feedback von den Kunden

Die Vor- und Nachteile von Produkten werden von Codecheck für Hersteller, Händler oder Logistiker zusammengestellt und Konsumenten erhalten so die Möglichkeit, direkt auf den Entwicklungsprozess der Produkte Einfluss zu nehmen. Bleichenbacher dazu: „Solche Feedbacks sind für Hersteller und Händler unabdingbar. Durch die Zusammenstellung strukturierter Nutzerfeedbacks, Kundenwünsche und Marktforschungsdaten lassen sich Rückschlüsse für Produktanpassungen, neue Produkte und Trends ziehen. Besonders interessant ist, dass nicht nur die Wahrnehmung der eigenen Produkte analysiert werden kann. Es ist auch möglich, konkurrierende Hersteller, deren Sortimente und Produkte zu analysieren.“

Nach Auskunft von Timo Stehn, Marketingexperte bei dem auf Direktmarketingservices und RFID-Lösungen spezialisierten Euro-ID-Aussteller PAV GmbH aus Lütjensee bei Hamburg, sind vor allem Kunden und Verbraucher im Alter zwischen 18 und 50 Jahren mit einer Affinität zu mobilen Endgeräten die primäre Zielgruppe für Informations- und Interaktionsangebote auf Basis von QR-Codes: „Sie legen besonderen Wert darauf, sich vor dem Kauf genauestens über die Eigenschaften eines Produktes und Empfehlungen durch Institutionen ausführlich zu informieren.“

Augmented Reality kann Möglichkeiten von Extended Packaging ausbauen

Des Weiteren hebt Stehn die enge Verwandtschaft zwischen Extended Packaging und Augmented Reality (AR – erweiterte, moderierte Realität) hervor. Generell bietet AR die Möglichkeit, auf Smartphones, aber auch auf Bildschirmen oder Projektionsflächen im Blickfeld der Benutzer, die wahrgenommene reale Umwelt mit beliebigen virtuellen und interaktiven dreidimensionalen Inhalten zu überlagern. In Echtzeit computergenerierte Objekte erscheinen dadurch im realen Raum dreidimensional und lagegerecht zueinander in Bezug stehend.

* Konrad Buck ist freier Journalist in 40225 Düsseldorf

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