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Inbound-Logistik Digitalisierte Inbound-Logistik schafft effiziente Transporte

| Autor / Redakteur: Rebecca Vlassakidis / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die Digitalisierung der Supply Chain ist das Ziel vieler Unternehmen, um effizienter in der gesamten Wertschöpfungskette zu werden. Hierzu zählen auch digitale sowie automatisierte Prozesse in der Inbound-Logistik. Vor dem Hintergrund steigender Transportkosten rechnen Experten mit Kostensteigerungen von 30 % in den nächsten fünf Jahren. Mit der Lösung SAP Transportation Management (SAP TM), die ursprünglich für die Outbound-Logistik entwickelt wurde, lässt sich auch die Inbound-Logistik digitalisieren.

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In der Digital Supply Chain lassen sich mit SAP TM auch die Inbound-Prozesse abwickeln.
In der Digital Supply Chain lassen sich mit SAP TM auch die Inbound-Prozesse abwickeln.
(Bild: ©zapp2photo - stock.adobe.com)

Die steigenden Kosten sind einer der größten Treiber für die Digitalisierung der Supply Chain. Das belegt eine Studie der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V. aus dem Jahr 2018. Experten des Management- und IT-Beratungshauses MHP schätzen im Bereich Transport eine Kostensteigerung von 30 % in den nächsten fünf Jahren. Einen Anstieg sieht auch der Bundesverband Spedition und Logistik. Ein wichtiger Grund dafür sei der Mangel an Fahrern. Diese Lage stellt verschiedene Hersteller und Zulieferer für die Automobilbranche, insbesondere mit Blick auf den angespannten Transportmarkt, vor neue Herausforderungen. Effiziente Prozesse und das Ausschöpfen der Einsparpotenziale durch eine Digitalisierung der Logistik sind daher für Unternehmen ausschlaggebend, um weiterhin eine starke Wettbewerbsposition zu halten.

Lkw-Auslastung: 40 % freie Ladefläche

„Im Rahmen der Digitalisierung des Supply-Chain-Managements muss sowohl die Outbound- als auch die Inbound-Logistik betrachtet werden“, meint Bastian Kempe, Projektleiter bei dem Management- und IT-Beratungsunternehmen MHP. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist beispielsweise die oft zu geringe Auslastung der Lkw. Interne Unternehmensanalysen zeigen, dass Laster über durchschnittlich bis zu 40 % freien Laderaum verfügen. Das Ziel lautet hier: bei gleicher Transportmenge die einzelnen Lkw besser auslasten und so die Anzahl der Fahrten reduzieren (Full-Truck-Loads).

SAP TM optimiert zum ersten Mal Inbound-Prozesse

MHP hat hierzu ein ganz besonderes Projekt für einen Automobilzulieferer umgesetzt. Christian Sagur, Sales Director bei MHP: „Ursprünglich wurde SAP TM entwickelt, um die Outbound-Prozesse zu verbessern. Wir waren uns sicher, dass sich damit auch der Inbound-Prozess abwickeln lässt. Nachdem wir hier die Verbesserungen durch SAP TM ausführlich dargestellt haben, konnten wir den Automobilzulieferer von diesem Projekt überzeugen.“

Christian Sagur: „Mithilfe von SAP TM erreichen wir eine höhere Auslastung der einzelnen Lkw.“
Christian Sagur: „Mithilfe von SAP TM erreichen wir eine höhere Auslastung der einzelnen Lkw.“
(Bild: MHP)

Hierbei wurde SAP TM zum ersten Mal bei einem Unternehmen für eine Transportplanung auf Basis von Lieferabrufeinteilungen im Inbound-Prozess eingeführt. Die Anforderungen waren eine vollständige Integration der Lösung in die bestehende Systemlandschaft (SAP ERP) und möglichst wenig Prozessänderungen auf Seiten der Lieferanten und Spediteure. Zunächst wurde das System mit einer kleinen Anzahl von Transportunternehmen in der Pilotphase getestet.

Mehr als 100 Lieferanten und Spediteure angebunden

„Der Automobilzulieferer hat mehrere Hundert Lieferanten und eine Vielzahl an Spediteuren, die an die neue Lösung angebunden werden sollten. Das Ziel war also, so wenig wie möglich Änderungen in der Kommunikation zwischen dem Zulieferer als Auftraggeber sowie den Auftragnehmer, also den Lieferanten und Spediteuren, vorzunehmen“, so Sagur. „Es ändert sich lediglich die Art der Beauftragung. Jetzt können Aufträge direkt an die Spediteure verschickt werden.“ Auch die Koordination der Lieferanten übernimmt der Zulieferer selbst. Diese erhalten einen bestimmten Termin, an dem die Ware für den jeweiligen Spediteur zur Abholung bereitstehen muss. Das hat den Vorteil für die Lieferanten, dass sie für die Abholung, den Transport und die pünktliche Lieferung nicht mehr verantwortlich sind.

Auslastung der Trucks signifikant gesteigert

Die neuen Prozesse sehen im Detail so aus: Die Disponenten aus den einzelnen Produktionsstätten generieren ihren Bedarf an Zulieferteilen, der zunächst automatisch an das zentrale Transportmanagementsystem übermittelt wird. Es wird zunächst der gesamte Transportbedarf gesammelt. Mithilfe der hinterlegten Stammdaten aus dem ERP-System verknüpft das Transportation Management diese Daten intelligent zu einem sinnvollen Ganzen. Das Tool plant und erstellt je nach Ressourcen alle Frachtkosten und Liefertermine. Daraus ergeben sich optimierte Frachtaufträge. Bei diesem Vorgang werden die Ladekapazitäten der Lkw berücksichtigt und hinsichtlich ihrer Auslastung optimiert. Am Ende erstellt das Transportation Management einen Transportplan, bei dem Teile und Waren bei dem jeweiligen Lieferanten abzuholen sind. Dieser erhält jeweils Termine, an denen die abgerufenen Teile bereitzustellen sind.

Bastian Kempe: „Durch die Umstellung auf eine systemgestützte Transportoptimierung wurde der Prozess deutlich flüssiger und transparenter gestaltet.“
Bastian Kempe: „Durch die Umstellung auf eine systemgestützte Transportoptimierung wurde der Prozess deutlich flüssiger und transparenter gestaltet.“
(Bild: MHP)

„Durch die Umstellung auf eine systemgestützte Transportoptimierung wurde der Prozess deutlich flüssiger und transparenter gestaltet. Und auch die Transportunternehmen profitieren von effizienteren geplanten Touren“, sagt der Projektverantwortliche Bastian Kempe von MHP. „Mithilfe von SAP TM erreichen wir eine höhere Auslastung der einzelnen Lkw. Damit kommen beispielsweise nicht drei teilausgelastete Lkw aus einer Region, sondern nur noch zwei, die voll beladen sind“, so Sagur. Die Auslastung einzelner Trucks konnte innerhalb weniger Wochen um bis zu 60 % gesteigert, eine durchschnittliche Ladungsträgerauslastung von bis zu 90 % erreicht werden. So fahren nicht nur weniger, sondern auch besser ausgelastete Lkw, was die Transportkosten signifikant reduziert.

Nebeneffekt Green Logistics: 7200 t weniger CO2

Diese nachhaltige Handlungsweise wirkt sich auch positiv auf die Umwelt aus. So lassen sich pro Jahr circa 7200 t CO2 einsparen. Die bessere Auslastung der Lkw und eine effektivere Routenplanung tragen wesentlich zu einer Green Logistic sowie zu niedrigeren Transportkosten bei. Es gibt mehr Transparenz in den Logistikprozessen und in der Frachtabrechnung. MHP hat mit SAP TM für die Inbound-Logistikprozesse des Automobilzulieferers wesentliche Optimierungen erreicht. Somit konnte ein wichtiger Schritt in Richtung einer digitalen Supply Chain getätigt werden. ■

* Rebecca Vlassakidis ist Redakteurin bei der Agentur Kleine Republik in 50668 Köln. Weitere Informationen: MHP Management- und IT-Beratung GmbH in 71638 Ludwigsburg, Tel. (0 71 41) 78 56-0, info@mhp.com

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